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Gurlit, Inge, geb. Mond
23.7.1937 in Bremen - 27.1.2013 in Bremen

Vor ihrer Heirat war sie am Goethe-Theater beschäftigt. Sie heiratete 1958 Reinhard Gurlit. Das Ehepaar bekam zwei Söhne und eine Tochter. Inge G. kümmerte sich um die Kinder und den Haushalt. "Als sich bei mir die Familienphase dem Ende näherte, entdeckte ich die St. Remberti-Gemeinde als mein neues Betätigungsfeld."1
Sie engagierte sich in Gesprächskreisen und in einer Gemeindeteestube, wurde in den Gemeindevorstand gewählt und war im Kirchausschuss Vorsitzende des Diakonieausschusses. "Die zwölf Jahre im Kirchenausschuss haben mir eine ganz neue Welt erschlossen. Es ist einfach gewinnbringend, einmal über die Gemeindegrenzen hinaus zu schauen."2 Außerdem gehörte sie dem Vorstand der Inneren Mission und den Vorständen des Landesverbandes der Evangelischen Frauenhilfe sowie der Evangelischen Frauenarbeit an. Beeinflusst durch die Diskussionen der Frauenbewegung setzte sie sich dafür ein, dass Frauen in den kirchlichen Gremien mehr Einfluss erhielten.
1983 wurde sie selbst in den Kirchentag der Bremischen Evangelischen Kirche gewählt und gehörte ihm bis 2001 an. In ihrer Amtszeit wurden in der Evangelischen Frauenhilfe erstmals Seminare zur feministischen Theologie eingerichtet, die sie auch selbst besuchte. 1985 erschien die kirchliche Zeitschrift Frauen heute. Von 1989 bis 2001 war sie die erste Frau, die das Amt der Vizepräsidentin des Kirchenausschusses übernahm. Von 1991 bis 2003 war sie in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland vertreten. Sie war dort Mitglied im Haushaltsausschuss und ab 1998 Mitglied im Präsidium. Sie war überzeugt davon, dass Frauen gern mehr Verantwortung übernehmen möchten, sie würden aber durch das Beharrungsvermögen der Männer ausgebremst. 1993 wurde der Antrag zur Einsetzung einer Frauenbeauftragten innerhalb der Kirche noch abgelehnt, 1994 jedoch erreichte sie die Einstellung der ersten Frauenbeauftragten Eva Heß.3
Im Mittelpunkt ihres Engagements auf kommunaler Ebene standen die Tageseinrichtungen für Kinder und die Arbeit mit und für Frauen. Im Rahmen einer Fachtagung des Evangelischen Landesverbandes 1989 verwies sie darauf, dass es notwendig sei, Kindererziehung nicht länger als Privatsache zu begreifen. Sie forderte eine Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft und auch innerhalb der Kirche. Sie war der Meinung, dass endlich bewusst werden müsse, dass Kinder eine Investition in die Zukunft seien, die auch Geld kostet. Eine Ausweitung des kirchlichen Kinderbetreuungsangebots sei unerlässlich. Wiederholt engagierte sie sich in der Auseinandersetzung zwischen der Kirche und dem Senat in der Frage der staatlichen Mittel für kirchliche Kindergärten.
Im Mittelpunkt ihres Engagements auf kommunaler Ebene standen die Tageseinrichtungen für Kinder und die Arbeit mit und für Frauen. Im Rahmen einer Fachtagung des Evangelischen Landesverbandes 1989 verwies sie darauf, dass es notwendig sei, Kindererziehung nicht länger als Privatsache zu begreifen. Sie forderte eine Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft und auch innerhalb der Kirche. Sie war der Meinung, dass endlich bewusst werden müsse, dass Kinder eine Investition in die Zukunft seien, die auch Geld kostet. Eine Ausweitung des kirchlichen Kinderbetreuungsangebots sei unerlässlich. Wiederholt engagierte sie sich in der Auseinandersetzung zwischen der Kirche und dem Senat in der Frage der staatlichen Mittel für kirchliche Kindergärten.
Wichtig war ihr, für die ehrenamtliche Arbeit innerhalb des kirchlichen Lebens einen klaren Rahmen zu setzen. In einer Morgenandacht zur 3.Tagung der 9.Synode der EKD in Bremen setzte sie sich mit der ehrenamtlichen Arbeit auseinander: "Wenn wir diese beiden Forderungen - "einer trage des anderen Last" und "liebe deinen Nächsten" - zusammen sehen und beherzigen könnten, ...wäre das Leben in dieser Gesellschaft humaner. Diese beiden Forderungen zu bejahen und in unserem täglichen Leben zu erfüllen, bedeutet...eben auch, angenommen und aufgefangen zu werden von den anderen. Geben und Nehmen, Lieben und geliebt zu werden im stetigen Wechsel. Das ist wichtig. Geben und Nehmen in Gegenseitigkeit."3 Damit dies möglich sei und es nicht zu Schuldgefühlen oder Vorwürfen komme, müssten für die ehrenamtliche Arbeit innerhalb des kirchlichen Engagements auch klare Rahmenbedingungen formuliert werden, so wurden Leitlinien für das Ehrenamt entwickelt. Als sie sich 2001 aus dem Amt verabschiedete, stellte sie erfreut fest, dass Frauen in der Kirche mittlerweile einen anderen Status hätten. 2011 konnte erstmals eine Frau - Isabel Klaus - die Kanzel der Rembertigemeinde als Pastorin besteigen.
Von 2005 bis 2010 war Inge Gurlit Bauherrin der St. Remberti Gemeinde. Sie widmete sich in dieser Funktion - unterstützt von der Bauabteilung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) den Ausbau des Kindergartens, der Sanierung des Gemeindehauses und der Umgestaltung der Gemeinde.
Nach einer schweren Krankheit starb sie nur kurz nach ihrem 75.Geburtstag. Die Kirchgemeinde verabschiedete sich von ihr mit einem Trauergottesdienst.

Anmerkungen:
1.Morgenandacht zur 3.Tagung der 9.Synode der EKD, 5.11.1998
2.St. Remberti Nachrichten, Ausgabe 3/2012
3.Weser-Kurier 14.3.89, 21.8.89, 8.4.91, 22.10.93, 29.10.98, 11.05.2001, 7.2.2013
Publikationen:
Wo Rauch ist - ist auch Feuer. Heinz Hermann Brauer - 30 Jahre im Dienste der Bremischen Evangelischen Kirche - Eine Festschrift Gebundene Ausgabe - 2001 mit Beiträgen von Inge Gurlit
Ausätze in der Zeitschrift Frauen Heute, Hrsg: Landesverb. der Ev. Frauenhilfe Bremen
95 Pfennig Stundenlohn Frau Ripke - lebendige Geschichte der Frauenhilfe, Heft: 2,1986 S.10-11
Die Armut ist weiblich: Chancengleichheit 1986 immer noch ein Märchen, Heft 1986, S.9
Wirbel um Eva: eine umstrittene Ausstellung in Bremen, Heft: 4/1986, S.19
Dumme Kuh, blöde Gans...: was "man" so alles von - über - und mit Frauen redet, Heft 1/1987, S.9
Die Frau als Droge? - Der Mann als Vakuum: aus weiblicher Sicht; aus männlicher Sicht, Heft 3/1988, S.22-23
So, das ist also der Feind: Frauen nach dem Krieg: Sie hamsterten, tauschten und klauten, ebda: S.3-5
Abel hatte viele Schwestern: das Weib in der Gemeinde schweigt nicht mehr, Heft 4/1988 S.22
Wird die Kirche immer weiblicher? Als Frau in der Kirchenleitung, St. Remberti Nachrichten, Ausgabe 3/2012, S. 9 - 11

Literatur und Quellen: Morgenandacht zur 3.Tagung der 9.Synode der EKD, 5.11.1998
St. Remberti Nachrichten, Ausgabe 3/2012
WK 14.3.89, 21.8.89, 8.4.91, 22.10.93, 29.10.98, 11.05.2001, 7.2.2013

Autorin: Edith Laudowicz