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Weßlau,Dr. Edda

9.9.1956 Wolfsburg - 12.4.2014 Bremen


Edda machte 1975 am Theodor Heuss-Gymnasium in Wolfsburg Abitur und studierte von 1977 - 1984 in Hamburg Rechtswissenschaften. Im Seminar für Strafrecht und Kriminologie bei Gerhard Fezer war sie anschließend Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie promovierte 1988 über die Probleme der Vorfeldermittlungen bei Straftaten. Diese Arbeit erhielt große Aufmerksamkeit, weil sie als eine der ersten die Schnittstelle zwischen Polizeiarbeit und Strafverfahren präzise analysierte.
1992 wurde ihre Tochter Marlene Sophie geboren. 1994 habilitierte sie mit dem Thema "Das Konsensprinzip im Strafverfahren", ein Problembereich, der sie auch angesichts der Zunahme von sog. "Deals" in Strafprozessen in ihrer weiteren wissenschaftlichen und publizistischen Arbeit beschäftigte.
1995 wurde sie als Professorin für Strafrecht und Strafprozessrecht an die Universität Bremen berufen - bis dahin eine reine Männerdomäne. Sie gehörte zu den ersten drei juristischen Hochschullehrerinnen. Im juristischen Fachbereich setzte sie sich für eine stärkere Repräsentanz von Frauen auf allen akademischen Ebenen ein. Von 1998 - 2000 war sie Sprecherin der vom Akademischen Senat der Universität eingesetzten Zentralen Kommission für Frauenfragen. Von 2005 bis 2009 war sie Dekanin des juristischen Fachbereichs.
Sie war eine streitbare Juristin, die sich mit heiklen Rechtsfragen befasste: Schon 1997 kritisierte sie die zwangsweise Verabreichung von Brechmitteln an Menschen, die verdächtigt wurden, Drogen verschluckt zu haben, als rechtswidrig, eine Praxis, die in Bremen 2004 zum Tod eines Afrikaners führte.

1985 veröffentlichte sie in der Zeitschrift Demokratie und Recht ein Interview mit Heinrich Hannover mit dem Titel: "Es ist nicht meine Sache, die Herrschenden vor dem Sozialismus zu warnen", und einen eigenen Bericht über den 9.Strafverteidigertag in West-Berlin. Für die Zeitschrift Cilip (Bürgerrechte und Polizei) schrieb sie 1986 aus Anlass der Novellierung von Polizeigesetzen 1986 zu den "rechtsstaatlichen Tugenden der SPD" und 1988 über die "Verrechtlichung operativer Polizeiarbeit".
Sie war jedoch nicht nur in der Lehre an der Universität tätig, sie beteiligte sich von 1997 bis zu ihrem Tod auch bei den Prüfungen bei der Ausbildung von Rechtsanwältinnen.
Aktiv wirkte sie auch in vielen Institutionen mit: Von 2007 bis 2011 war sie Mitglied des Bremer Staatsgerichtshofs, 2009 wurde sie Mit-Direktorin des Zentrums für Europäische Rechtspolitik (ZERP). Sie war Mitherausgeberin der Schriftenreihe Bremer Forschungen zur Kriminalpolitik und der Zeitschrift Kritische Justiz.
"Edda W. war eine herausragende Wissenschaftlerin. Die Kombination aus analytischem Scharfsinn, Kreativität, Mut zur Kritik, konsequentem Gerechtigkeitssinn und schnörkelloser Sprache haben ihr Denken und Schreiben einzigartig gemacht. Ihre Fairness im Umgang mit anderen, ihr unbestechliches Handeln, ihre Bereitschaft, Probleme offen anzusprechen, und ihre soziale Solidarität zeichneten sie aus"1heißt es in einem Nachruf. Auch ihre "Kritikfähigkeit gegenüber Schludrigkeiten und Ungerechtigkeiten in Gesetzgebung und juristischer Alltagswirklichkeit sowie last not least ihre solidarische Freundlichkeit im Umgang mit der sozialen Welt fanden bei Studierenden und Kolleginnen großen Respekt und Achtung.2


Anmerkungen: 1.Nachruf des Fachbereichs Rechtswissenschaften, der Universität Bremen, Zugriff 17.6.2015.
2.Pollähne Helmut:Edda Weßlau ist von uns gegangen, Nachruf des Vereins republikanischer Anwältinnen und Anwälte, Infobrief 109, 2014.
Literatur und Quellen (Auswahl):
Publikationen: mit von Wedel, Jens: Ein Toter von Amts wegen? Die Verstrickung des Verfassungsschutzes in den Mordfall Ulrich Schmücker. Berlin 1980 und 1981 Vorfeldermittlungen - Probleme der Legalisierung "vorbeugender Verbrechensbekämpfung" aus strafprozessrechtlicher Sicht, Berlin 1989 Das Konsensprinzip im Strafverfahren - Leitidee für eine Gesamtreform? Baden-Banden, 2002 in: Burkhardt,Sven u.a.(Hrsg.): Korrespondenzen. In Sachen: Strafvollzug, Rechtskulturen, Kriminalpolitik, Menschenrechte. "Peiniger tot - Frau vor Gericht" - Der "Haustyrannenmord" - Ein Beispiel für das Verhältnis von Dogmatik, Lebenswirklichkeit und Rechtspolitik. Bremer Forschungen zur Kriminalpolitik, Band 5, Berlin 2005 in: Pollähne,Helmuth/ Stöver, Heino (Hrsg.): Komplemente in Sachen Kriminologie, Von der Aufrechterhaltung der Moral über den Opferschutz zum Standortfaktor - oder: Was heißt rationale Kriminalpolitik heute? Drogenhilfe, Psychotherapie,Kriminalpolitik, Bremer Forschungen zur Kriminalpolitik, Band 1, Berlin 2010
Literatur und Quellen: Pollähne, Helmut: Edda Weßlau ist von uns gegangen, Nachruf des Vereins republikanischer Anwältinnen und Anwälte, Infobrief 109, 2014 Profil Edda Weßlau :http://www.academia-net.de/profil/prof-dr-edda-wesslau/1033625, Zugriff 27.8.2014 Weser-Kurier18.04.2014
Autorin: Edith Laudowicz