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Kunath, Hanna, verh. Hübner-Kunath
11.6.1909 Bremen - 12.9.1994 in Seevetal

1939 Rundflug

Hanna Kunath war Bremens erste weibliche Pilotin. Ihr Wunsch, Pilotin zu werden entstand, als sie 1922 mit ihrem Bruder und Vater den Bremer Flughafen besuchte. Während der Bruder mit dem Vater ein Flugzeug bestieg, musste sie unten bleiben und auf die Fahrräder achten. 1932 begann ihre Ausbildung, als sie und zwei weitere Frauen in den „Bremer Verein für Luftfahrt“ eintraten, um sich zu Pilotinnen ausbilden zu lassen. Während die beiden anderen Frauen ihren Plan aufgaben, blieb sie trotz vieler Widerstände der Männer dabei und erhielt 1934 ihren Flugzeugführerschein (A2 Land) für Motorflugzeuge. Sie flog auf der Klemm L 25 und L 26. Da es kurz vor Kriegsbeginn immer schwieriger wurde, Flugzeuge zu chartern, da diese für die vormilitärische Ausbildung gebraucht wurden, machte sie 1938 am Hornberg einen Segelflugschein. Zurückgekehrt gründete sie eine Flieger-Frauengruppe für Segelflug, die sie bis 1943 leitete. 1939 durfte sie an einer Ralley zur Ostseeinsel Föhr teilnehmen, dabei mussten so viele Flugplätze wie möglich angeflogen werden. "Ich bekam eine Siebel-Hummel und konnte endlich mal richtig fliegen" berichtete sie begeistert. Allerdings erlebte sie bei diesem Flug auch einige Schrecksekunden: Ihre Co-Pilotin hatte aus Versehen den Startschlüssel umgedreht und das Flugzeug begann einen rasanten Sinkflug.
Mit der Machtübernahme der NSDAP änderte sich die Situation für Fliegerinnen: Die Förderung der Fliegerei konzentrierte sich auf die Männer der künftigen deutschen Luftwaffe und Göring machte schnell deutlich, dass Frauen nicht überall dabei sein könnten. Sie wurden aufgefordert, als Segelfluglehrerin zu arbeiten und auch Flugzeuge zu überführen. Dies lehnte Hanna Kunath ab, obwowhl ihr der Verzicht auf das Fliegen sehr schwer fiel.
In Wildeshausen und Garlstedt bildete sie junge Frauen zur Fliegerin aus.
Erst 1947 gelang es ihr mit Hilfe von Freunden heimlich wieder zu fliegen. 1951, als in der Bundesrepublik wieder geflogen werden durfte, erneuerte sie ihren Segelflugschein und 1956 ihren Motorflugschein.
1955 zog sie zu ihrem Ehemann Heinz Hübner nach Hamburg und hieß fortan Hübner-Kunath. Sie blieb dem Flugsport treu. Mit anderen Pilotinnen 1968 war sie Mitglied der „Vereinigung deutscher Pilotinnen“ und wurde von 1974 -1979 deren Pressesprecherin und Vorsitzende der Regionen Niedersachsen, Hamburg und Bremen, wo 1979 auch die Jahreshauptversammlung des Vereins stattfand. Außerdem war sie Govenor der deutschen Sektion der Féderation des Pilotes Européenes.Hanna Kunath war auch Mitglied in der Flugsportgruppe Airbus, Bremen e.V.(ehemals FSG Focke-Wulf bzw. FSG VFW) und hatte vorübergehend ihr Flugzeug auf dem Flugplatz Weser-Wümme (in der Nähe Posthausens) stationiert.
Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes 1967 wurde 1968 sie Gründungsmitglied des Lauenburger Aero-Clubs und ließ sich trotz ihres hohen Alters von Fliegen nicht abhalten. Noch mit 84 Jahren saß Hanna Kunath hinter dem Steuerknüppel und war somit auch Deutschlands älteste Pilotin. Sie starb im Alter von 85 Jahren in Seevetal bei Hamburg.

Quellen:
Weser-Kurier 25.9.79, 3.4.85, 4.2.94,29.2.94
http://issuu.com/apsbremen/docs/air-magazin_012013/26
Evelin Zegenhagen: Nur eine Handvoll Windunter den Flügeln – Deutsche Pilotinnen und kommerzielle Luftfahrt vor 1945 (Teil 2:Ab 1933 )Informationen der Vereinung Deutscher Pilotinnen e.V.,http://pilotinnen.net/datenfakten-mainmenu-37/historie-mainmenu-41?task=view von Evelyn Zegenhagen

Autorin:Edith Laudowicz