Biografien| Aktuelles

 
 
Arhues, Meta
1823 Bremen - 22.4.1865 in Bremen
 

Um 1850 arbeiteten 10.000 Menschen in der Zigarrenproduktion und den ihr angelagerten Bereichen, wie etwa den Importgeschäften, der Kistenmacherei usw, 1885 waren nur noch gut 2000 Personen in der direkten Zigarrenproduktion beschäftigt. "Die Zigarrenherstellung war zunächst vorwiegend Männerarbeit. Die Zigarrenherstellung erfolgte in großem Umfang in Heimarbeit, was die Einbeziehung der Kinder zur Folge hatte, die schon im Alter von fünf bis sechs Jahren mitarbeiteten. Frauen arbeiteten überwiegend als Wickelmacherinnen oder Abstreiferinnen. Da die Ausbildung zur Wickelmacherin sehr lange dauerte, begannen Mädchen mit dieser arbeit schon im Alter von 12, 13 oder 14 Jahren. Sie wurden in der Regel von den Zigarrenmachern eingestellt, die wiederum ihrerseits bei den Fabrikanten in Lohn und Brot standen.Die Arbeitszeit in der Fabrik war geregelt und betrug täglich um die zehn Stunden, wogegen in der Heimarbeit oft deutlich länger gearbeitet wurde. Heimarbeitiv bedeutet, dass meist die ganze Familie einschließlich der Kinder (unbezahlt) in die Produktion eingespannt war. In einem oder zwei Räumen wurde gearbeitet, gegessen, geschlafen und der Tabak gelagert. Da der Rohtabak sehr feucht war, litten die TabakarbeiterInnen vermehrt unter Erkrankungen der Atemwege, vor allem der Lunge.
Dies schuf besondere Abhängigkeitsverhältnisse, unter denen besonders die Frauen zu leiden hatten. Sie erhielten weniger Lohn und die schlechtere Arbeit.Berufskrankheiten nahmen zu, wie der Arbeitsgeschichte der Zigarrenwicklerin Meta Arhues deutlich zu entnehmen ist. Sie wurde aktenkundig, weil sie wiederholt von ihren Dienstherren bei der Inspektionsstelle angezeigt und von dieser zu Geldstrafen verurteilt worden war.Aus den Protokollen der Inspektionsstelle wird deutlich, dass sich Meta Arhues wiederholt gegen die unzumutbaren Arbeitsbedingungen sowie die Belästigungen durch männliche Vorgesetzte und Kollegen zur Wehr setzte. Das Ergebnis waren mehrere Entlassungen.

Der Zigarrenarbeiter, für den sie Wickel herstellte, mutete ihr die "gröbsten Unanständigkeiten" zu. Als sie sich zur Wehr setzte, schlug er sie. 1842 verklagten die Zigarrenmacher Borchers und Bente sie wegen "Nichtantritts der Arbeit." Zur Sprache kamen in diesem Verfahren aber auch Belästigungen seitens ihres Arbeitgebers - von ihr "gröbste Unanständigkeiten" genannt, die darin bestanden, dass er ihr "die Röcke aufgehoben" und ihre Beschimpfungen mit Schlägen quittierte habe. In diesen Verfahren bekam nicht etwa sie Recht, sondern sie wurde zu Geldstrafen verurteilt. Die Protokolle der Inspektionsstelle berichten noch von weiteren Misshandlungen und vor allem vom Verlust des Arbeitsplatzes durch Krankheit. 1845 wurde sie fristlos entlassen, weil sie "keinen guten Ruf habe" und getrennt von ihrer Mutter in einem "verdächtigen Hause" lebe. 1850 klagte sie erneut wegen Misshandlung und Bedrohung mit einem Messer, 1860 wurde sie letztmalig wegen Fernbleibens von der Arbeit aktenkundig. Sie wechselte elf Mal innerhalb von 20 Jahren ihren Arbeitsplatz.Im Alter von 42 Jahren starb Meta Arhues an Tuberkulose



Literatur und Quellen:
Hier finden Sie Informationen über den Tabakhandel und die Tabakindustrie in Bremen Burgdorf, Dagmar: Blauer Dunst und Rote Fahnen, ökonomische, soziale, politische und ideologische Entwicklung der Bremer Zigarrenarbeiterschaft im 19. Jahrhundert, Bremen 1984
Friese, Marianne: Auswertung der Protokolle Inspektion für das Cigarrenfabrikwesen vom 23.6.1842 bis 5. 11.1862, zit. in: Bremer Frauen von A-Z,Bremen 1991 S.431
Hüttner Bernd:Blauer Dunst und rote Fahnen? TabakarbeiterInnen im Bremen des 19. Jahrhunderts, in :Frank Jacob/ Gerrit Dworok (Hrsg.): Tabak und Gesellschaft. Vom brauen Gold zum sozialen Stigma, Nomos Verlag, Baden-Baden 2015
Die Zigarrenmacher in Bremen, Ein Beitrag zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 19. Jahrhundert, Focke-Museum
StAB 2.Ss.5.w.35.b.: Sterberegister

Autorin:Edith Laudowicz