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Grieme, Selma, verh. Heldenmaier
4.4.1910 in Bremen - 27.9.1999 in Bremen

Mit sieben Jahren trat Selma in den Allgemeinen Bremer Turnverein von 1860 (ABTV) ein. "Viele Mädchen aus meiner Klasse gingen in den Turnverein und so eben ich auch" erzählte sie über den Beginn ihrer sportlichen Aktivitäten. 1926 fand die erste Bremer Waldlaufmeisterschaft statt, an der sie teilnahm und auf Anhieb - ohne vorheriges Lauftraining - als 16jährige den Meistertitel der Frauen gewann. "Ich lief den meisten Jungen einfach davon". Sie begeisterte sich für die Leichtathletik. "Das Laufen, der Weitsprung, der Hochsprung - das machte mir alles unheimlich viel Spaß. Ich war oft auf dem Platz zu finden."1


1927 gewann sie bei den Norddeutschen Meisterschaften gleich mehrere Titel: u.a. den 2.Platz im Hochsprung. 1928 wurde sie deutsche Meisterin im Fünfkampf, 1930,1932 und 1933 im Weitsprung und 1931 und 1934 im Hochsprung. "Sie war erste deutsche Rekordhalterin im Fünfkampf und verbesserte den Deutschen Rekord im Weitsprung viermal bis zuletzt auf 5,91 m am 23.August 1931 in Hannover beim Länderkampf gegen England.2"
Gern berichtete sie über ihre Erlebnisse bei den Länderkämpfen, so 1930 über den Kampf gegen England in Birmingham. "Die Engländerinnen waren richtig neidisch auf unseren modernen Dress, wir hatten nämlich schon kürzere Sprinthosen, nur noch den halben Oberschenkel bedeckt, während die Engländerinnen noch die knielangen Pumphosen trugen. Am nächsten Tag kamen sie dann mit hochgekrempelten Hosen an den Start."3
Sie nahm auch an den Frauen-Weltspielen teil - internationale Wettkämpfe für Frauen, die vor der generellen Zulassung von Frauen zu den Olympischen Spielen durchgeführt wurden. Bis dahin durften Frauen nur wenige Sportarten olympisch betreiben: 1900 Golf und Tennis, 1904 Bogenschießen, 1908 Tennis, Bogenschießen und Eislauf, 1912 kam Schwimmen dazu. Veranstaltet wurden die Frauen-Weltspiele von der Internationalen Frauen-Sport-Föderation FSFI (Fédération Sportive Féminine Internationale, gegründet am 31.Oktober 1921). Auch hier war sie siegreich: 1930 gewann sie eine Bronze-Medaille im Weitsprung, 1934 erhielt sie eine Goldmedaille im Hochsprung und in der 4 x 100 m-Staffel.4
Bei den Olympischen Spielen 1932 hingegen war sie nicht so erfolgreich, denn sie war verletzt. 1934 heiratete sie den Schauspieler Alfred Heldenmaier. 1936 erwartete sie ihr erstes Kind (ihre Tochter Sigrid blieb ihr einziges Kind), und konnte deshalb nicht an der Olympiade teilnehmen. Sie zog mit ihrem Mann nach Dresden, betrieb dort aber auch Leistungssport. 1945 kehrte sie nach Bremen zurück.
1949 lief sie zum letzten Mal bei einer Deutschen Meisterschaft in Bremen in der 4 x 100 m Staffel von Bremen 1860. Sie blieb ihrem Sportverein treu, 1967 wurde sie für ihre 50jährige Mitgliedschaft geehrt.

Sie starb 89jährig in Bremen.
Literatur und Quellen:
Alle Zitate aus: Leichtathletik InforMationen: Heft 3/2010
Weser-Kurier 29.3.51
Autorin: Edith Laudowicz