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Steineke, Elisabeth, geb. Lehmann
1909 Bremen - 2003 Bremen


Elisabeth ist die Tochter des Arztes Alexander Lehmann und seiner Frau Johanna, geb. Plump. Schon früh kam sie mit Kunst in Berührung: " Wir Kinder, Enkel meiner Großeltern, im ganzen siebzehn, malten und zeichneten eigentlich alle [] meine Mutter nähte lieber, als schlechter als die anderen zu malen." 1

Als sie elf Jahre alt war, wurde Ihr Bruder Peter geboren,2
Nach ihrem Abitur am Kippenberg Lyzeum 1929 erhielt sie Unterricht bei Gustav Adolf Schreiber, es folgte eine Ausbildung an der Berliner Hochschule für Kunsterziehung in der Klasse von Kurt Lahs. Künstlerische Anregungen erhielt sie aber auch durch ihre Vermieterin Milli Gerstel, die mit der ersten Frau Max Beckmanns befreundet war. "Es war eine sehr anregende Zeit für mich."3 1932 zeigte sie erstmals im Graphischen Kabinett in Bremen Zeichnungen und Aquarelle. 1933 war ein tiefer Einschnitt, denn ihre Lehrer galten den neuen Machthabern als "Kulturbolschewisten". 1934 wurde "das Atelier der Lehrer mit Brettern verschlossen und beschmiert, eine große Hakenkreuzfahne gehisst und anschließend die Herren "an die frische Luft gesetzt".3
Sie kehrte 1935 ohne Abschluss für das Lehramt nach Bremen zurück und heiratete im gleichen Jahr den Baumwollkaufmann Friedrich Steineke. Sie war Mitglied der GEDOK und des Künstlerbundes. 1936 wurde ihre Tochter Hildegard, 1939 der Sohn Rolf und 1942 der Sohn Peter geboren. Die Familie lebte in der Saarlautener Straße. Durch die Geburt ihrer Kinder fand sie nur noch selten Zeit für ihr künstlerisches Schaffen, es entstanden einige Kinderzeichnungen. Ihr Ehemann wurde eingezogen,er Mann fiel 1943. Im selben Jahr wurde sie mit ihren Kindern zunächst ins Erzgebirge, dann nach Thüringen evakuiert.4
1945 kehrte sie nach Bremen zurück. Das Haus war zwar nicht zerstört, aber von den Amerikanern beschlagnahmt, so lebte sie zunächst im Elternhaus. 1946 konnte sie zwar dort wieder einziehen, musste sich aber die Räume mit einer anderen eingewiesenen Familie teilen. Ans malen war zunächst nicht zu denken. Ihr Mann kehrte aus dem Krieg nicht zurück und sie musste sich um den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder kümmern. Nur einige Kinderbildnisse entstanden.
Erst 1950 stellte sie im Graphischen Kabinett gemeinsam mit August Tölken und ihrem Bruder Peter aus. Ab 1954 beschäftigte sie sich auch mit Lithografien und kaufte später eine Lithowerkstatt von Heinrich Wöltjen. 1955 vermittelte ihr der Bruder, der mit seiner Frau in Höhr-Grenzhausen lebte, den Auftrag zur Gestaltung der Fenster der dortigen Gefallenen-Gedenkkapelle. Hatte sie bislang überwiegen gezeichnet, Aquarelle und Ölbilder in kleinere Formaten gemalt, musste sie sich nun nicht nur mit mit der räumlichen (Fern)Wirkung ihres Werkes in der jeweiligen Architektur sowie dem Verhältnis von Licht und Raum auseinandersetzen. Sie sah sich die Fenster der Pariser St. Chapelle und andere Kirchen mit Fenstern französischer Gotiker an und gestaltete Fenster in leuchtender Farbigkeit. Es folgten weitere Aufträge für Entwürfe von Glasfenster für Kirchen: 1956 ein Altarfenster für eine Kirche in Essern , im Kupferstichkabinett der Kunsthalle zeigte sie die Entwürfe für Fenster der Marburger Elisabethkirche. 1958 arbeitete sie an drei Fensterentwürfen für den Brautsaal der St. Ansgari-Kirche in Bremen, in denen die Speisung der Fünftausend, die Auferweckung de St. Lazarus und die Verwandlung des Wassers in Wein dargestellt wird.
Ein Jahr später nur erhielt sie wohl den bedeutendsten Auftrag für Kirchenfenster: Den Entwurf von acht Chorfenstern für St. Martini. Dabei musste sie den Charakter der Kirche berücksichtigen: In der Predigerkirche sollten keine großformatigen Bilder von der Predigt ablenken. Der Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Kirche wurde von dem Architekten Walter Silber geleitet und sie wurde Ende 1960 eingeweiht.. "Die Fenster im Chor erhielten eine kleinfigürliche Buntverglasung von herrlich satten Farben - nach Entwürfen von Elisabeth Steineke. Wenn die Morgensonne hindurchscheint, sieht es aus, als ob funkelnde Wandteppiche den Chorraum umgeben."5 1963 gestaltete sie für die Woltmershauser Christuskirche drei Chorfenster und ein Jahr später in Sohren(Hunsrück) drei Chorfenster über das Leben Christi.
1959 zeigte sie erneut im Graphischen Kabinett in einer Einzelausstellung ihre neu entstandenen Werke, darunter Selbstporträts und Kinderbildnisse, Zeichnungen, Aquarelle und Lithografien. Seit 1966 reiste sie regelmäßig nach Südfrankreich, wohin ihre Tochter nach der Heirat gezogen war. Inspiriert durch das Licht und die Farben des Südens malte sie eine Reihe zartfarbiger Aquarelle, südliche Gärten und die häusliche Umgebung. Es entstanden aber auch zahlreiche Landschaftszeichnungen.
In Bremen beteiligte sie sich an Ausstellung der GEDOK und auch an denen der Arbeitsgemeinschaft Bremer Kunsthandwerk, so auch 1976 im Focke Museum. Im gleichen Jahr präsentierte die Kunsthalle eine Ausstellung ihrer Werke gemeinsam mit denen ihres Bruders. "Sie zeigt Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen und Lithographien, in deren lichtdurchströmter Farbigkeit sich ein heiteres Temperament ausdrückt. Es findet seine Themen in der Natur, ebenso wie im Atelier und in der Literatur. Ihre Umsetzung nimmt Elisabeth Steineke mit leichter Hand vor. Immer bleibt ihre Linienführung unverkrampft, bleibt die Stimmung ihrer Bilder duftig."6 1986 wurden in Worpswede in der Kunstschau ihre Werke präsentiert und 1992 fand auf Gut Sandbeck eine letzte Ausstellung vor ihrem Tod im Jahr 2003 statt.


Blick aus dem Atelierfenster
Ausstellungen:
1932: Graphisches Kabinett Bremen
1950: Graphisches Kabinett Bremen
1959: Graphisches Kabinett Bremen
1976: Focke-Museum Bremen
1976: Kunsthalle Bremen
Verschiedene GEDOK-Ausstellungen
1986: Kunstschau Worpswede
1992: Gut Sandbeck in Osterholz-Scharmbeck
Anmerkungen:
1.Elisabeth Steineke, Malerei, Glasmalerei, Aquarelle, Bremen 1991
2.Peter Lehmann wurde ein bekannter Bildhauer, er schuf u.a. die Bronzeplastik Schweinehirt und seine Herde, die in der Sögestraße aufgestellt ist. Er heiratete die Bildhauerin Angelika Bilaudelle. 3.Ebda. (Publikation ohne Seitenzahlen)
4.Lahs, Curt- Freundliche Zeichen, Baden-Baden 1960, S.7
5.WK 17.12.1960
6.WK 25./26.7.1977
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Autorin: Edith Laudowicz