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Nischelsky, Gisela Margot, geb. Bathke
1922 Stettin - 2009 Bremen



Bei Kriegsende flüchtete die ausgebildete Lehrerin aus der Kinderlandverschickung in Pommern mit ihrer Tochter Gaby zunächst nach Thüringen. Von dort holte ihr Mann sie nach Verden. Hier kam die Familie im Domhaus unter. Als Lehrerin konnte sie zunächst nicht arbeiten, da sie ihre Papiere in Stettin gelassen hatte. Sie fand aber als Reinigungskraft bei den Engländern eine Anstellung.
1952 kam die Familie nach Bremen, ein Jahr später wurde ihr Sohn Johannes geboren. Sie konnte wieder als Lehrerin arbeiten, unterrichtete an der Schule Robinsbalje in Huchting, wo sie dann Schulleiterin wurde. Später wirkte sie als Oberschulrätin. Sie blieb bis 1976 im Schuldienst. Danach erfüllte sich einen langgehegten Wunsch: Sie studierte an der Universität Philosophie und Kulturwissenschaften.
Ihr Vater wurde mehrmals versetzt und so machte sie ihr Abitur in Bad-Godesberg. Von 1959 - 1966 studierte sie Germanistik, Romanistik und Kunstgeschichte in Rotterdam, Tübingen und Hamburg. Die begonnene Promotion konnte sie zunächst wegen der Geburt ihrer ersten Tochter nicht fortsetzen.1.
Aus Sorge wegen des wachsenden Einflusses der NPD war sie 1967 in die FDP eingetreten. Als Vorsitzende des Kultur- und Schulausschusses der FDP arbeitete sie im Arbeitskreis Schulspiel mit, der Theater- und Musikaufführungen in den Schulen organisierte. Als sich im Januar 1972 der Ortsverbandes Schwachhausen der FDP gründete, wurde sie dessen Vorsitzende. Noch im gleichen Jahr wurde sie zur Kreisverbandsvorsitzenden Bremen Stadt gewählt. Sie gehörte dem progressiven Flügel innerhalb der FDP an, in der Richtungskämpfe und zahlreiche Streitereien bei Kandidaturen nicht ordentlich aufgenommener Mitglieder sowie Rangeleien um die Listenplätze zu den Wahlen die Schlagzeilen bestimmten. 1972 wählte man sie zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Sie erzielte ein viel beachtetes Ergebnis. 1979 kandidierte sie für die erste direkte Europawahl und verpasste nur knapp - ihr fehlten 130 Stimmen - den Einzug in das Brüsseler Parlament. Darüber war sie sehr enttäuscht, denn gern wäre sie nach Brüssel gegangen.
Als die FDP unter Genscher und Lambsdorff am 17.9.1982 die sozialliberale Koalition mit der SPD des Kanzlers Helmut Schmidt aufkündigten, verurteilte Gisela N. dies mit einer flammenden Rede während der Herbsttagung des Clubs Business and Professional Women (BPW) in Bremen so scharf, dass sie in der Partei anschließend einen sehr schweren Stand hatte. 1983 trat sie nach undurchsichtigen Aktionen bei der Aufstellung der Listenplätze zu den Bundestagswahlen mit großer Erbitterung aus der FPD aus.
Sie widmete sich anderen Aufgaben: Schon 1980 war sie zur 2.Vorsitzenden des BPW gewählt worden. 1983 wurde sie deren 1.Vorsitzende und hatte dieses Amt bis 1986 inne. Ihr war es ein besonderes Anliegen, auch Frauen aus Niedriglohngruppen in den Club einzuladen, um ihn für eine möglichst breite Schicht berufstätiger Frauen zu öffnen.
Sie übernahm aber noch weitere Ämter: als am 1.4.1980 die "THW-Landeshelfervereinigung Bremen e.V." gegründet wurde, arbeitete sie dort aktiv mit und wurde 1982 zur 1.Landesvorsitzenden gewählt. Unter ihrer Leitung entstand ein Ausbildungsprojekt für arbeitslose Jugendliche, das neben einer 20stündigen betrieblichen Praxis auch eine theoretische Ausbildung beinhaltete.
Sie engagierte sich auch weiterhin in kommunalpolitischen Fragen: als das Horner Bad geschlossen werden sollte, das sie regelmäßig besuchte, um nach zwei Bypass-Operationen der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes entgegen zu wirken, engagierte sie sich vehement gegen diese Pläne.

Literatur und Quellen:
Festschrift zum Jubiläum, 60 Jahre BPW Club Bremen, Mai 1951 bis Mai 2011, Bremen 2011
Liberal, Bremer Liberale Zeitung Nr.20, Sept./Okt.1980, Nr.31 November 1980, Nr.46 Oktober/November 1982
Nischelsky, Gisela: Pro und Contra für den freiwilligen Dienst der Frauen. In: Neue Bonner Depesche Nr.2, Bonn 1980
Thies, Erika: Was macht eigentlich Gisela Nischelsky? Weser-Kurier 8./10.4.1998
Weser-Kurier: 27.8.59, 28.10.1964, 13./14.6.70, 11.1.72, 26.1.83, 27.10.84, 9.4.1998, 30.6.2003, 28.12.2004

Autorin: Edith Laudowicz