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Johanna Gode

1907 - 1994 in Bremen

Johanna Gode,in Bremen als Packerin beschäftig, bewarb sich 1940 aufgrund einer Ausschreibung als Aufseherin für das KZ Ravensbrück. In der Stellenbeschreibung heißt es: "Die Aufseherinnen sind Reichs- angestellte und werden nach der Tarifordnung für Angestellte bezahlt. Im Lager erhalten sie Gemeinschaftsverpflegung, die mit täglich 1,20 Mark berechnet wird. (Truppenverpflegung). Die Tuch- und Drillinghosen sowie teilweise Unterwäsche wird ihnen kostenlos gestellt. Zur Unterbringung stehen Diensthäuser mit Dienstwohnungen zur Verfügung, die gut eingerichtet sind. Bei entsprechender Eignung und Tätigkeit und besteht Möglichkeit, in einem der Außenlager als Lagerführerin eingesetzt zu werden und Aufrückungsmöglichkeit bis zur Gehaltsgruppe VI.
Ihre Tätigkeit wird als Kriegseinsatz anerkannt, sie gehören auch zum Gefolge der Waffen-SS (normalerweise konnten Frauen nicht Mitglied der SS werden), vorausgesetzt, dass sie unbestraft sind und in körperlich gesundem Zustand sind. Über die Gefangenen hieß es: "Im Konzentrationslager Ravensbrück sitzen Frauen ein, die irgendwelche Verstöße gegen die Volksgemeinschaft begangen und zur weiteren Verhinderung von Schaden isoliert werden. Diese Frauen sind bei ihrer Arbeit innerhalb und Außerhalb des Lagers zu beaufsichtigen."1
Im Oktober 1940 trat sie ihren Dienst dort an.1941 holte sie ihre beiden Töchter, die seit ihrem Dienstantritt bei Verwandten gewohnt hatten, nach Ravensbrück. Die jüngere Tochter Ursel(*1937) wurde in einem Kinderheim untergebracht, die ältere Tochter Johanna(*1931) wohnte mit ihr zusammen. "Mindestens 25 Aufseherinnen hatten bei Dienstantritt Kinder, die zum Teil bei ihnen in Ravensbrück wohnten. Zehn Aufseherinnen brachten in Ravensbrück ein Kind zur Welt." 1940 trat sie dem Deutschen Frauenwerk (DFW) bei, ein 1933 gegründeter nationalsozialistischer Frauenverband, der neben der NS-Frauenschaft als Sammelbecken für die Mitglieder der gleichgeschalteten Frauenvereine der Weimarer Republik fungierte.
1943 wurde sie in die NSDAP aufgenommen Ob dies aus eigenem Antrieb geschah oder um sich gegen Vorwürfe zu wappnen, konnte nicht ermittelt werden, jedoch wurde durch einen Zeugen im Entnazifizierungsverfahren angegeben, dass gegen sie aufgrund mangelnder Härte gegenüber den Gefanginnen ein Spitzel angesetzt war. Während ihrer fünfjährigen Tätigkeit stieg sie bis zur Leiterin des Gefangenblocks II auf. Nach eigenen Angaben versuchte sie jedoch auch, zu kündigen, weil sie die dort erlebten Grausamkeiten nicht länger habe aushalten können. Dies jedoch wurde abgelehnt.
Bei Kriegsende wurde sie festgenommen und im Lager Ludwigsburg interniert, sie wurde im dortigen Spruchkammerverfahren zu 60 Tagen Sonderarbeit und zur Übernahme der Verfahrenskosten von 2.700 Mark verurteilt. In dem Verfahren gegen sie äußerten sich mehre ehemalige Gefangene des KZ's übr sie sehr positiv: Die Zeugin Anna Maier legten in ihren schriftlichen Erklärungen dar, dass sie die beste Aufseherin gewesen sei und Nanda Herbermann bestätigte, dass sie über die allwöchentlich verpassten Stockhiebe der Häftlinge empörte sei. Obwohl jeder private Kontakt zwischen Häftlingen und Aufseherin verboten war, hatte sie Herbermann gegenüber eine Einladung für die Zeit "wenn einmal andere Verhältnisse herrschen" ausgesprochen.
Die im Spruchkammerverfahren ausgesprochene Bestrafung zu Sonderarbeit leiste in Bremen am zerstörten Volkshaus ab. Noch im selben Jahr stellte sie ein Gnadengesuch,"2 über dessen Ausgang in den Akten keine Angaben gemacht werden, Zwanzig Jahre später jedoch musste sie sich noch einmal im Rahmen von Vorermittlungen zum KZ Ravensbrück und ihrer Verurteilung äußern.
Über ihr weiteres Leben bis zu ihrem Tode ist nicht bekannt.

Quellen und Anmerkungen:
1.Synycia; Hannah: "Eine unrühmliche Ausnahme?" Die SS-Aufseherin Sophie Gode, in:
Schöck-Quinteros (Hrsg.)Was verstehen wir Frauen schon von Politik -Entnazifizierung ganz normaler Frauen in Bremen 1945-1952) S.299-316, S. 298
2.ebda S.303
Siehe hier zu KZ-Alltag:
Autorin:Edith Laudowicz ©