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Alma Gross, verh.Müller
1915 - Todesdatum konnte nicht ermittelt werden

Alma Gross, war die jüngste der Angeklagten im Wahrheitsprozess. Sie stammte aus einem kommunistischen Elternhaus. "Durch die Jugendweihe kam sie in einen Kreis junger Kommunisten, war aber wegen eines Augenfehlers weniger aktiv. Als sie 1931 aus der Schule entlassen wurde, fand sie trotz guter Zeugnisse keine Lehrstelle. Sie arbeitete ab Oktober 1932 für den Einheitsverband der Seeleute und Hafenarbeiter als Schreibkraft und wurde Mitglied der RGO. Schon vor der Machtübernahme hatte sie in verschiedenen Häusern Matritzen für die Zeitungen getippt, da das Büro der RGO in der Hansestraße häufig durchsucht wurde.Nach dem Verbot beider Organisationen nahm sie in der Wäscherei Oelkers eine Stelle an der Heißmangel.
Sie schloss sich nach der Machtübernahme der Nazis dem Widerstand an und tippten in der Bodenkammer der Familie Gabriely in der Elbstraße 31 auf Wachsmatritzbögen die Artikelfür die illegalen Zeitungen des Einheitsverbands der Seeleute, Binnenschiffer und Hafenarbeiter SCHEINWERFER und WAHRHEIT. "In Deutschland ist es verboten, die Wahrheit zu sagen.Verboten sind Presse,Versammlungen und Demonstrationen der Arbeiterschaft. Verboten ist die Wahl von klassenbewußten Arbeitern in die Parlamente und Betriebsvertretungen. Verboten ist die Wahrheit über den Reichstagsbrand, über die Mißhandlungen der Gefangenen, über die Greueltaten der Potempa-Garden. Verboten ist es, gegen die preissteigernde Zollpolitik zu protestieren oder von den Naziführern die Einhaltung ihrer Versprechungen, die Enteignung der Banken und Warenhäuser zu fordern; Wie armselig ist die Politik dieser Henker des deutschen Proletariats!" Mit diesen Worten beginnt die erste Nummer der illegalen kommunistischen Bremer Zeitung "Die Wahrheit"1 Im 1933 wurde sie verhaftet und zu zwei Jahren Haft verurteilt, die sie in Lübeck verbüsste.Nach ihrer Entlassung hatte sie Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden denn alle drei Tage musste sie sich bei der Gestapo melden. Das Arbeitsamt vermittelte sie nicht, so bewarb sie sich mit einer Zeitungsanzeige als Anfängerin in einem Restaurant, wo sie dann auch für 40 Mark im Monat arbeitete. Sie hielt weiter Kontakt zur Familie Müller, hier lasen sie,Willy Müllers Schwester Mieke und seine Mutter Marie die Briefe die Willy schickte. Sie ließ sich nicht einschüchtern, ihre Eltern sagten sie "wäre viel selbstbewußter geworden. Vorher war ich immer empfindlich gewesen, und jetzt hatte ich richtiges Selbstbewußtsein gekriegt, schon durch die ganzen Diskussionen mit den politisch bewußten Jugendlichen im Gefängmis in Lübeck.Alle meine Bekannten sagten: Mensch, du hast dich so verändert, man kennt dich gar nicht wieder. Und sie fragten: Hast du denn keine Angst, dass sie dich wiederholen? Angst schon - kannst aber nichts machen, wenn sie dich wiederholen, holen sie dich wieder."2 Und das taten sie, denn Sie hielt weiterhin Kontakt zur KPD. 1938 wurde sie erneut verhaftet. Sie musste jedoch schon nach 10 Tagen entlassen werden, da keine ihrer Mitgefangenen irgend etwas Belastendes aussagte.
An die Kriegszeit erinnerte sie sich in einem Gespräch, dass ich mit ihr 1984 geführt habe. "Nach Kriegsbeginn haben wir jeden Abend versucht, die ausländischen Sender, England und Radio Moskau zu hören, man kriegte ja nicht wahrheitsgetreue Nachrichten. immer nur Siegesmeldungen. Unter Bekannten haben wir dann unsere Meinungen ausgetauscht.
Wenn Voralarm kam, konnte man schon gar nicht mehr zum Bunker hinkommen, weil da schon die Bomben fielen. Wenn du in der Luft etwas brummen hörtest, saustest du in den Keller."Mein Sohn war damals ein Jahr, sowie die Sirene ging, da stand er in seinem Bett und rief: fix, fix Bunker hin! das konnte der schon sagen, obwohl er gerade ein paar Monate älter als ein Jahr war. Du kamst dann mit Sack und Pack im Bunker an, Taschen überm Arm, Kind auf dem Arm, dann die Treppen hoch in den Bunker, vier Stockwerke hoch, es war gerammelt voll, dass du kaum Platz finden konntest. Und die Hitze da drin! Wenn ich so an die letzten Tage im Januar denke, da ging ich schon nachmittags mit dem Kind hin. Man konnte gar nicht mehr so schnell laufen, Alarm kam und dann fielen die Bomben.Die letzten Tage lagen die Menschen lagen die Menschen auf den Treppen, du konntest weder rauf noch runter. Viele die ich persönlich kannte, ich denke das an die gegend im Buntentor, wo wir wohnten, wenn wir im Kirchweg waren, die kannten ja alle auch meine Schwiegereltern, die waren schon vor 33 da als Kommunisten bekannt.Als wir die letzten Tage da im Bunker saßen, da wuren die auf eienmal ganz freundlich und waren auf unserer Seite und hatten alle gar nichts mit den Nazis zu tun gehabt, obwohl einige von ihnen vorher in SA-Uniform rungelaufen waren.21

Am 11. Juni traf Willi Müller wieder in Bremen ein und sie heiratete ihn am 30.12.1946. Sie kauften ein Grundstück in der Rönnebeckstraße 14 auf dem sie das zerstörte Haus aufbauten. Familienhaus wiederaufbauen. Kurz vor ihrem 20.Hochzeitstag starb Willie Müller am 20.12.19662
1.Heer/Kleinert S.199 und 207
2.Offenbar war sie schon vorher einmal verheiratet gewesen, denn ihr Sohn hieß Paul Lück.
Quellen: Marßolek,Inge/Ott, René: Bremen im 3.Reich Anpassung-Widerstand Verfolgung, Bremen 1986
Müser-Mechthild/Heer-Kleinert, Lore: Die "Wahrheitsprozesse" in Bremen 1934, in: Zwangsarbeit, Rüstung, Widerstand 1931-1945, Beiträge zur Sozialgeschichte Heft 5,Bremen 1982, S.159-205,
Interview von mir mit Alma Müller 1984
Bericht Willi Müllers über seine Haft in Dachau