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Hackfeld, Marie Gesine geb. Pflüger
23.4.1829 in Bremen - 4.2.1917 Bremen

 

Marie Gesine Hackfeld war Tochter des Bremer Reeders Carl Friedrich Pflüger, der unter anderem die Weserfähre auf Höhe der heutigen Bürgermeister-Smidt-Brücke betrieb. Am 24. September 1848 heiratete Marie Gesine Hinrich Hackfeld (1816 - 1887), der seit seinem 14. Lebensjahr zur See fuhr und später die Steuermannschule in Bremen besuchte und das Steuermanns- und das Kapitänspatent erwarb. "1839 fuhr er als erster Steuermann der Bremer Brigg Express nach Nord- und Südamerika und wurde Kapitän und Teilhaber des Schiffes. Die Brigg strandete später nördlich der Philippinen. 1848 kaufte er die Brigantine Wilhelmine, mit der seit 1849 Hawaii anfuhr. Mit seiner Frau, seinem Neffen B.F. Ehlers und seinem Schwager Johann Carl Pflüger brach er gegen Ende des Revolutionsjahres in die neue Heimat Hawaii auf. Die ungewöhnliche Hochzeitsreise dauerte neun Monate."1

Schon fünf Tage nach der Ankunft in Honolulu, am 1.Oktober 1849, hatte Heinrich Hackfeld sein Kommissions- und Importgeschäft, dem auch später eine Reederei angeschlossen wurde. Er kaufte Zuckerplantagen und förderte die Einführung von Ananaspflanzen von Mexiko nach Hawaii. Das Unternehmen, an dessen Entwicklung Marie Gesine Hackfeld beteiligt war, florierte. "Die Firma betrieb Holzexport und belieferte Walfänger mit Lebensmitteln und Ausrüstung, rüstete dann auch eigene Walfangschiffe aus. Der spätere Hauptgeschäftszweig, die Agentur von Zuckerplantagen, wurde ebenfalls schon in den Anfangsjahren begonnen."2

1850 wurde auch ein Ladengeschäft für Kleiderstoffe eröffnet. Die Eheleute waren mit der Familie Isenberg eng befreundet. Die Hackfelds, deren Firma zu den fünf großen auf Hawaii gehörte, erlangten großen Reichtum und Ansehen. 1862 kehrte das Paar infolge der Auseinandersetzungen nach dem Sezessionskrieg in den USA und der damit verbundenen wachsenden Einflussnahme amerikanischer Geschäftsleute auf Hawaii 1862 nach Deutschland zurück. Sie ließen sich zunächst in Hamburg, dann in Bremen nieder. In der Langenstraße Nr.131 gründete Heinrich Hackfeld eine Firma. Marie Hackfeld beteiligte sich an der 1897 gegründeten Auskunftstelle für Wohltätigkeit. Sie war eine Anlaufstelle für alle, die Fürsorge benötigten aber auch soziale Hilfsarbeit leistn wollten.

Da das Ehepaar keine Kinder hatte, übertrug es im Jahr 1876 dem Neffen Johann Friedrich Hackfeld die Geschäftsleitung auf Hawaii. Hinrich Hackfeld starb am 20. Oktober 1887.

Marie Hackfeld, die schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts häufig mit ihrem Mädchennamen oder dem Doppelnamen Hackfeld-Pflüger Dokumente und Briefe unterschrieb, betätigte sich als Mäzenin. So stiftete sie die Bronzetüren des St. Petri-Doms, die von dem Künstler Peter Fuchs entworfen wurden. Ohne das Wissen von Marie Hackfeld hat er in der Darstellung "Jesus erscheint Maria am Ostermorgen" das Pflüger'sche Familienwappen in Andenken an die Stifterin eingearbeitet, deren Porträt auf der rechten Domtür zu finden ist.3

Durch ihre finanzielle Förderung wurde 1910 das Mütter- und Säuglingsheim in Tenever, das bis 1925 bestand, und die Erholungsstätte für Minderbemittelte und für die Jugend in Rönnebeck geschaffen. Außerdem entstand 1888 durch ihre finanzielle Unterstützung das Pflegehaus Sandwichheim, eines der Gründungshäuser der Bremer Heimstiftung. "1898/99 schenkte sie der Stadt das "Volksbad am Steffensweg", das zunächst nur Wannenbäder und ähnliches anbot, aber 1928 zum Hallenbad erweitert wurde. Am 20. Dezember 1943 wurde das Gebäude durch Bomben zerstört und nicht wieder aufgebaut."4 Darüber hinaus verfolgte sie mit großer Aufmerksamkeit die Aktivitäten der Frauenbewegung. Sie engagierte Referentinnen für Frauenversammlungen und unterstützte begabte junge Frauen in ihrer beruflichen Bildung und Weiterbildung."5

Ein nach ihr benanntes Schiff wurde 1893 erbaut. Es segelte mehrmals um Kap Hoorn, es lief am 9. November mit Kurs auf Honolulu aus. Jedoch kurz nachdem es die Elbe bei Cuxhaven verlassen hatte, geriet es durch einen heftigen Sturm auf dem Großen Vogelsang auf Grund. Die Mannschaft konnte gerettet werden, die Wellen zerschlugen das Schiff.6 r>
Sie ist auf dem Riensberger Friedhof begraben.
In Bassum ist eine Straße nach ihr benannt.

Literatur und Quellen:

Familienakte Staatsarchiv Bremen, MAUS
Lachs, ohannes : Schiffe aus Bremen. Bilder und Modelle im Focke-Museum. Bremen 1994,S. 191
Prüser, Friedrich, in: Bremische Biographien 1912 - 1962, Bremen 1969
MAUS familienhistorisches Archiv, Staatsarchiv Bremen, Familienakte Hackfeld. Anmerkungen:
1.http://de.wikipedia.org/wiki/Hinrich_Hackfeld, Zugriff 5.3.2015
2. Tim Giesler: http://www-user.uni-bremen.de/~bremhist/Bremen-18Jahrh.Hackfeld.html, Abruf 17.8.2014
3. http://www.klausdede.de/index.php?content=weserundjade&sub=41.
4.sie stiftete 150.000 Mark: Dr. W. Becker: Wohlfahrtseinrichtungen in: Tjaden, Hermann Christian; Becker, H;/Delbrück, Anton Wolfgang Adalbert/Böhmert, Wilhelm Hrsg: Bremen in hygienischer Beziehung, Bremen 1907, S.338
5.Cyrus Hannelore in: Bremer Frauen von A - Z, Bremen 1991, S.401
6.http://schaffermahlzeit.de/marie-hackfeld, Zugriff am 5.3.2015

Autorin: Edith Laudowicz