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Sommer, Helene, geb. Erling
2.9.1893 Bremen - 9.12.1988 Bremen


Helene Erling war die Tochter von Josepha und Carl Erling. Sie hatte fünf Schwestern und zwei Brüder. Ihre Mutter stammte aus Haselünne, wo die Familie die Kornbrennerei Berentzen gegründet hatte. Ihr Vater war Besitzer der Rolandmühle und mehrer Mühlen in Bremen. Die Familie war stark sozial engagiert. Josepha Erling gründete mit zwei weiteren Frauen 1910 die Bremer Ortsgruppe des "Katholischen Fürsorgevereins für Mädchen, Frauen und Kinder". Bis ins hohe Alter war sie in diesem Verein aktiv. Helene Sommer besuchte das Lyzeum und die Frauenschule des Frauen- Erwerbs- und Ausbildungsvereins, die 1909 eröffnet worden war und neben hauswirtschaftlichen Fächern, Gesundheitslehre, häusliche Krankenpflege, Einführung in die Wohlfahrtspflege auch Bürgerkunde und Volkswirtschaftlehre unterrichtete. Sie heiratete den Juristen Dr. Joseph Sommer und bekam eine Tochter (Maria-Josepha).




Elisabethhaus in der Kohlhökerstraße

1932 wurde Helene Sommer Vorsitzende des Fürsorgevereins (der sich 1968 in "Sozialdienst katholischer Frauen" umbenannte). Im Jahresbericht des Vereins 1934 schreibt sie zur weiteren Entwicklung des Elisabethauses dass es: "... durch die wachsende Arbeitslosigkeit der schweren Krisenjahre, .....vielen Schutzlosen zur Heimat wurde." 35 junge Frauen konnten dort wohnen.

1932 betreute der Verein 1.175 Menschen. Die Machtübernahme 1933 hatte zu Folge, dass das Heim in Schwierigkeiten geriet: Aufgrund der Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung ab 1933 zogen die jungen Frauen aus, außerdem verursachte die Herabsetzung der Pflegegelder durch die Nazis finanzielle Schwierigkeiten, die die Fortexistenz des Heimes gefährdeten. Auch die Zusammenarbeit mit den neuen Machthabern war konfliktreich. Zwar schrieb Helene Sommer im Vorwort des Jahresbericht des Vereins 1934 über die Zusammenarbeit: "..Was für uns Katholiken immer selbstverständliche Pflicht war, dazu ruft auch der Nationalsozialismus die Frau auf, Verständnis zu zeigen für den einzelnen Menschen mit seinem persönlichen Schicksal." Helene Sommer verhielt sich offenbar dem entsprechend:1933 brach der Kontakt zu den Behörden gänzlich ab, denn sie widersetzte sie sich entschieden gegen die Verlegung behinderte Menschen (mit welchem Erfolg war nicht zu ermitteln) in entlegene Heime und gewährte auch jüdischen Bürgern Hilfe, was zu mehrmaligen Vorladungen zur Gestapo führte.Sie war bis 1951 Vorsitzende des Vereins.

Anlässlich des 50. Jubiläums des Fürsorgevereins wurde sie mit dem päpstlichen Orden "pro ecclesia et pontifice" ausgezeichnet.
1946 trat sie in die in Bremen erst relativ spät gegründete CDU ein, wo sie sich besonders um den Frauenausschuss kümmerte. Im Jahre 1947 wurde sie für die CDU in die Bürgerschaft gewählt und blieb vier Jahre im Parlament. 1952 wurde sie in den Vorstand der CDU gewählt. Von 1955 bis 1959 zog sie erneut ins Parlament ein. Der Schwerpunkt ihrer parlamentarischen Arbeit lag auf sozialpolitischem Gebiet. 1959 verzichtete sie aus Altersgründen auf eine weitere Kandidatur. Sie starb 1988 im hohen Alter von 95 Jahren im St. Elisabth-Heim.



Literatur und Quellen:
Tacke, Wilhelm: Von Mutters Verein zum "Sozialdienst katholischer Frauen" in Bremen, 1910 - 2010, Bremen 2010, Zitat S. 29 u. 44
Adamietz, Horst: Die fünfziger Jahre. Bremer Parlamentarier 1951-1959, Bremen 1978
Handbuch der Bremischen Bürgerschaft, 4. Wahlperiode (1955-1959)
Bildquelle: Tacke, Sozialdienst S. 44 u. 83

Autorin:Edith Laudowicz