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Feldhusen,Anna
6.2.1770 Bremen - 20.2.1833 Bremen



Ihre Eltern waren der Kaufmann Johann Philipp Feldhusen und Friederike, geb.Berding. Sie hatte zwei Schwestern: Henny (1867-1951 und Franziska (1888-1952). Ihr Studium absolvierte sie ab 1892 in München bei Lina Kempter (1856-1925), Oskar Graf (1870-1955) und Maximilian Dasio (1865-1954). "Allein, ich will..." ist das Motto, das die Malerin und Grafikerin für ihr Ex Libris gewählt hat, ist zugleich das ihres Künstlerlebens. Selbstbewußt geht sie in einer Zeit, in der der es die gesellschaftlichen patriarchischen Strukturen Künstlerinnen nicht leicht machen, ihren Beruf auszuüben."1 Das Selbstbildnis der 22jährigen als Malerin an der Staffelei (1899, Öl) zeugt von dieser Freiheit und ihrem Selbstbewusstsein.
Sie studierte bei der Malerin Lina Kempter, Lehrerin an der Damenakademie des Künstlerinnen-Vereins München die Fächer Blumen-, Landschafts- und Stilllebenmalerei,sowie bei Maximilian Dasio und Otto Graf. In Worpswede nahm sie bei Unterricht bei Fritz Mackensen (1866-1953) und Hans am Ende (1864-1918),um sich dort in der Radierung unterweisen zu lassen. In den Sommermonaten hielt sie sich regelmäßig in Dötlingen in ihrem Sommerhaus auf und nahm Zeichenunterricht bei Georg Müller vom Siel (1865-1939) Sie übernachtete dort häufig bei ihrer Malerfreundin Marie Stumpe (1877-1946), traf dort auch Radiererin Marie Stein-Ranke (1873-1964), die zu den herausragenden Porträtradiererinnen in Deutschland gehörte.
Ihr Leben lang hatte sie ein Bremen einen Arbeitsraum in Hagenauer Str.24., in der sie auch zeitweilig mit ihren Schwestern zusammenlebte. Auch in München behielt sie ihr Atelier bei und nutzte in den Wintermonaten. 1902 trat sie dem Bremer Malerinnenverein bei, 1922 dem Künstlerbund, dessen Ehrenmitglied sie 1947 wurde und 1929 der GEDOK. Langjähriges Mitglied war sie auch des Dachauer Künstlerbundes. Ab 1924 besaß sie einen Gewerbeschein als Kunstmalerin. Sie signierte ihre Bilder mit dem Hinweis:Bremische Malerin und Graphikerin.
"Ihr Interesse galt vor allem dem Stillleben und der Landschaft. Figürliche Darstellungen finden sich im Werk der Künstlerin nur wenige. Anna Feldhusen zieht es in die Natur, um dort Motive für ihre Werke zu finden…. Immer wieder tauchen die Heide und das Moor in ihrem umfangreichen Werk auf. Bei ihren täglichen Wanderungen beobachtete sie das Spiel von Licht und Schatten und brachte das Gesehene mit expressiven breiten Pinselstrichen auf die Leinwand."1 "Der Schwerpunkt ihres Werkes lag in der Radierkunst. Sie beherrschte die Technik der mehrfarbigen Radierung exzellent und nutzte die Möglichkeiten der Technik auf unterschiedliche Weise. Ihre mittenzentrierten, präzise gestalteten Ausschnitte - oft führte ein Weg oder ein Fluss ins Bild - in der die Linie vor der Farbe das Bild herstellt, zeigen ihr Können: Die Farbe wurde zur Unterstützung der Stimmungslage eingesetzt.2
Für die Worpsweder Künstlerpresse schuf sie 150 Aquatinta-Arbeiten, - mehr als 1000 Blätter - die von hohem technischem Können zeugen. Diese wurden auch auf dem Weihnachtsmarkt in Bremen veräußert. Oft entstanden hierbei von einer Platte unterschiedliche Einfarbendrücke. Dieser Teil ihres Werkes ist durch eine große Sammlung des Focke-Museums gut überliefert. 1928 und 1949 kaufte das Museum 36 Werke von ihr, 2001 kamen noch 7 weitere hinzu. Die Grafikerin zeichnete zwischen 1929 und 1939 häufiger auf dem Teerhof. Für die Erlaubnis anschließend ihre Künstlerutensilien bei einer dort wohnenden Familie unterstellen zu dürfen, bedankte sie sich mit den letztgenannten Grafiken, die diese dem Focke Museum schenkte. Das Museum besitzt außerdem einen Kalender mit 12 Lithographien sowie Aquarelle und Federzeichnungen. 2015 kam noch eine weitere Grafik hinzu.
 border= "In ihren Aquarellen und Ölgemälden zeigt sich, dass Anna Feldhusens Stärke in der grafischen Gestaltung, weniger in der Malerei lag. Ihre Hauptmotive waren Bremer Stadtansichten, Gebäude und Gassen, vedutenhafte Anblicke der Stadt von der Weser her, sowie Worpsweder Landschaften." In ihren Worpsweder Landschaften befinden sich einige von 1903/04, die im Gegensatz zu der oft kleinteilig detaillierten Auffassung eine sehr viel großzügigere flächige Behandlung des Motivs aufweisen, was sicherlich auch durch die verwendete Aquatinta-Technik bedingt ist. Die Ausdrucksqualität wird nicht durch unterschiedliche Farben, sondern auch durch die samtigen, technikbedingten Schwärzungen erreicht. In diesen stimmungsvollen Blättern schwingt das romantische Erbe Worpswedes mit."3
Anlässich ihrer Ausstellung im Graphischen Kabinett hieß es: "die Ausstellung om Graphischen Kabinett zeit das Bestreben, die Künstlerin einmal von einer Seite ihres Schaffens, die sonst nicht oder nur wenig bekannt ist, zu zeigen. Man sieht mit Interesse, wie die Künstlerin sich in früheren Jahren mit den Fragen ihrer Zeit auseinander gesetzt hat, findet ebenso die malerisch ebenso die malerische Kraft der Dachauer Zeit wie die einschmeichelnde Innigkeit, die den Zauber worpswedes bedeutet...an glaubt hoffen zu dürfen, dass uns die Künstlerin trotz ihres hohen Alters noch manches zu sagen hat."4
Dieser Wusch erfüllte sich nicht, sie starb drei Jahre später. Sie wurde auf dem Riensberger Friedhof begraben.
Anmerkungen:
1.Alice Gudera, Donata Holz, Birgit Nachtwey, Bärbel Schönbohm, …und sie malten doch, Geschichte der Malerinnen Worpswede Fischerhude Bremen,
Hrsg: Monika u. Hans Adolf Cordes,. Lilienthaler Kunststiftung, 2007, S.62
2. Jacob Inge, Bremer Frauen von A-Z, Bremen 1991.S.94
3. dies. S.95
4. Weser Kurier, 5.8.1948
Ausstellungen: 1905 Nordwestdeutsche Kunstausstellung Oldenburg, 1905 (Radierung Abendruhe) 1931-43 Ausstellungen der GEDOK und des Graphischen Kabinetts ,der Kunsthalle und der Kunstschau Böttcherstraße
Literatur und Quellen:
Aschenbeck, Nils: Künstlerkolonie Dötlingen, 2005, S.26 und 50
Cyrus, Hannelore:"Allein ich will", Zwischen Tradition und Moderne, S, 113-118, Bremen 2005
Feldhusen, Anna: Katalog der Galerie Girschner, Worpswede 1981
Jacob,Inge: Anna Feldhusen. In: Bremer Frauen von A - Z. Bremen 1991, S.93-95
Hermine Overbeck-Rohte und die Bremer Malerinnen um 1900. Hrsg. von der Stiftung Fritz und Hermine Overbeck e.V., Bremen 1992
Krahé‚ Frauke: Allein ich will, Lilienthal 1990, S. 8-87
Schönbohm, Bärbel in: ...und sie malten doch! Fischerhude 2007, S.62-64
Vollmer, H: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler, Leipzig 1953
Wikipedia, Zugriff 12.4.2015
Weser-Kurier 5.8.1949
Autorin: Edith Laudowicz