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, Doris (Dorothea)Focke,geb. Olbers
3.1786 in Bremen -8.10.1818 in Bremen



 

Henriette Marie Dorothea Olbers, gen. Doris, wurde als Tochter des bremischen Arztes und Astronomen Dr. med. Heinrich Wilhelm Olbers(* 11. 10.1758 in Arbergen - 2.3.1840 in Bremen) und seiner Frau Maria Dorothea Elisabeth in Bremen geboren. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter kam Doris mit dreizehn Jahren nach Hamburg in das Erziehungsinstitut der als weltoffen und aufgeschlossen bekannten Karoline Rudolphi.
Schwachhausen. Das Porträt, von einem unbekannten Künstler gemalt, entstand um 1810. Es zeigt eine junge Frau mit zwei weit über Bremen hinaus bekannten Familiennamen. Doris Focke, geborene Olbers, lebte von 1786 bis 1818. Sie war die Tochter des Astronomen Wilhelm Olbers (1758-1840); nach ihrem Enkel Johann Focke (1846-1922) heißt das Focke-Museum; der Flugzeugkonstrukteur Henrich Focke (1890-1979) und der Maler Wilhelm Focke (1878-1973) waren ihre Urenkel. Der Vater Wilhelm Olbers, dessen Marmordenkmal in den Wallanlagen schräg gegenüber vom Polizeihaus steht, ist in der Dauerausstellung des Focke-Museums berücksichtigt. Das Bild der Tochter hängt mit anderen bremischen Porträts im Magazinturm - unter "C" wie "Charakterisieren". Die etwa 25-Jährige blickt ernst. Das weiße Kleid im Empirestil, der lässig umgeworfene rote Schal, die Frisur mit den Schmachtlocken entsprechen der damaligen Mode. Um die knapp 18-jährige Henriette Marie Dorothea Olbers hatten 1804 zeitgleich drei "achtbare Juristen" geworben. Der Vater entschied, dass sie einen davon nehmen müsse. Sie wählte den Notar Christian Focke (1774-1852). "Mein theures, abgöttisch geliebtes Weib", nannte er sie in einem frühen Brief, und sie selbst sah sich als "schwanke Rebe", die bei ihm Halt finden konnte. Einmal, während einer längeren Trennung, schrieb sie ihm aber auch, sie begreife nun mitunter gar nicht, "wie wir uns zuweilen so unglücklich durch einander fühlten".
Der eher nüchterne, verstandesbestimmte Mann und die zwölf Jahre jüngere, gefühlsbetonte Frau hatten wohl von Anfang an miteinander ihre Probleme. Immer wieder litt sie offenbar auch an Depressionen. Er heiratete nach ihrem frühen Tod nicht wieder. Geliebt hatte sie Johann Benzenberg, ihren einstigen Lehrer. Vielseitig begabt, aber doch auch unstet, war er als Ehemann nicht infrage gekommen. "Doris denkt mich anders, wie ich bin. Ich habe ihr dieses gesagt, aber sie ist zu unschuldig, daß sie es mir glaubt", schrieb er über das junge Mädchen. Beide blieben zeitlebens in Verbindung miteinander. Dass seine Familie ihr später für den guten Einfluss auf ihn ausdrücklich dankte, machte sie stolz. Ihr engster Vertrauter war ihr Bruder Georg Olbers (1790-1861). Ihre Briefe an ihn erschienen 1886 nur als "Druck für die Familie".
Das Büchlein ist im Staatsarchiv aber einsehbar. Von "George", der aus der zweiten Ehe des Vaters stammte, fühlte sie sich verstanden, ihm gestand sie: "Lieben konnte ich nur einmal." Bei ihm beklagte sie sich über "Fockens Natur, so gemessen und kalt" oder fragte bange: "Was fehlt mir eigentlich? Ich bin so glückliche Mutter, habe einen Mann so redlich, lebe in blühendem Wohlstand..." Die Familie Focke bewohnte ein Eckhaus an der Papenstraße, das mit der Rückseite zur alten Ansgariikirche hin lag. Im Sommer zog man hinaus aufs Land nach Oberneuland. Zunächst waren drei Söhne geboren worden: Wilhelm (1805), Julius (1807) und Gustav (1810). Es folgten drei Töchter: Malwina (1811), Dorothea (1817) und Maria (1818). Wenige Tage nach Marias Geburt starb Doris Focke. Zuerst die französische Revolution, auf die für Bremen eine Wirtschaftsblüte folgte, dann die napoleonischen Kriege mit einer besonders auch durch die Kontinentalsperre bedingten, enormen wirtschaftlichen Not: Es waren turbulente Zeiten. Die Briefe der Olbers-Tochter spiegeln davon erstaunlich wenig wider. Da stehen zumeist seelische Befindlichkeiten und persönliche Probleme im Vordergrund. Doris hat immer wieder Schwierigkeiten mit einer Schwägerin, "George" wird wieder mal von einem besten Freund enttäuscht. Die Kinder machen Sorgen oder Freude... Erst mit den Befreiungskriegen wird die Korrespondenz historisch interessanter. Im Vorwort des Büchleins ist ein Brief von Christian Focke an seinen Schwager Georg Olbers zitiert, geschrieben am 3. Januar 1811, unmittelbar nach dem "Einsturz unseres alten, wenngleich morschen, so doch ehrwürdigen Stadtgebäudes." Bremen alias "Brême" war nun die Hauptstadt des französischen Departements du Bouches de Weser. "Mich bekümmert es tief", schrieb Focke. Die Stadt werde nun eine Statistenrolle spielen müssen - "bis wir auf Kosten unserer Nationalität (des einzigen, bischen Guten, das noch an uns war) mit einem fremdartigen, aus widerstrebenden Theilen componirten Ganzen uns vereinbart haben." Er erwog, nach Österreich zu gehen, aber: "Du weißt, wie unlieb dies unseren Eltern sein würde." Christian Focke wurde vom bremischen Notar zum französischen "Notaire". Sein zum Mitglied der gesetzgebenden Versammlung (Corps législatif) ernannter Schwiegervater Wilhelm Olbers reiste mehrfach nach Paris und musste da, so Doris Focke am 4. Juni 1811 an ihren Bruder, zunächst mal um ein angemessenes Auftreten bemüht sein. "Eine Equipage ist bereits angeschafft, die mit dem Bremer Wappen verziert wird." Die "herrlichen Spitzenhemden, die hier noch so eilig für Vater gestickt wurden", hatten sich als unbrauchbar erwiesen - "so gering ist die größte Bremer Pracht gegen die Pariser." Im Sommer 1813, als Napoleons Stern nach dem missglückten Russland-Feldzug sank, wurde dann aber auch Doris Focke von der patriotischen Aufbruchstimmung ergriffen. In den Briefen an den nun in Hamburg weilenden Bruder tauchen verschlüsselte Hinweise auf. Freiheitskämpfer werden als Krieg spielende Kinder getarnt: Fritz mit seiner "ganz kleinen Uniform wie ein Stabsoffizier" ist "voll Muth und Feuer", während "sein kleiner Freund W. besonders das Equipement der kleinen Kameraden betreibt." Im Oktober 1813 wird Bremen von General Tettenborn und seinen Kosaken erstürmt: "Meine Kinder haben einen ganzen Morgen in Kulenkamp's Keller gesessen und sogar auf der Treppe im Hinterhause habe ich eine Kugel gefunden."
Die Franzosen erobern die Stadt noch einmal zurück: "General Lauberdiere, der in Nienburg war, ist hier mit 2000 Mann eingerückt, das Schießen dauert noch in den Straßen fort, die Kosacken zogen aus dem Osterthore." Die endgültige Befreiung erfolgt am 5. November 1813. Als Napoleon dann von Elba zurückkehrt, sind 1815 auch in Bremen "alle, alle" entschlossen, sein "Reich umzustoßen". Ein Heer von Freiwilligen meldet sich. "Doctor Gröning geht auch mit, will aber unter die Cavallerie; er hat 3 Kinder! Der junge Hirschfeld, der schon oft Blut gespien, ist unter die Jäger, bis jetzt erträgt er alle Übungen gut." Die Zeiten werden ruhiger, Malwina und Dorothea sind noch klein, aber die "drei Knaben wachsen wild und kräftig heran. Wilhelm wird recht nett und lernt brav; wenn nur endlich die Schulen hier besser wären! Es sind jetzt Gottlob entscheidende Schritte dafür getan." Der September 1817 bringt noch einmal ein 14-tägiges Wiedersehen mit Benzenberg in Bremen. Sie empfindet für ihn "nur noch Freundschaft", aber dass ihr "Andenken ihn schützend im Leben begleitet", ist "ein süßes Gefühl." Ihre Ehe "war nie besser wie jetzt." Sie erwartet ihr sechstes Kind.
"Welch süßes Leben ist mir untergegangen",klagt Christian Focke am Tag ihrer Beerdigung in einem Brief an den Schwager. Nach einer leichten Entbindung sei sie schon wieder "völlig wohl" gewesen. Dann aber brach bei ihr das "Milchfieber" aus. Sie starb am 8. Oktober 1818 - "ohne Schmerzen, bei voller Besinnung und ohne die leiseste Ahnung, daß sie gefährlich krank sei...".



Publikationen: Briefe von Doris Focke, geb. Olbers an ihren Bruder, Bremen 1886

Literatur und Quellen:
Bildquelle: Focke-Museum
Kloos, Werner:Die Bremerin, Bremen 1965

Autorin:Erika Ties: "Lieben konnte ich nur einmal"Schätze aus dem Focke-Museum: Das Porträt der Doris Focke, geborene Olbers in; Weser-Kurier, 18.04.2014