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Heyl, Hedwig Henriette, geb. Crüsemann

3.5.1850 - 23.1.1934 in Berlin



Die Eltern Henriette Crüsemann, geb. Böhm (1827-1906) und Carl Eduard Crüsemann (1826 - 1869) ließen ihrer Tochter eine ausgezeichnete Erziehung zukommen. Eine ihrer Lehrerinnen war Ottilie Hoffmann. Von großer Bedeutung für ihren späteren Lebensweg wurde ihr Aufenthalt im Mädchen-Erziehungsheim Neu Watzum in Wolfenbüttel, das Henriette Schrader-Breymann leitete, deren Onkel Friedrich Fröbel war. Die beiden Frauen blieben ein Leben lang eng befreundet.
Nach ihrer Heirat im Alter von 18 Jahren mit dem zehn Jahre älteren Chemiefabrikanten Georg Heyl zog sie im Jahre 1869 nach Berlin. Da Ehepaar hatte vier Söhne und eine Tochter. Im Gartensaal des Hauses richtete sie einen Kindergarten ein, in dem die Kinder der Fabrikarbeiter gemeinsam mit ihren eigenen betreut wurden.
Gemeinsam mit Henriette Schrader-Breymann gründete sie den "Berliner Verein für Volkserziehung" und das "Pestalozzi-Fröbel-Haus" in Schöneberg, in dem 1884 eine Koch- und Haushaltungsschule für Mädchen entstand. Fünf Jahre später wurde dort ein Speisesaal für Arbeiter eröffnet und eine wirtschaftliche Ausbildung für Fabrikarbeiterinnen. Auch ein Seminar für Kindergärtnerinnen, eine Krabbelstube, ein Kindergarten sowie ein Sonderkindergarten, ein Hort, ein Landschulheim gehörten zu dieser Einrichtung. Dieses existiert noch heute.

1890 gründete sie in Marienfeld auf einem eigenen Grundstück eine Gartenbauschule für Frauen. Diese wurde allerdings 1895 wegen mangelnder Nachfrage wieder geschlossen.

Nach dem plötzliche Tod ihres Mannes an Typhus 1889 übernahm Hedwig Heyl die Leitung der Heylschen Farbenfabriken erfolgreich,"ohne ihre übrige Arbeit zu vernachlässigen"1 Sie beteiligte sich mit gleichgesinnten Frauen an mehr als 20 Fraueneinrichtungen der Wohlfahrt und der Frauenbildungs- und Ausbildungsvereine im Sinne einer Professionalisierung hausfraulicher Tätigkeiten aber auch mit dem Ziel, eigene pädagogische Vorstellung umzusetzen. "Ihr Selbstverständnis bezog sich auf die soziale Arbeit, die sie als einen 'Dienst am Volke' verstand."23 Ab 1902 wohnte sie in Neubabelsberg (heute Potsdam-Babelsberg) am Griebnitzsee.

Im Jahre 1904 organisierte sie sehr erfolgreich den Internationalen Frauenkongress in Berlin, an dem Vertreterinnen bürgerlicher Frauenverbände aus 25 Ländern teil, der auch mit Unterstützung der deutschen Kaiserin Viktoria abgehalten wurde und das Ziel verfolgte, alle relevanten nationalen und internationalen Frauenverbände zu vereinigen.

1905 gründete sie mit Ellen von Siemens-Helmholtz den "Deutschen Lyceum Club".Der in England gegründete Club machte es sich zur Aufgabe, Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen ein Forum zu bieten und sie bei Ausstellungen und Veröffentlichungen zu unterstützen. 1908 inszenierte Hedwig Heyl im Kaufhaus Wertheim (am Leipziger Platz) eine sehr erfolgreiche Internationale Volkskunstausstellung. Auch für die Ausstellung "Die Frau in Haus und Beruf", die 1912 am Ausstellungsgelände des Zoologischen Gartens von Berlin zu sehen war, die alle Bereiche der weiblichen Berufsarbeit präsentierte, war Hedwig Heyl verantwortliche Organisatorin.

Obwohl deutsche Frauen noch bis 1919 von der Regierungs- und Parlamentsarbeit ausgeschlossen waren, betrieben sie aktive Kolonialpolitik in dem Rahmen, den die Frauenbewegung seit Jahrzehnten nutzte: in Vereinen, Hilfskomittées, durch propagandistische Reden, Vorträge und Zeitschriftenartikel. In der Vereinszeitschrift "Kolonie und Heimat" wurde dazu aufgerufen, die kolonialpolitischen Bestrebungen zu unterstützen. Der Frauenbund setze sich für die "Erhaltung des Deutschtums in den Kolonien, gegen eine "Verkafferung" wie man es nannte, ein." Ein Mittel dieses Ziel umzusetzen, sah er darin, Frauen für die Kolonisten auszusuchen, Siedlungen durch Ehen zu befestigen. 1911 trat der FdFG dem "Bund Deutscher Frauenvereine" bei und Hedwig Heyl war Zwischen 1910 und 1920 Vorsitzende, der unter ihrer Leitung die „Verkafferung“ der deutschen Kolonialelite zu verhindern suchte und sogenannte Mischehen zwischen Deutschen und Einheimischen in den Kolonien bekämpfte und auch im Faschismus ihre Begeisterung für Adolf Hitler zum Ausdruck brachte.
Publikationen:

  • Belehrung über die Pflege von Säuglingen, 1878;
  • Das ABC der Küche, 1888; Die Krankenkost, 1889
  • Volkskochbuch, für Schule, Haus und Mädchenheim; zwanzig Lektionen zur Erlernung der einfachen Küch 1891 (dieses Buch ist im Rahmen des Gutenberg-Project im Internet kostenlos lesbar
  • Leitfaden für den Volkskochunterricht, 1891
  • Häusliche Küche, 1901
  • Resteverwertung in der Küche, 1901
  • Häusliche Wäsche, 1903
  • Hausarbeit, 1905
  • Hilfsbuch für Hauspflege 1906
  • Aus meiner Kinderstube geschrieben für meine Kinder und Enkel, 1906
  • Drei Monate Volksspeisung 1916
  • Bratbüchlein für Rost- und Pfannengerichte zum Braten auf der gesch. Rostpfanne, Berlin-Steglitz 1917
  • Die erfahrene Frau im häuslichen Wirkungskreise,1920
  • Aus meinem Leben, Berlin 1925
  • Hauswirtschaft,1927
  • Diätküche, 1929
  • Ströme der Liebe. Ein Briefwechsel (zwischen Hedwig Heyl und E. Vinnai) Hrsg. v. L. Klotz, 1936
Literatur und Quellen:
1. u. 2.Uhlenhaut, Hilda, Bremen, 125 Jahre Frauenbildung - 1867 bis heute, Frauen-Erwerbs- und Ausbildungsverein: eine Chronik, S. 53, ergänzt EL
3.Lindemann, Marie: Bremische Biographien 1912-1962, Bremen 1969, S. 232
Cyrus, Hannelore, Bremer Frauen von A - Z,S.401-402

In Bremen ist eine Straße nach ihr benannt, diese soll jedoch aufgrund ihres Engagements für den Kolonialismus in nächster Zeit umbenannt werden.
Autorin: Edith Laudowicz