Biografien| Aktuelles

Krippner, Anna Magdadalene Dorothea, gen. Molly
29.8.1901 - 4.3.1974
 

Anna Dorothea Magdalene Krippner war die jüngste von drei Töchtern des Kapitäns Rudolf Krippner und seiner Frau Anna Dorothea, geb. Siegener(geb.1863).
Über die Schiffsreisen ihrer Mutter vor ihrer Geburt verfasste Magdalene Krippner einen anschaulichen Bericht mit dem Titel "Nach See - Ein Stück Familien- und Seefahrerchronik", der 1940 veröffentlicht wurde. Er gibt einen Einblick in die Situation einer Bremer Kapitänsfrau. Ihre Mutter war - ebenso wie sie - die Tochter eines Kapitäns, Diedrich Siegener und der Putzmacherin Doris, geb. Töbelmann. Ihren Eltern nahmen sie bereits im Alter von 5 Jahren mit auf große Fahrt - erst nach 2 1/2 Jahren kehrte die Familie nach Hause zurück. Kurz vor der Wesermündung wurde ihr Schiff, die "Diana" von französischen Truppen beschossen und ging unter. Die Familie konnte sich retten. Ihre Mutter heiratete 1872 den Kapitän Rudolf Krippner, und ging mit ihm an Bord der "Comet" und segelte mit ihm nach China. Zurückgekehrt wurde sie Mutter von drei Kindern: Magdalene, Emily (1896-1956) gen. Emmy und Dora. genannt Lui (1890).
Sie wuchs in Utbremen auf und besuchte nach der Volksschule das Oberlyzeum Kippenberg, danach erwarb sie in der Seminarklasse des Instituts die Lehrbefähigung für Volksschulen und mittlere Schulen. 1922 bestand sie die Lehramtsprüfung mit einer guten Beurteilung. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage in den 20er Jahren wurde sie jedoch nicht angestellt und übernahm eine Stellung als Hauslehrerin. Bis 1925 unterrichtete sie drei Kinder der Familie Kaper auf Gut Tange bei Varel.
Zurückgekehrt nach Bremen bekam sie nur Anstellungen als Hilfslehrerin an verschiedenen Bremer Schulen, erst 1929 wurde sie an der Schule Regensburger Strasse fest eingestellt.
In der Zeit des zweiten Weltkriegs wurde sie erneut zur Chronistin: Auf 39 eng beschriebene Seiten auf Durchschlagpapier verfasste sie Briefe an ihre Schwester. Ihre 150 handschriftlich Aufzeichnungen vom 4. Juni 1945 bis zum 15. Juli 45 tippte sie nach dem Unterricht in der Schule auf einer alten Maschine ab. So entstand aus den ursprünglich nur als Briefe an ihre erblindete Schwester Emmy gedachten Aufzeichnungen eine Art Tagebuch über die Kriegsereignisse. Sie berichtet von den Luftangriffen, von Aufenthalten in stickigen Bunkern, vom stundenlangen Schlangestehen vor den Geschäften, von abenteuerlichen Kletterpartien über die zerstörte Brücke, um zu kranken Tante nach Arsten zu gelangen, listet die ergatterten Lebensmittel auf und erzählt von den Ängsten bei Kriegsende vor dem, was auf sei zukommen mag.1943 wurde in einem Luftangriff ihr Haus zerstört, sie und ihre Mutter - die nur wenig später starb - kamen in der Lauenburger Strasse unter.

In den 20er Jahren war sie Mitglied im Verein bremischer Lehrerinnen geworden. Dieser wurde in den Nationalsozialistischen Lehrerbund übergeleitet. Magdalene Krippner trat dem "Verein für das Deutschtum im Ausland" und der NS-Volkswohlfaht bei, konnte aber nach dem Krieg belegen, dass sie dazu von der Schulleitung gedrängt worden sei. Im Januar 1946 wurde sie zunächst entlassen, aber im August wieder eingestellt und unterrichtete bis 1964 an der Regensburger Straße. "Streng und genau sei Frl. Krippner schon gewesen, erinnern sich ehemalige Kollegen und Schüler, darunter sogar noch ein von ihr bis 1925 in Varel unterrichtetes Kind,, und die Neffen und Nichten wissen, was gemeint ist, ‚Tante Molly' hatte und behielt stets gern Recht, besonders in Kleinigkeiten, aber sie war sehr beliebt, vor allem unendlich hilfsbereit, und wer sie kannte, vergaß sie nie."1
Das bestätigten auch die Schüler, die sich 50 Jahre nach ihrer Entlassung trafen: "Breiten Raum in den Gesprächen nahm ihre legendäre Klassenlehrerin Magdalene "Molly" Krippner ein. die ‚Vollblutlehrerin' führte die Klasse mal mit Strenge, mal mit Güte, aber immer mit außergewöhnlichem pädagogischen Engagement...Ausnahmslos sprachen alle ehemaligen Schüler mit großer Hochachtung von ihrer ‚Molly'.


Literatur und Quellen:
1.Tilgner, Daniel (Hg.):Jede Stunde dem Schicksal abgestohlen, Das Brieftagebuch der Magdalene Krippner vom Kriegsende in Bremen 1945, Bremen 2005, alle Informationen zu ihrer Biografie stammen aus diesem Buch
Nach See, Ein Stück Familien- und Seefahrerchronik, Bremen 1940, S. 101
2.Weser-Kurier 12.4.2010

Autorin: Edith Laudowicz