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Harder,Johanna, gen. Hanne, geb. Kleeman,(verw.)Hünerjäger
2.2.1888 Wismar + 1936 Bremen



1910 in ihem Arbeitszimmer



Ihre Eltern waren Julie und Friedrich Kleemann aus Wismar. Sie heiratete den aus Krakow stammenden Schmiedegesellen Friedrich Harder, ein Jahr später schon kam ihr Sohn Paul zur Welt.

1909 wurde sie Vorsitzende des Verbandes Hausangestellte, Ortsgruppe Bremen. Wann sie der SPD beitrat, ist nicht bekannt. Sie war Vorsitzende der Frauengruppe der MSPD und Herausgeberin einer Beilage im Bremer Volksblatt, die sich an Frauen und Mütter wandte.

Im ersten Weltkrieg, als die Frauenverbände und anfänglich auch die sozialdemokratischen Frauen sich dem Zentral-Hilfsausschuß vom Roten Kreuz zur Verfügung stellten, arbeitete Hanne Harder dort mit, auch nachdem der linke Flügel der SPD-Frauen bechlossen hatte, sich daraus zurück zu ziehen. In einem Brief an ihren Sohn im März 1917 beschreibt sie ihre vielfältigen Aufgaben: "Ersteinmal (bin ich) meines Jungen Mutter - das ist eine ganze Masse. Außerdem bin ich ehrenamtliche Jugendpflegerin, ...Leiterin der Kochkisten-Zentrale, Ausschussmitglied des Verbandes für Konsuminteressen, Vorstandsmitglied im Bund für Mutterschutz und neuerdings auf Bitten von Senator Hildebrand im nationalen Hilfsdienst und dann noch ein dutzend nebensächlicher Posten."1 Ab 1917 leitete sie eine Beratungsstelle für Hausangestellte.

Als es 1918 zu einer Debatte um die Einführung es Frauenstimmrechts kam, versuchte Alfred Henke das Frauenwahlrecht zur Disposition zu stellen. Dagegen protestierte sie energisch.2 1919 zog sie in die Bremer Nationalversammlung ein und war bis 1930 Mitglied der Bürgerschaft. Als es zur Wiedervereinigung der Flügel der SPD kam, gehörte sie dem vorrübergehenden Vereinigungsvorstand an. Hanna Harder meldete sich in der Nationalversamlung und Bürgerschaft insgesamt 31 mal zu Wort, teilweise als Hauptrednerin zu einem Thema und als Antragstellerin - sie war zunächst Mitglied der Gesundheitsdeputation, seit 1921 Mitglied der Behörde für das Jugendamt und zeitweise des Ausschusses für das Wohnungswesen. Ihre Beiräge waren auf Fragen der Kinder- und Jugendfürsorge und auf Fragen des Säuglings- und Mutterschutzes konzentriert. Themen ihrer Artikel in den sozialdemokratischen Zeitungen waren Ehe und Mutterschaft, vor allem die 'uneheliche'Mutterschaft', nach 1921 dann vielfach auch Fragen der sozialdemokratischen Wohlfahrtspflege, insbesondere der Arbeiterwohlfahrt. Frauen- und wohlfahrtspolitisch nahm sie eine gemäßigte Position ein. 'Radikal' wurde sie dann, wenn es um persönliche Ausbeutung ging, z.B. die Ausnutzung von 'Dienstmädchen' durch ihre 'Herrschaften'.

Sie gehörte zu den Mitbegründerinnen der AWO in Bremen, die nach vielen Widerständen gegründet wurde. Kritik kam von den Männern, aber sie stellte erfreut fest, dass sich viele Genossinnen dem Vorhaben anschlossen und gegenüber den Kritikern erklärte sie: "Was das Beste an uns ist, wollen wir der Bewegung extra geben. Ich meine das Gefühl der Mutter, sonst wollen wir gar nichts Besonderes."3 Sie war Vorstandsmitglied der AWO. Sie arbeitete aber auch weiterhin aktiv im Vorstand des Verbandes für Mutterschutz und Sexualreform mit und ab 1928 war sie dessen Schriftführerin.

1923 starb ihr Ehemann, sie blieb aber nicht Witwe sondern heiratete 1934 Heinrich Hünerjäger, nachdem sie sich schon 4 Jahre aus allen politischen Ämtern zurückgezogen hatte. 1936 starb sie nach einem Schlaganfall.

In Bremen ist eine Straße nach ihr benannt und eine Kindertagesstätte in Bremen Vahr. Anmerkungen:
1. Blandow, S.29
2. Stuckmann, S.97
3. Blandow, S.32

Literatur und Quellen:
Blandow, Jürgen; Von Friedrich Ebert bis Ella Ehlers, Die Vorgeschichte und Geschichte der bremischen Arbeiterwohlfahrt, Bremen 1995
Stuckmann, Dagmar; "Gebt Raum den Frauen" 100 Jahre Internationaler Frauentag in Bremen, Wiesbaden 2012
Meyer-Rentschhausen, Weibliche Kultur und soziale Arbeit, die Geschichte der Frauenbewegung am Beispiel Bremens 1810 - 1927, Köln 1989
Zitate und Bild aus Blandow, S. 29
Jahresberichte des Vereins für Mutterschutz und Sozialreform, Staatsarchiv Bremen
Schmitter Romina; Dienstmädchen, Jutearbeiterinnen und Schneiderinnen,Frauenerwerbsarbeit in der Stadt Bremen 1871-1914, Texte und Materialien zum politischen Unterricht, Staatsatchiv Bremen 1996

Im Schatten des Aalto-Hochhaus in der neuen Vahr Südostliegt seit fast 26 Jahren das Hanna-Harder-Haus der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Dort sind verschiedene Dienste, soziale Angebote und Einrichtungen unter einem Dach vereint: Seniorenwohnungen, Tagespflegeeinrichtung, Kindertagesstätte oder beispielsweise die Begegnungsstätte. Die verschiedenen Altersgruppen - vom Kleinkind bis zum Rentner - leben nicht nur nebeneinander her, sondern auch miteinander. Gemeinsame Veranstaltungen bringen die Gruppen von Zeit zu Zeit zusammen.
Autorin: Edith Laudowicz©