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Anneliese Bamberger- Greysen
30.04.1921 in Berlin 15.7.201
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Anneliese und ihr Zwillingsbruder Egon wurden in Berlin als Kinder Verkäuferin Emma Essmann geboren.1 Stolperstein. Es wird vermutet, dass der Kaufmann Julius Bamberger ihr Vater ist. Julius Bamberger, der mir Frieda Rau verheiratete war. Das Ehepaar Bamberger adoptierte die Zwillinge 1923 und beide erhielten den Namen Bamberger. Sie gehörten keiner Religion an.
Julius Bamberger hatte im September 1907 das KAUFHAUS JULIUS BAMBERGER in der Doventorstraße 1 eröffnet. Es bot auf zwei Etagen Kurz-, Weißwaren preisgünstig an. In den 50 Spezialabteilungen wurden Schreibwaren, Lebensmittel, Teppiche, Kleiderstoffe, Babyartikeln, Korsetts Hüte, Leibwäsche, Möbel, Pfannen und Arbeiter-Garderoben angeboten.

Das erste Hochhaus mit der ersten automatischen Rolltreppe erfreute sich großer Beliebtheit und wurde "Bambüddel" genannt.1
Anneliese besuchte von 1927 bis 1932 die Rembertischule, wechselte aber 1933 zu Professor Rollers Privatlehramt für Mädchen. Da sich nach der Machtübernahme Hitlers die Situation für Juden immer schwieriger wurde, zogen sie und ihr Bruder 1935 in die Schweiz und besuchten dort das Schweizer "Internat Fischer".


Julius Bamberger hielt die Angriffe der Nazis auf sein Kaufhaus 1931 für eine vorübergehende Erscheinung, doch die Angriffe der Nazis nahmen zu: Im April 1933 versamelten sich viele Menschen vor dem Kaufhaus: "Um 10 Uhr hörten wir …Massenchöre: "Bamberger! Feigling! Laden aufmachen! Es standen einige tausend unaufgeklärte Volksgenossen auf dem freien Platz vor dem Kaufhaus, alle bewaffnet - mit leeren Einkaufskörben.Es waren, Lastautos aufgefahren, gefüllt mit schwer armierter S.A., und vor den drei Eingängen standen zwei Dutzend Nazis mit gezogenen Revolvern. Da die Möglichkeit des Blutvergießens und der völligen Zerstörung des Hauses nahe lag, ging ich hinaus in den Tumult. Von der Kandelaber Insel in der Mitte des Platzes hielt ich dann eine kleine Ansprache: "Kinder, wir kennen uns jetzt schon 25 Jahre, und ich habe Euch niemals falsch beraten!" (Eine Frauenstimme schrie: "Lüge, es sind 26 Jahre", und alles lachte.) "Wenn wir heute nicht aufhaben, so ist dies nur, um Blutvergießen zu vermeiden, bitte geht heute ruhig nach Hause. Die guten Frauen von Bremen winkten recht freundlich und verschwanden ohne einen Ton. Die Boykott Soldaten standen noch eine Stunde sehr verblüfft und fuhren dann nach Oldenburg zurück. Mit dem Blutvergießen war es nichts. Am nächsten Tage hatte das Haus den größten Verkaufs-Umsatz seit 26 Jahren. Ich aber wurde wieder einmal für 24 Stunden festgesetzt. Grund: Zu viele Freunde. erinnerte er sich später an diesen Tag."2 Im selben Jahr wurde Julius Bamberger für mehrere Wochen inhaftiert und nach seiner Entlassung übte die die NSDAP großen Druck aus,um ihn dazu zu bewegen, sein Geschäft kostengünstig zu "verkaufen".

1936 entschloss er sich schließlich dazu: "Die notarielle Beurkundung ist gerade abgeschlossen, die Tinte noch nicht trocken, da erreicht die Beteiligten ein Erlass von Reichsminister Rudolf Heß aus Berlin: Alle notariellen Verträge sind zu annullieren, die Handelskammer soll das Warenhaus unter der Bremer Kaufmannschaft aufteilen. So geschieht es, und Julius Bamberger bleibt nichts."2
Im Oktober 1937 eröffnet in dem Kaufhaus der Manufakturwarenhersteller Toebbens in dem Haus ein Textilgeschäft - Toebbens betrieb ab 1939 auch im Ghetto Warschau eine Textilfabrik, in der die jüdischen Ghettobewohner Uniformen herstellen mussten.
Julius Bamberger floh 1937 in die Schweiz zu den Kindern, seine Frau, die Christin ist, blieb in Bremen (sie nahm sich 1940 das Leben). Er holte die Kinder, die inzwischen 18 Jahre alt waren aus dem Internat und reiste mit ihnen nach Paris, wo sein Bruder Curt lebte. Dort gründete er 1937 ihm eine Firma für Damen- Konfektion. Anneliese unterstützte ihren Vater in diesem Geschäft. Nach der deutschen Besatzung wurde er von französischen Gendarmerie internierte und eine ausgegliederte Abteilung der Finanzbehörde konfiszierten seine Besitztümer.
Mit Kriegsbeginn ab dem 1.09.1939 wurden deutsche Staatsbürger in Frankreich als Staatsfeinde auch wenn sie Juden waren- angesehen. Anneliese und ihr Bruder Egon wurden 1940 von ihrer Familie getrennt. Sie wurde in das Lager Gurs in Südfrankreich gebracht. Die Menschen lebten unter katastrophalen Lebensbedingungen im Lager: sie hungerten, es gab keine warme Kleidung es herrschte ein ständiger Mangel an Wasser, was dazu führte dazu, dass in den Jahren 1940 und 1941 800 Internierte an Epidemien starben. Zwischen August 1942 und März 1943 lieferte die Vichy-Regierung mehr als 3.900 in Gurs internierte Juden an Deutschland aus, die nach Auschwitz-Birkenau, deportiert wurden. Darunter befanden sich auch aus Bremen nach Belgien und Frankreich Geflüchtete.3 Anneliese konnte zeitlebens die dort gemachten Erfahrungen nicht verarbeiten, so wird auch ihre Aussage verständlich "Ich will nie wieder zurück nach Deutschland alle meine Verwandten sind geflohen."4
Es gelang Julius Bamberger, sie im Mai 1940 aus dem Lager zu befreien. Und lebte mit ihr für kurze Zeit in dem kleinen "Ort Nay,den er in seinen Aufzeichnungen als ein kleines Paradies beschrieb. Hier konnte er tatsächlich mit seiner Tochter Anneliese ausruhen und war in Kontakt mit anderen jüdischen Flüchtlingen, die es auch hierher geschafft hatten. Von Nay aus betrieb er dann die Ausreise für sich und die Kinder, nahm Kontakt u. a. mit der Präfektur in Pau und dem amerikanischen Konsulat in Marseille auf. Hierher ließ er sich auch die nötigen Unterlagen aus den USA schicken."6

1941 konnte er mit den Zwillingen über Spanien und Lissabon in die Vereinigten Staaten fliehen, wo sie in Los Angeles eine neue Heimat fanden. 1944 heiratete Anneliese und bekam drei Töchter: Lynne, Janet und Karen. Juliu Bamberger, der durch die Ereignisse gesundheitlich sehr gelitten hatte, starb am 16. Januar 1951 in Los Angeles
Sie hat Deutschland nie wieder besucht.

Hier finden Sie einen Bericht über das Leben in GURS
Literatur und Quellen:
1.Julius Bamberger - Spuren eines wechselvollen Lebens,https://www.vhs-bremen.de/Live/Ausstellung_Julius_Bamberger.vhs?ActiveID=2328
2.Weser-Kurier : "Lebe den Moment",CHRISTIANE MESTER 10.08.2015 3.Rohdenburg.S.
3.Stolperstein-Bremen :Anni Bamberger, Autoren: Kirsten-Constance Gosau/Eike Besuden (2014)
4.Kirsten-Constance Gosau/Eike Besuden (2014)
5.Todesanzeige im Weser-Kurier 14.7.2018
6. Unterrichtsmaterial
Aufgeben - Niemals;Das Schicksal der Familie Bamberger,Unterrichtsmaterial für Schulen,erstellt von Stefan Ambrosius und Eike Besuden mit einem Vorwort von Diethelm Knauf,Bremen 2012 Unterrichtsmaterial für Schulen Günther Rohdenburg: "Das war das neue Leben". Leben und Wirken des jüdischen Kaufhausbesitzers Julius Bamberger und seiner Familie Kleine Schriften des Staatsarchivs Bremen, Heft 29;
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Autorin:Edith Laudowicz