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Dr. Johanna Bertha Lürssen

27.12.1881 Delmenhorst - 3.März 1966 Bremen

Bertha Lürssen wurde als jüngste Tochter des Korkfabrikanten Carl Hinrich Lürßen und seiner Frau Margarethe Benckendorf in Delmenhorst geboren. Sie und ihre Schwester Elisabeth machten an der Lehrerinnenbildungsanstalt in Wolfenbüttel eine Ausbildung. Johanna arbeitete zunächst als Privatlehrerin, dann in Blankenburg/Harz in einer Bürgerschule. Nach einem Studienaufenthalt in England studiere sie nach der Reifeprüfung Deutsch, Englisch und Mathematik in München und Marburg . Sie promovierte und bestand die Lehramtsprüfung mit ‚Auszeichnung". Anschließend unterrichtete sie zuerst in Bad Harzburg, "dann an der Humboldtschule in Frankfurt/Main." 1915 promovierte sie über das 'Das Hohe Lied in einer mittelniederdeutschen Praphrase' und bestand die Prüfung für das Lehramt an Höheren Schulen mit Auszeichnung."1
1917 kehrte sie nach Bremen zurück und unterrichtete als Studienrätin am städtischen Lyzeum Kleine Helle bis 1926. Im April und übernahm sie die Leitung der damaligen "Deutschen Oberschule für Mädchen", später Gymnasium an der Karlstraße. Als engagierte Frauenrechtlerin hatte sie gegen eine Reihe von Schwierigkeiten anzukämpfen, denn in den zwanziger und zu Beginn der dreißiger Jahre gingen etwa nur ein Drittel der Schülerinnnen der 10. Klasse auf die Oberstufe über. Der Prozentsatz der Abiturientinnen stieg jedoch langsam durch ihr Engagement und das weiterer Lehrerinnen, die sich für die gleichen Bildungsmöglichkelten wie für die Jungen einsetzten. Gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit an der neuen Schule wurde mit der Wahl eines Direktors konfrontiert: Die Hansestadt hatte nach dem I. Weltkrieg die kollegiale Schulleitung eingeführt, nach der die Wahl des Direktoren durch die Lehrer der Schule stattfand. Diese/r musste allerdings durch die Behörde bestätigt werden, was in der Regel auch geschah. Es kam zu einer Stichwahl zwischen ihr und einem Studienrat der Schule. Das Kollegium entschied sich für sie.
Im Januar 1933 wurde sie von Senator Spitta zur Schulrätin ernannt. Nach Machtergreifung der NSDAP Ende 1933 stellte man ihr frei, sich mit dem Titel einer Schulrätin pensionieren zu lassen oder als Studienrätin weiterzuarbeiten. Für diese tatkräftige Persönlichkeit kam nur das letztere in Infrage, bis 1945 arbeitete sie als Studienrätin an der Kleinen Helle und musste die Zerstörung miterleben.
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs wurde sie Sommer 1945 als Oberschulrätin in die Schulverwaltung berufen. Hier setzte sie ihre ganze Kraft für den Wiederaufbau des bremischen Schulwesens ein, besonders für die Mädchenbildung.
Mit 69 Jahren, trat sie In den Ruhestand. Nie erlahmte ihre Anteilnahme an der Entwicklung des Bremer Schulwesens. Sie trat dem A.D. dem Klub der Ruheständler der Karlstraße bei. Sie engagierte sich für bessere Chancen für Frauen nicht nur im Rahmen ihrer pädagogischen Arbeit. Sie war Vorsitzende des Philologenverbandes Bremen und auch im Vorstand des Bremer Lehrervereins. Von 1956 - 1958 war sie Vorsitzende des Deutschen Akademikerinnenbundes, für dessen Neugründung sie sich nach Kriegsende engagiert hatte und den sie bei der Wiederaufnahme in Internationalen Akademikerinnenbund vertrat.
Eine ehemalige Lehrerin erinnert sich anlässlich ihres Todes an sie:
"Die Schule bildete den Mittelpunkt ihres Lebens. Für sie gab es keinen 8-Stunden Tag. In dem kalten, vom Lärm der Turnhalle erfüllte Direktorzimmer saß sie oft bis In den späten Abend hinein. Besonders uns jungen Lehrerinnen gab sie viel. Alles konnte man vertrauensvoll mit ihr besprechen, immer stand sie um mit Rat und Tat zur Seite. Sie forderte von ihren Lehrkräften Einsatz und Pflichterfüllung, ließ aber jeden In seiner Eigenart gelten und sich frei entwickeln.Sie kannte jede Schülerin, und es war für uns Lehrer oft kaum zu fassen, wenn sie nach den ersten-14 Tagen eines neuen Schuljahres bereits nicht nur die Namen der neu aufgenommenen Sextaner, sondern auch die Familienverhältnisse kannte. Unsere Schule war damals die neue Schulform der "Deutsche Oberschule", die besonderen Wert auf deutschkundliche und künstlerische Fächer legte. Interessierte Schülerinnen aus allen Kreisen der Bevölkerung zog es zu unserer Schule, Frau Dr.Lürßen zu einer Höhe führte, auf die wir alle stolz waren."2

Anmerkungen:
1. Hannover-Drück, Elisabeth: Lürssen Bertha-Johanna, Bremer Frauen von A - Z, Bremen 1919, S. 230-231
2. Der Kreisel 38, S.6 -7
Autorin:Edith Laudowicz ©