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Dr. Anna Elisabeth Emilie Disse

29.4.1889 in Berlin - 3.2.1975 in Springe
 

Anna war die Tochter von Prof.Dr.med. Joseph Disse und seiner Ehefrau Wilhelmine, geb. Pfaff. Von 1895 bis 1904 besuchte sie die Höhere Mädchenschule in Marburg. Während des 2.Weltkriegs wurde ihre Schule - wie viele andere in Bremen auch - geschlossen und die Schülerinnen wurden im Rahmen der Kinderlandverschickung in von Bomben weniger bedrohte Landesteile geschickt. Sie erlebte insgesamt drei Verschickungen: 1941 ging es nach Dittigheim, wo sie auf einem Bauernhof wohnte, 1945 nach Füssen-Faulenbach, wenig später nach Appen an der deutsch-dänischen Grenze. Sie kehrte noch vor Kriegsende zurück und besuchte die Haushaltsschule des Frauen-Erwerbs- und Ausbildungsvereins (FEAV) in der Pelzerstr. Allerdings wurde der Unterricht wegen Bombenalarms mehrfach unterbrochen.

Von September 1903 bis Ende August 1904 machte sie ein Anerkennungsjahr am Lyzeum Elberfeld. Ab 1905 besuchte sie die Lehrerinnenbildungsanstalt in Hannover. 1908 bestand sie die Prüfung für das Mittlere und Höhere Mädchenschulwesen. 1909 legte sie am Realgymnasium in Frankfurt die Reifeprüfung ab. Von 1909 bis 1913 studierte sie in Marburg und Göttingen, 1912 bestand sie das wissenschaftliche Lehramtsexamen mit Auszeichnung in Mathematik, Physik, Chemie. Ab Oktober 1914 war sie zunächst ein Jahr Lehrerin auf Probe, wurde dann Hilfslehrerin und ab 1916 Oberlehrerin am Oberlyzeum Kippenberg in Bremen1. Sie entschloss sich noch zu einer Promotion, die sie im Jahr 1925 mit dem Thema "Untersuchung der Zahlen des algebraischen Zahlenkörpers für den Bereich eines beliebigen Primteilers mit Hilfe ihrer Logarithmen" mit dem Prädikat "ausgezeichnet" abschloss.

Ein wichtiges Anliegen war ihr die Verbesserung der Mädchenbildung, in einem Aufsatz in der Zeitschrift "Deutsche Mädchenbildung" zum Thema Mathematik in der Höheren Mädchenschule legte sie ihre Konzeption dazu dar. 1936 wurde sie in den Gutachterausschuss für Lehrbücher für Mathematik berufen und arbeitete selbst am Mathematischen Unterrichtswerk mit, herausgegeben von Heye-Lietzmann in den Jahren 1937 -1939. In der mathematischen Gesellschaft des naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen hielt sie Vorträge.
In den vierziger Jahren wurde sie häufig krank und es wurde festgestellt, dass sie Multiple-Sklerose hatte, was zu längeren Krankschreibungen führte. Da während des Krieges die Situation in Bremen immer schwieriger war, wurde sie mit ihrer Klasse nach Freiberg/Sachsen verlegt.

Nach Kriegsende konnte sie 1946 direkt wieder im Schuldienst arbeiten und war noch bis zum 31.3.1955 am Kippenberg-Gymnasium als stellvertretende Direktorin beschäftigt, konnte aber aus Krankheitsgründen nicht mehr an ihrer Verabschiedung teilnehmen. In der Todesanzeige des Kollegiums heißt es über sie: "Ihre Mitarbeiter und Schülerinnen haben sie verehrt und geliebt als einen Menschen, der mit strenger Disziplin gegen sich selbst durch Güte und Geduld zu Leistungen zu verpflichten wusste."2

Publikationen:
Ueber die Beziehungen zwischen Logarithmus und Numerus in einem -adischen algebraischen Körper,Berlin 1925,in: Journal f.d.reine u. angewandte Mathematik. Bd 154. - Marburg, Phil. Diss. v. 2. Febr. 1925. Impressum: [Berlin]; [1925] ; S. 178-198. 4"
Das Arbeitsschulprinzip im mathematischen Unterricht, Beiheft der Zeitschrift für den mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht,1929
Goethes Farbenlehre im Physikunterricht, (dies. Zeitschrift 1932)
Agnes Sapper zum Gedächtnis, Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins,1928
Die Mathematik an der Höheren Mädchenschule in: Die Höhere Mädchenschule,1933
Der mathematische Lehrplan der höheren Mädchenschule, Erziehung und Unterricht, 1938
Neufassung: Mathematisches Unterrichtswerk für Höhere Schulen Mittelstufe - Arithmetik und Algebra (V), von Zeisberg, Frankfurt 1953

Anmerkungen:
1.1922 Verstaatlichung der bis dahin privaten Kippenberg-Schule zum "Städtischen Oberlyzeum August Kippenberg", ab 1933 "Kippenberg-Schule, Oberschule für Mädchen" - sprachliche Form.
2.Weser Kurier 6.2.75.
Literatur und Quellen:
Personalakte Dr. E. Disse, StAB 4.11Pers 1123
Weser-Kurier 6.2.1975.
Autorin: Edith Laudowicz