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Dr. Rosemarie Nemitz, geb. Ziegler
14.08.1922 Mannheim - 2.02.2016 Bremen

Sie wurde in Mannheim geboren und machte 1940 an der Hans-Thoma-Schule das Abitur. Sie studierte nach dem Abitur Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und promovierte sie in Frank-furt1951 zum Dr. rer pol. Das Thema ihrer Doktorarbeit zeigt schon deutlich ihr soziales Interesse, insbesondere an der Situation von Frauen; Sie befasste sich mit der örtliche, familiären und soziale Herkunft aufgegriffener Mädchen.
Rosemarie Nemitz und ihr Ehemann Kurt
1955 trat sie 1955 in die SPD ein.In Bonn arbeitete sie beim Presse- und Informationsamt der Bundesregierung Sie wurde dort Vorsitzenden vom DGB-Frauenausschusses. 1956 heiratete sie den in Berlin geborenen Volkswirt Kurt Nemitz, der in Bonn, als Mitarbeiterin beim Presse- und Informationsamt der Bundesregierung beschäftigt war. Nemitz Vater war der Reichstagsabgeordnete Julius Moses (SPD), der 1942 wegen seiner jüdischen Herkunft im KZ Theresienstadt ermordet wurde. Nemitz Großmutter Anna Nemitz (1873-1962, SPD) war eine der ersten weiblichen Reichstagsabgeordneten. Seine Mutter Elfriede Nemitz war ebenfalls als Sozialdemokratin aktiv.
Sie engagierte sich auch in der ÖTV und war in den sechziger Jahren eine der vier Frauen, die in den Fachausschüssen der ÖTV vertreten war. In einem Beitrag1 äußerte sie sich über die fehlende Repräsentanz von Frau in allen gesellschaftlichen Ebenen "In der Vorstellungswelt weitester Kreise unseres Volkes - auch bei den sogenannten Gebildeten - ist die Politik nach wie vor eine Angelegenheit der Männer. Wer mit einigem Fingerspitzengefühl die Bezirke des öffentlichen Lebens durchforscht, der wird immer wieder feststellen, daß man die Tätigkeit der Frauen auf politischem Gebiet zwar notgedrungen als Bestandteil einer nicht mehr rückgängig zu machenden Entwicklung weitgehend anerkennt. Meist wird jedoch immer noch ihre Tätigkeit mit einer gewissen Verwunderung beobachtet. Von der Überzeugung, daß mit dieser Gleichsetzung lediglich eine bisher versäumte Selbstverständlichkeit nachgeholt wird, ist nur verhältnismäßig wenig zu spüren. Immerhin: Seit einigen Jahrzehnten sind auf dem Weg e der staatsbürgerlichen Gleichstellung von Mann und Frau nicht unwesentliche Fortschritte erzielt worden. Frauen sitzen heute in Parlamenten, Behörden, Verwaltungen und Verbänden auf wichtigen Posten. Aber niemand wird behaupten können, daß ihr Einfluß auch nur annähernd ihrem Anteil an der Bevölkerung entspräche."1
Das Paar zog mit seinem 1962 geborenen Sohn nach Bremen, wo ihr Mann 1964 bremischer Senatsdirektor wurde und bis 1992 Präsident der Landeszentralbank Bremen war Sie wurde nicht wieder berufstätig. Sie engagierte sich ehrenamtlich und übernahm 1970, als Ella Ehlers zur Landesvorsitzenden der AWO gewählt wurde, deren Amt als Bremer Kreisvorsitzende in Bremen bis 1978. Außerdem war sie in der Deputation für Kunst und Wissenschaft vertreten und war Mitglied im Rundfunkrat und später im Verwaltungsrat von Radio Bremen. Anlässlich der Namensgebung des Sozialzentrums Arbergen 2014 sieben Monate nach ihrem Tod charakterisierte Eva-Maria Lemke-Schulte sie mit warmen Worten: "Rosmarie war eine tolle Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Sie war mutig, sozial engagiert und wirkungsvoll. Menschen wie ihr haben wir es zu verdanken, dass die AWO heute das ist, was sie ist", sagte sie. "Als langjährige Vorsitzende unseres Kreisverbandes hat Rosemarie Nemitz die Entwicklung zu einem modernen, leistungsfähigen, sozial verantwortlich handelnden Wohlfahrtsverband maßgeblich geprägt" führte der Vorstandsvor-sitzender der AWO Bremen Burkhard Schiller im Rahmen der Namensgebung aus.
Literatur und Quellen:
Bildquelle: Weser-Kurier: AWO ehrt eine mutige Frau, 16.9.2016
1.Nemitz, Rosemarie;Die Frau in den deutschen Parlamenten,in: Gewerkschaftliche Monatshefte. - 9.958 S.239 - 244 Neloska Biljana: Arbergen Kämpferin für demokratische Rechte geehrt,Weser-Report Ost,16.9.2016
Thies Erika:Rosmarie Nemitz in leuchtenden Farben,Weser-Kurier 10.07.20170
Autorin:Edith Laudowicz