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Dorothee Colberg-Tjadens, Dorothee, geb.Tjadens

13.5.1922 Bremen - 22.11.2004 Bremen

 

Dorothee Tjadens machte nach ihrem Abitur eine Lehre als Töpferin bei Helene Wenck-Birgfeld in Berlin und studierte dann von 1942 bis 1944 an der Staatlichen Werkschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen, wo sie von 1941 bis 1947 auch eine eigene Werkstatt hatte. Sie machte erneut eine Töpferausbildung bei Kunow und Drossé, die sie zunächst mit dem Gesellenbrief und 1948 mit dem Meisterbrief abschloss.
Dorothee Tjadens heiratete am 5.6.1954 den Bremer Bildhauer Günther Colberg und zog nach Bremen. Das Ehepaar bekam zwei Söhne. Von 1951 bis 1986 war sie an der Hochschule für Gestaltung Dozentin für Keramik, an der sie eine Keramikwerkstatt einrichtete. Sie bot 1955 auch Abendkurse an der Hochschule an.
Sie war Mitglied der Gruppe 83, in der die deutschen Mitglieder der Académie Internationale de la Ceramique (AIC) die Keramik als eigenständige Kunstform in Deutschland vertraten, deutsche Keramikerinnen und Keramiker durch Ausstellungen und Publikationen im In- und Ausland bekannt machten und den Nachwuchs förderten. In Bremen gehörte sie zu den Mitgründerinnen der Arbeitsgemeinschaft Kunsthandwerk Bremen.
Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit arbeitete sie in ihrem eigenen Atelier, zunächst überwiegend mit rotem Ton, ab 1980 auch intensiv mit Porzellan als Werkstoff, der eine irisierende Farbwirkung hervorbrachte. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit war das experimentelle Arbeiten mit Glasuren. Ihre künstlerische Arbeit ist vor allem durch frei aufgebaute scheibengetöpferte Objekte geprägt, die sich durch ihre außergewöhnliche handwerkliche Präzision und eine filigrane Ausgestaltung auszeichnen. Sie schuf Vasen, Schalen, Gebrauchsgeschirr, häufig mit geritzten und eingestempelten Dekoren. Sie beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. 1959 war sie in Paris in der UNESCO-Ausstellung des Internationalen Frauenclubs mit einigen Arbeiten vertreten. Anschließend hatte sie in Cannes eine eigene Ausstellung. Im Dezember 1966 wurde im Focke-Museum ihre erste große Gesamtschau eröffnet, 1969 war sie in einer großen Ausstellung dort wieder vertreten und 1985 wurden im gleichen Haus Ergebnisse einer 35jährigen Arbeit gezeigt.
Häufig stellte sie ihre Arbeiten aber auch in ihrem Atelier in der Paschenburgstraße aus.
Sie war seit 1956 Mitglied der SPD. Viele Jahre war sie Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Schwachhausen Süd-Ost. Sie gehörte auch dem SPD-Landesvorstand an. Sie engagierte sich früh in der Bewegung gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands, für Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft und war in der Friedensbewegung aktiv. Im März 1970 hielt sie im Rahmen eines Informationsabends der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Sitzungsaal des Rathauses den einführenden Vortrag zum Thema "Frauen in Politik und Gesellschaft", in dem sie ausführte: "Die Gesellschaft des Abendlandes war von jeher eine Gesellschaft der Männer. Zwar hatte die Frau dort immer ihren festen Platz in der Führung des Haushaltes, in der Erziehung der Kinder. Die Frau wurde geehrt, besungen oder auch als Hexe verbrannt - aber ihre Meinung wollte man nicht hören. Erst in der allerletzten Zeit...hat man erstaunt und überrascht zur Kenntnis genommen, dass auch die Frauen in der Lage sind, mitzudenken und sich für die Gesellschaft mitverantwortlich zu fühlen."1 Sie plädierte eindringlich für die Berufstätigkeit von Frauen und für ihre gleiche Bezahlung. Sie engagierte sich stark in der 'Friedensbewegung. "Wir...waren gerade erst mit unserer Ausbildung fertig und dabei unser Berufsleben zu gestalten. Unser erstes Kind war gerade geboren - ein Sohn. Meinem Mann und mit war klar: er sollte nie Soldat werden.2. Sie begann 1955, sich in der "Internationale der Kriegsgegner" zu engagieren und war am Aufbau der Bremer Gruppe stark beteiligt. 1956 gab es auch in Vegesack eine Gruppe, insgesam hatte die Gruppe 100 Mitglieder, Im November 1956 gab es die erste GRoßveranstaltung in der Glocke, Ostern 1956 beteiligte sich der IdK am Ostermarsch. "Er wurde in den folgenden Jahren wiederholt und hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Noch immer ist die Welt mit Atomwaffen vollgestopft, werden Konflikte zwischen Staaten per Krieg ausgetragen und Opfer militärischer Gewalt. Meine beiden Söhne habe übrigens den Wehrdienst verweigert und Zivildienst geleistet."3
1976 beteiligte sie sich an einer Ausstellung in der Klostermühle in Hude zum Thema Frau, in der verschiedene Künstlerinnen und Künstler Arbeiten aus ihrer Sicht zeigten.
Nach einem Schlaganfall in den 1990er Jahren reduzierte sie ihre politische und künstlerische Tätigkeit. Bis kurz vor ihrem Tode arbeitete sie noch in ihrem Atelier.
In der Todesanzeige schrieben ihre Kolleginnen der AKB: "Wir werden ihre anregenden Impulse, ihren Humor, ihre Ungeduld und die Keramiken mit ihren besonderen Glasuren vermissen."4 In der Anzeige des SPD-Ortsvereins hieß es: "Mit ihrem Engagement und ihrer sachlichen, ausgleichenden Art hat sie sich, trotz schwierigster Entscheidungen, großen Respekt und Anerkennung erworben."5 Ihr Grab befindet sich auf dem Riensberger Friedhof.

Anmerkungen:
1.Weser-Kurier 17.3.1970
2.Colberg Tjadens, Dorothee: Die Gründung der Bremer IdK (Internationale der Kriegsdienstgegener) in Bremen im Kalten Krieg, S.179-183,ebda, S.179
3.ebda. S.18 4.Ursprünglich: Arbeitsgemeinschaft Kunsthandwerk Bremen, später: Angewandte Kunst Bremen
5.Weser-Kurier 25.11.2004
Literatur und Quellen:
Butterwegge/Brock/Dressel/Voigt (Hrsg.): Bremen im Kalten Krieg, Bremen 1981
Kürschners Handbuch der Bildenden Künstler, Bd.2., München 2007, S.165
Osterholzer Anzeiger, 1.11.2009
Wikipedia: Dorothee Colberg-Tjadens, Zugriff 12.4.2015
Weser-Kurier 30.11.57, 30.1.59, 31.12.65, 17.3.1970,15,5,75, 30.10.76, 14.7.83, 25.11.2004
Bildquelle:30 Jahre Arbeitsgemeinschaft Kunsthandwerk Bremen, S.92, Hefte des Focke Museums 1952, Hrsg.: Rosemarie Pohl-Weber

Autorin:Edith Laudowicz