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Steinhardt, Ida
10.12.1911 Mannheim - 28.05.1942 ermordet im KZ Ravensbrück


 

Idas Mutter Marie Steinhardt kam nach dem 1.Weltkrieg nach Deutschland und nach ihrer Entlassung 1916 aus dem Internierungslager (vermutlich in Polen), nach Braunschweig. Sie war in weiter Ehe war verheiratet, das Ehepaar wohnte in Mannheim. In Mannheim wurde ihre Tochter Ida geboren. Sie hatte zwei Brüder und zwei Schwestern, die alle nach Amerika auswanderten. Die Mutter zog mehrmals um. Als sie und ihre Mutter in in Braunschweig lebten, arbeitete sie als Säuglingsschwester im Krankenhaus. Am 13.03.1933 wurde Ihre Tochter Rita, geboren, die zeitweise bei ihr oder bei der Großmutter Marie lebte.
 border=1934 ging Ida nach Bremen, Rita blieb zunächst bei der Großmutter in Braunschweig. In Bremen war sie in einem Fischrestaurant beschäftigt und lernte dort die Schauspielerin Elisabeth Hoppe kennen. Es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Ida zog bald darauf in die Wohnung von Frau Hoppe. Am 10.07.1934 wurde Idas Sohn Karl-Heinz geboren. Ida musste mit ihm häufig umziehen, da sie bereits als Jüdin verfolgt wurde. 1935 wurde dann ihre Mutter Marie in Braunschweig verhaftet und von den Nazis nach Polen abgeschoben und ist dort vermutlich am 08.05.1945 verstorben. Eine Schwester Idas brachte Rita nach Bremen, wo sie sofort von Frau Hoppe aufgenommen wurde.
Marianne, das dritte Kind von Ida, wurde am 10.11.1935 geboren und praktisch sofort auch von Frau Hoppe aufgenommen. Karl-Heinz, der Bruder, war zeitweise in einem Kinderheim in Bremen-Nord untergebracht, kam dann auch zu, Elisabeth Hoppe. Ida versuchte, sich durch häufigen Wohnungswechsel vor der Verfolgung zu schützen, denn ihr Fremdenpass war abgelaufen..
Dank des Mutes, der Kraft und des Engagements von Elisabeth Hoppe wuchsen Rita und Marianne ohne weitere Verfolgung auf, Elisabeth Hoppe hatte dafür gesorgt, dass ihre Akten verschwanden. Nach dem Krieg erhielten sie einige Pakete aus Amerika von den Brüdern ihrer Mutter. Rita lebte bis zu ihrer Hochzeit 1948 und Marianne bis Februar 1966 bei Elisabeth Hoppe in der Neustadt.
Elisabeth Hoppe, die 1938 zweiundsechzig Jahre alt wurde, war körperlich und finanziell nicht länger in der Lage, drei Kleinkinder zu versorgen. So wurde 1938 für Karl-Heinz eine Familie gesucht und gefunden. Die Familie Mildenberg aus Telgte wollte ihn adoptieren und dann mit ihm und dem eigenen Sohn nach Amerika auswandern. Am 28.09.1938 zieht Karl-Heinz nun nach Telgte und wohnt dort mit der Familie Mildenberg in der Synagoge. Dieser Neuanfang endet für den 4 jährigen bereits am 10.11.1938, als von den Nazis die Synagoge und die Wohnung gestürmt und vernichtet wird. Die Familie wird schrecklich gequält, sie kann sich aber in die Wohnung des Arbeitgebers von Siegfried Mildenberg retten.
Für Ida wurde die Situation immer schwieriger, da ihr Fremdenpass am 05.06.1938 abgelaufen war. Sie wurde am 01.07.1938 verhaftet und bis Ende 1938 in Bremen in U-Haft gehalten und von dort sie in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht und am 28.05.1942 umgebracht.
Die Mildenbergs beantragen am 10.12.1938 die Ausreisegenehmigung, am 30.01.1939 wandert jedoch nur der Sohn Hans nach Palästina aus. Vermutlich reichte das Geld nicht für alle. Am 01.06.1939 zog die Familie Mildenberg mit Karl-Heinz nach Hannover in die israelitische Gartenbauschule Ahlem. Karl-Heinz wird offensichtlich zeitweise von seinen Pflegeeltern getrennt, da Siegfried Mildenberg zeitweise in Essen gemeldet ist und Henriette in St. Tönis. Doch auch Karl-Heinz Aufenthalt in Hannover ist nicht von langer Dauer. Die Gartenbauschule wird aufgelöst und die letzten 23 Bewohner, darunter auch Mildenbergs und Karl-Heinz, werden am 15.12.1941 deportiert.
Auf Lastwagen werden sie zum Bahnhof Hannover-Linden gebracht und dann per Bahn nach Riga. Nach 3 Tagen Fahrt kommen sie dort am 18.12.1941 an und werden sofort ins Ghetto gebracht, wo kurz zuvor 36.000 Rigaer Juden erschossen worden sind. Das Ghetto wird am 2.11.1943 liquidiert. Es ist davon auszugehen, dass Karl-Heinz und seine Pflegeeltern zu diesem Zeitpunkt bereits von der Nazi Vernichtungsmaschinerie ermordet worden sind. Vermutlich sind alle in eines der 52 Massengräber in Riga Biekeznieki gekommen.

Autorin; Edith Laudowicz