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Ahrens, Käte
25.6.1888 Emden - 4.6.1957 - München


Käte Ahrens, langjährige Funktionärin der sozialdemokratischen Partei in Bremen war verantwortlich für die Zeitschrift "Arbeiterpolitik"1, Wochenzeitschrift für wissenschaftlichen Sozialismus" die in Bremen von Juni 1916 bis März 1919 in einer Auflagenhöhe bis zu 3000 Exemplaren von Johann Knief herausgegeben wurde. Er war Gründer der Gruppe der Bremer Linksradikalen, die ursprünglichen aus dem SPD-Ortsbeirat bestand. Diese legale Zeitschrift (Ersterscheinung 1916 - Eingestellt 1919) stützte sich auf die Mitarbeit der Bremer Linksradikalen und wurde durch Sammlungen unter Bremer Arbeitern und durch Spenden finanziert. Geschäftsführerin der Zeitung war Lotte Kornfeld. Die Zeitung wurde vorwiegend in Nordwestdeutschland verbreitet- Über Feldpost und Urlauber gelangte die Zeitschrift auch zu Soldaten an der Front und ins Ausland. In der Schweiz gehörte z. B. Lenin zu den Beziehern.
Bis zum Frühjahr 1917 wurde die Redaktion durch Knief geführt. Weitere Mitarbeiter waren Otto Rühle, Karl Radek, Anton Pannekoek, Paul Frölich u. a. Die Zeitschrift orientierte sich hauptsächlich gegen rechtsopportunistische und zentristische Strömungen innerhalb der Sozialdemokratie. So wandte sie sich gegen den Anschluss der Spartakusgruppe an die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) und forderte die Bildung einer unabhängigen Organisation der deutschen Linken.
Ferner trat sie für "die Anbahnung des internationalen Zusammenschlusses der sozialistischen Arbeiterschaft durch die Fortführung des Werkes von Zimmerwald und Kiental" ein. Ab Mitte 1917 wurde das Konzept einer Einheitsorganisation vertreten, die sowohl die Aufgaben einer Partei wie einer Gewerkschaftsorganisation übernehmen sollte. Ausdruck dieses syndikalistischen Konzepts fand dies im Aufruf zum Boykott der freien Gewerkschaften.
Die Zeitschrift begrüßte und verteidigte die Oktoberrevolution. 1918 wurden einzelne Kapitel aus der Schrift Staat und Revolution und aus Das Militärprogramm der proletarischen Revolution von Lenin veröffentlicht.
Sie war Gründungsmitglied der Gruppe Internationale Kommunisten Deutschlands (IKD) und neben Gesine Becker und Minna Otto eine der drei weiblichen Delegierten im Arbeiter- und Soldatenrat in Bremen. Wie sie in den Arbeiterrat gelangten, konnte bislang nicht ermittelt werden. Die männlichen Delegierten kamen über die betrieblichen Arbeiterräte in den Arbeiterrat."Käte Ahrens und Gesine Becker, die beide keinen Beruf ausübten und somit nicht über die Betriebswahlen ein Mandat für den Arbeiterrat erlangt haben können. Sie müssen demnach auf eine andere Art und Weise in den Arbeiterrat in den Rat gelangt sein - indem sie bereits zum Gründerkreis zählten oder aber durch eine spätere Delegation im Arbeiterrat Mitgliedsrechte erlangten."2 Zu der vom Arbeiter- und Soldatenrat für den 10.11.1918 einberufenen Frauenversammlung zum Frauenwahlrecht in das Casino auf den Häfen, zu der auch der Frauenstimmrechtsbund einlud, kamen mehr als 2000 Menschen Es kam zu erregten Diskussionen. Käte Ahrens forderte die Frauen auf, sich im revolutionären Prozess zu engagieren, denn "der revolutionäre Umwälzungsprozess ist nicht von selbst gekommen, wir Linksradikalen und die Unabhängigen haben auf ungesetzlichem Wege durch Flugblätter usw. tüchtig vorgearbeitet. Wir wollen jetzt nicht mehr fordern, wir wollen dekretieren, die Gesellschaft kann keinen Tag ohne Frauenarbeit existieren!"2 Sie lebte mit dem Maschinenarbeiter und Tischler Hugo Wahl zusammen beide traten 1919 aus der KPD aus. Sie war 1920 Mitgründerin der KAPD. Über ihren weiteren Lebensweg konnte nichts ermittelt werden.
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Anmerkungen:
1.Kuckuk/Schröder, S. 464
2.Stuckmann, S.96
Literatur und Quellen:
Arbeiterpolitik, Bremen Jg. 14
Bremer Nachrichten 3.11.1918
Debus, Barbara: Die Frau hat die grösste Ursache, sich für die Revolution zu begeistern,in: Bremer Blatt, 1986
Hey,Heike:Frauen in der Bremer Räterepublik
Kuckuk,Peter/Schröder Ullrich:Bremen in der Deutschen Revolution 1918/1919: Revolution, Räterepublik, Restauration,Edition Falkenberg, 2017
Stuckmann, Dagmar: Gebt Raum den Frauen, Wiesbaden 2007, S. 111
Autorin: Edith Laudowicz