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Kippenberg, Johanne Katharine Friederike geb. Koch
9.2.1842 Jever - 2.11.1925 Bremen

Johannes Eltern waren der Tischlermeister Johann Gerhard Koch (1830-1880) und Anna Christina Oetken (1813-1887), die zeitweise eine Nähschule betrieb.

Johanne besuchte die Städtische Mädchenschule in Jever und war "von ihrem dortigen Lehrer Niebour und dessen anregendem Unterricht Sehr beeindruckt." 1. Bis zur Konfirmation besuchte sie eine Handarbeitsschule, lernte stricken und nähen. Zum Lebensunterhalt der Familie trug sie mit Posamentierarbeiten bei. Nach Ende der Schulzeit blieb sie zunächst im elterlichen Haushalt, dann in einen Haushalt in Hude.
Unterstützt durch ihren Vater, der ihr sie zur als Lehrerin ermuntere, begann sie 1862 gemeinsam mit ihrer Freundin Therese Müller die Ausbildung am Lehrerinnenseminar von Carl Friedrich August Kippenberg. Das Lehrerinnenseminar war 1857 durch August Lüben, der seit 1822 der staatlichen Prüfungskommission angehörte, neu belebt worden. Lüben engagierte sich für die Verbesserung des Mädchenschulwesens und ermunterte sowohl Johann Janson als auch August Kippenberg ein Lehrerinnenseminar zu betreiben. Kippenberg bildete bereits seit 1859 in den Räumen der Freischule an der Schmidtstrasse, der er vorstand, Lehrerinnen aus. Janson gliederte 1863 seiner Töchter-Bürgerschule eine Lehrerrinnenausbildung und er ging eine Kooperation mit Johann Jansons Seminar ein.
Schon im Herbst 1862 begann sie an der privaten Mädchenschule von Meta Luce zu unterrichten. Im Februar 1863 legte sie das Examen ab, das sie berechtigte auch in Oberklassen von Mädchenschulen zu unterrichten.
Sie ging nach Bremerhaven an eine Privatschule, wo ihr die Concession zur Leitung einer Höheren Mädchenschule übertragen wurde. Die Schule war in einem desolaten Zustand und sie bat ihren Bruder Anton, ebenfalls Lehrer und ihre Schwester Bertha um Unterstützung. Während ihr Bruder ihr nur wenig zur Seite stand, war ihre Schwester seit 1864 eine große Hilfe. Unterstützt wurde sie auch durch August Kippenberg, mit dem sie einen regen Briefwechsel pflegte. Kippenbergs Frau starb 1863, mit der er drei Kinder hatte. 1864 machte ihr August Kippenberg einen Heiratsantrag, den sie annahm. Sie regelte in Bremerhaven ihre Nachfolge und 1865 heirateten sie in Jever. Sie gab ihre Lehrtätigkeit auf. Die Familie lebte unter dem Dach der Schmidtstraße in der Schulvorsteherwohnung, außerdem beherbergten sie noch fünf Kinder von auswärts, die die Schule besuchten. 1866 wurde ihr Sohn Friedrich, 1869 ihr Sohn Hermann August; 1872 Minna, die nach einem Jahr starb, 1874 ihr Sohn Anton geboren. 1869 übernahmen sie ein Haus in der Hankenstrasse, dass jedoch im September niederbrannte, die Schule wurde kurze Zeit an der Hutfilterstraße weitergeführt, dann erwarben sie ein Haus am Wall 102, das erweitert wurde und dort existierte die Schule bis zu ihrer Zerstörung im zweiten Weltkrieg 1944 die Familie zog in ein Haus in der Nordstraße.2


die Familie mit sechs ihrer Kinder

1872 erhielten sie die Konzession zur Errichtung einer Höheren Töchterschule, in der ausdrücklich auch sie als Leiterin mit eingetragen war. August Kippenberg gab seine Beamtenstelle an der Schmidtschule auf und konzentrierte sich auf seine Tätikgeit der "Lehranstalt für erwachsene Töchter von August Kippenberg und Frau Johanne Kippenberg",die in den nachfolgenden Jahren zur größten privaten höheren Mädchenschule ganz Deutschlands wurde. Auch ihre Schwester Bertha unterrichtete ab 1876 an ihrer Schule und vertritt sie zeitweilig
1889 starb ihr Mann bei einem Kuraufenthalt in Bad Rehberg, am 21. August nahm sie ihre Lehrtätigkeit wieder auf. Sie begann ein Tagebuch zu führen und entschloss sich, die Leitung der Schule selbst zu übernehmen. Es gelang ihr, die Anzahl der Schülerinnen zu erhöhen und auch einen neuen Lehrplan zu erarbeiten. Außerdem erweiterte sie den Fächerkanon um Bewegungsspiele und sie überarbeite das von ihrem Mann verfasste Deutsche Lesebuch, das hohe Auflagenzahlen erreichte.
1895 zog die Schule in ein neues Gebäude am Wall 102. 1904 übergab sie die Leitung der Schule an ihren Sohn August. Als der Bremer Senat 1909 das Lehrerinnenseminar zu seinem 50jährigen Bestehen ehrte, wurde ihrem Sohn August der Titel Professor verliehen, eine gleiche Ehrung wurde ihr trotz der Eingabe der an der Schule beschäftigten Lehrerinnen verwehrt. 1922 wurde ihre Lebensleistung durch Bürgermeister Spitta geehrt. Ihre letzten Lebensjahre lebte sie in der Norstraße, das auch als Schule diente.

Die Schule am Wall Anmerkungen: 1.Myke Ursula/Pribbernow, Hermann (Hrsg.):150 Jahre Jahre Kippenberg - Von Töchterschule und Lehrerinnenseminat zum modernen Gymnasium, Bremen Edition Temmen 2009, S:21 2.Die Namen und Daten aller Kinder konnten leider nicht ermittelt werden Literatur und Quellen:
Bessell, Georg: 100 Jahre Kippenberg-Schule, Bremen 1959.
Erinnerungen aus ihrer Bremerhavener Zeit, StAB 7,12 - D II 2.
Jugenderinnerungen StAB 7,12 - D II 1.
Kippenberg, Johanne: in: Archiv der August und Johanne Kippenberg-Familienstiftung, StAB 7,12 Myke Ursula/Pribbernow, Hermann (Hrsg.):150 Jahre Jahre Kippenberg - Von Töchterschule und Lehrerinnenseminat zum modernen Gymnasium, Bremen Edition Temmen 2009, S:21 Lehret für das Leben nicht blos für die Schule, 1868-1870, 7,12 - D II 3 Lentz, Monika: Johanne Kippenberg, Eine Biographische Skizze, Bremisches Jahrbuch, Bd. 66/1988, S. 308-312
Autorin: Edith Laudowicz