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Grund, Christiane (Eleonore), Christel, verh. Sengstack, Sengstacke
24.8.1783 Dresden -27. 5.1867 Bremen

Eleonore Grund war das älteste von neun Kindern des Hamburger Musiklehrers Georg Friedrich Grund und seiner Frau Christiane Eleonore, geb. Steinert. Ihre Geschwister waren Friedrich Wilhelm (1791-1874) und Eduard (1802-1871) sowie ihre Schwester Julie. Sie wurde am Klavier von ihrem Vater ausgebildet. Sie "debütierte im Dezember 1791 achtjährig im Hamburger Schauspielhaus.
Nach den Familienerinnerungen einer Nachfahrin trug dieses erste erfolgreiche Konzert des Kindes entscheidend zur Verbesserung der bis dahin dürftigen materiellen Situation der Familie bei. Georg Friedrich Grund, der erst seit wenigen Jahren in Hamburg tätig war, wurde durch den Erfolg der Tochter rasch zu einem gefragten Klavierlehrer".1 Bereits ein Jahr später trat sie mit großen Erfolg auf. "Der ‚Hamburgische Correspondent' bescheinigt dem Mädchen nicht nur "schnelle Fortschritte in der Kunst", sondern bewundert auch ihre "Fertigkeit und den geschmackvollen Vortrag […] sowohl in den schwersten Passagen, als insbesondere auch in der Cadence durch alle Töne."2

Weitere Auftritte im Schauspielhaus, im Komödienhaus und der Harmonie folgten - darunter auch gemeinsam mit ihrem Bruder Fritz. 1795 trat sie erstmals als Sängerin in Erscheinung. Jedoch war sie mit "zunehmendem Alter immer weniger als Pianistin tätig" sondern sie trat als Sängerin auf. "Obwohl Christiane Grund offenkundig über einen hohen Bildungsstand verfügte - der von ihr spürbar eingenommene Spohr merkt an, "daß sie vier Sprachen richtig spreche und schreibe" -, sie offenkundig musikalisch sehr begabt war und vermutlich ab ihrem 14.Lebensjahre selbst Klavierunterricht erteilte, fand eine dauerhafte Berufstätigkeit als Musikerin nicht statt."3
Stattdessen heiratete Christiane Grund 1802 den Bremer Fabrikanten Georg Friedrich Sengstack(1777-1861), der in der Neustadt eine Seifenfabrik zunächst auf dem Teerhof und später an der Großen Allee zwischen dem Neustadtsdeich und Gröpelinger Str.betrieb, dieser wurde später eine Tran- und Ölfabrik angegliedert. Die Familie lebte Am Brill. Aufgrund der napoleonischen Besatzung geriet der Betrieb in große finanzielle Schwierigkeiten, von denen er sich nur langsam erholte. Erst 1830 gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung und es wurde aufgrund der neuen Handelsmöglichkeiten ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet. Das Ehepaar bekam 16 Kinder.

Christiane Sengstack gab aber die Musik nicht auf: Als 1816 die Sing-Akademie erneut gegründet wurde, erklärte sie sich bereit, im Vorstand mitzuwirken5. Im Haus der Familie Sengstack wurden häufig Privatkonzerte veranstaltet, bei denen sie weiterhin als Pianistin auftrat. "Dabei wurde offenkundig auch ein Repertoire gespielt, das für Frauen dieser Zeit, die im Rahmen bürgerlicher Salon- und Hauskonzerte musizierten, sonst eher unüblich war: Etwa Beethovens Eroica in vierhändiger Bearbeitung oder - gemeinsam mit den Brüdern - "ein schönes großes Trio von Beethoven."6 Anlässlich des Besuch von Carl Maria von Weber in Bremen 1820 kam auch ihre Schwester Maria , die wie ihre Schwestern zeitweilig durch die Singakedemie mit festen Honoraren engagiert waren.

Öffentlich trat sie indes nur noch sehr selten - und dann als Sängerin - auf, etwa im Okt. 1822 in einem Bremer Konzert ihres Bruders Eduard Grund. Wie sehr sie dem Bremer Konzertleben bei der Suche nach guten Sängerinnen fehlte, wird aus einem Briefwechsel des damaligen Daniel Julius Klugkist, leitender Organisator der von der Musikakademie veranstalteten "Privatconcerte" deutlich: ‚Man ist in Bremen verwöhnt durch Frau Christiane Sengstack, von der es heißt, dass‚ deren seelenvolles Flügelspiel unvergleichlich erschien,.... Sie ist durch Gesang und Spiel das unübertreffliche Muster gewesen, in welchem sich Seele, Fertigkeit und Grazie zu dem schönsten Ganzen vereinigen.6" Über ihre Kinder und ihren Lebensabend konnte bislang nichts ermittelt werden.


Literatur und Quellen:
Schulz Andreas: Vormundschaft und Protektion: Eliten und Bürger in Bremen 1750 - 1888, München 2002, S. 104, in einigen Quellen wird er irrtümlich als Seidenfabrikant bezeichnet
Blum, Klaus: Musikfreunde und Musici, Musikleben in Bremen seit der Aufklärung, Tutzing 1975 Anmerkungen: 1.Helene Schaefer, Familie Sengstack-Grund, unveröffentl. Typoskript, Cottbus 1929, S. 2 zit. in: Volker Timmermann : Grund, Christiane (Eleonore), Christel, verh. Sengstack, Sengstacke, Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts, Internetseite des Sophie-Drinker-Instituts, http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php/grund-christiane, Abruf 22.1.2015
2.Hamburgischer Correspondent Nr. 34, 29. Febr. 1792; zit ebda.
3.Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. von Folker Göthel, Tutzing 1968 S. 17, zit. in. Timmermann,
4.Schulz Andreas: Vormundschaft und Protektion: Eliten und Bürger in Bremen 1750 - 1888, S. 104, München 2002, S. 104, in einigen Quellen wird er irrtümlich als Seidenfabrikant bezeichnet 5.Reinhardt, Mechthild: Henriette Kulenkampff-Klugkist und Marianne von Preußen. Spuren einer Frauenfreundschaft im Bremen Johann Smidts, Bremisches Jahrbuch 87 2008, S. 211-236, S. 229
6.zit. in Timmermann Volker a.a.O. aus: Familienglück - das Beste auf Erden. Die Berichte der Ehefrau Christiane des Bremer Kaufmanns Georg Friedrich Sengstack aus den Jahren 1820 bis 1861, hrsg. von Althée Meinken, Bukarest 1997.

Autorin:Edith Laudowicz