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Anna Johanne Lohmann, gen. Hanni, geb. Strube

28.5.1902 Bremen - 26.1.2000 Bremen
 

Anna Johanne Strube, gen Hanni, wurde am 28. Mai 1902 in Bremen geboren. Sie war die Tochter des Arztes Dr.Georg Strube (18971975) - Chefarzt des Rote Kreuz Krankenhaus von 1905 - 1932 und seiner Frau Lili, geb. Jolly. Hanni Strube besuchte das Oberlyzeum.
Nach einer Ausbildung im Buchhandel heiratete sie den Juristen Johann Georg Lohmann, der ab 1924 Attaché im Auswärtigen Amt, dann von 1927 - 1935 Legationssekretär in der Botschaft in Washington wurde, wohin auch Hanni Lohmann ihm folgte. Das Paar hatte drei Kinder. Ihre Söhne Jürgen(geb.1931),Fritz (geb.1935) und die Tochter Lili(geb.1928) wurden in den USA geboren. Nach ihrer Rückkehr lebte die Familie zwei Jahre in Memel, dann wurde ihr Mann Referatsleiter der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin und danach Mitarbeiter des Büros des Reichsaußenministers. Bei Kriegsende wurde er von den Amerikanern in mehr als 15 Lagern der amerikanischen Zone interniert. Hanni Lohmann zog wieder in ihre Geburtsstadt Bremen und wartete dort auf die Heimkehr ihres Mannes.

Sie lebte damals mit ihren Kindern im Haus ihrer Mutter, das den Krieg heil überstanden hatte. Sie begann sich für die Aktivitäten von Frauen in Bremen zu interessieren und nach einem Aufruf des Bremer Frauenausschuss entschloss sie sich zur Mitarbeit. "Ich hatte mich vorher keiner Frauenorganisation angeschlossen, hatte auch früher keine Zeit, mich um so etwas zu kümmern. Aber dieser Artikel sprach mich damals an. Obwohl ich hier im Haus keine Hilfe hatte und in einem recht schwierigen Haushalt lebte, ging ich ins Rathaus, um mich anzumelden."1

Sie wurde schnell Vorstandsmitglied des Bremer Frauenausschuss (bfa). Ihr Verhältnis zu den Initiatorinnen der ersten Stunde, die eher aus der Arbeiterbewegung stammten, beschrieb sie so: "Ich war damals wohl die Jüngste im Vorstand und habe von diesen Älteren viel gelernt, weil das doch die Generation der sehr energischen Frauenrechtlerinnen aus den Zwischenkriegsjahren war. Die hatten alle dieses etwas kämpferische Auftreten der ersten Frauengeneration. Ich selber neigte mehr dazu zu meinen, wenn ich mich für all diese Dinge einsetzte, sollten wir das doch gemeinsam mit den Männern machen, nicht so mit dem kämpferischen Akzent."2 Ihr besonderes Engagement galt der die Gründung der "Bremer Mütterschule zur Pflege der Familie", die 1950 auf Anregung des Leiters der Kinderklinik Prof. Hess aus Sorge um die hohe Kindersterblichkeit zurückging. Die Schule verfolgte das Ziel, nicht nur Mütter zu schulen, sondern sie trat auch für ein modernes Partnerverhältnis ein, weshalb Hanni Lohmann den Namen "Haus der Familie" bevorzugte, wie dann die Einrichtung in der Mathildenstraße auch hieß. Im bfa leitete sie auch den Arbeitskreis Kultur. 3

1950 wurden vier Frauen vom amerikanischen Hohen Kommissar zur Teilnahme an einer internationalen Frauenkonferenz im September eingeladen. Gemeinsam mit Marie Therese Cabisius, Magdalena Seggel und Mrs. van den Wall fuhr sie nach Bad Reichenhall um mit 150 Frauen zu diskutieren. Die Konferenz stand unter dem Thema "Die besondere Verantwortung der Frauen bei den kritischen Problemen unserer Zeit". 1951 besuchten Vertreterinnen der größten amerikanischen Frauenverbände die Bundesrepublik und eine Delegation kam auch nach Bremen, wo Ihnen der bfa mit einem umfangreichen Programm die Bemühungen um den Wiederaufbau und der Einrichtung demokratischer Institutionen zeigte. Hanni Lohmann wurde in die USA eingeladen und sie reiste vom September bis Ende Dezember 1951 durch verschiedene Staaten der USA. In öffentlichen Veranstaltungen dankte sie den Amerikanern für die Hilfe und sie sprach dort in verschiedenen Staaten der USA über die politische Entwicklung in der BRD. Sie berichtete über den Entwurf des Gleichberechtigungsgesetzes, die wirtschaftliche Situation und das erwachende politische Bewusstsein der Frauen in Deutschland. Sie betonte die Notwendigkeit der Beteiligung von Frauen an den politischen Institutionen und trat für die Qualifizierung von Frauen im politischen und beruflichen Bereich ein. Sie betonte, dass gleiche Rechte für Frauen nicht im Kampf gegen die Männer erreicht werden könnten, sondern nur in Kooperation mit ihnen." 4

1957 wurde Hanni Lohmann Vorstandsmitglied des Frauen- Erwerbs- und Ausbildungsvereins und schließlich 1964 Vorsitzende. Dieses Amt hatte sie bis 1973 inne. Der Verein hatte ab 1966 keinen eigenen Lehrbetrieb mehr, sondern unterstützte vorrangig verschiedene Frauen in ihrer Ausbildung und karitative Frauenprojekte im In- und Ausland.

Hanni Lohmann wurde durch die Mitarbeit im Bremer Frauenausschuss, dessen stellvertretende Vorsitzende sie 1961 wurde, politisch sehr interessiert und trat in die FDP ein und kandidierte erstmals für die Bürgerschaft 1951. Von 1959 bis 1967 war sie Bürgerschaftsabgeordnete und wurde dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP.


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In einer Debatte in der Bürgerschaft um die Bedeutung der politischen Bildung setzte sie sich vehement dafür ein. "Die politische Bildung ist eine Lebensfrage für unser Volk. Dies umso mehr, als das politische Wissen der Jugend erschreckend gering ist"5 Sie forderte vor allem auch mehr politischen Unterricht in den Schulen. Als 1962 die noch vorhandenen Baracken abgerissen werden und für deren Bewohner Schlichtwohnungen gebaut werden sollten, gab sie zu bedenken, dass die Hilfe nicht allein darin bestehen dürfe, ihnen bessere Wohnmöglichkeiten zu geben, vielmehr müsse man auch über weitergehende Hilfen nachdenken um besonders eine Diskriminierung der Kinder in den Schulen zu vermeiden."6 Sie engagierte sich auch im Rahmen der FDP Frauenpolitik. 1966 fand eine Tagung der Frauengruppen der FDP der norddeutschen Länder statt, die sich vor allem mit der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie befasste. Hanni Lohmann kritisierte vor allem, "dass Beamtinnen, wenn sie wegen Kindererziehung und Pflege ihrer Eltern in Teilzeitarbeit wechselten, zugleich auf den Beamtinnenstatus verzichten müssten."7 Nach ihrem Ausscheiden aus der Bürgerschaft war sie noch jahrelang Mitglied der Schuldeputation.

In den 1980er Jahren verließ sie die FDP, weil sie nicht mit dem Votum ihrer Partei für eine Einbeziehung von Frauen in die Bundeswehr einverstanden war. Sie wurde Mitte der 1990er Jahre Mitglied der Wählergemeinschaft Arbeit für Bremen und Bremerhaven (AfB). Sie starb am 26. Januar 2000

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Literatur und Quellen:
Uhlenhaut, Hilda, Frauen- Erwerbs- und Ausbildungsverein Bremen, 125 Jahre Frauenbildung - 1867 bis heute, Bremen 1993
wikipedia.org/wiki/JohanneLohmann Abruf 21.9.2012
M. Wala (Hrsg.) Gesellschaft und Diplomatie im transatlantischen Kontext. Festschrift für Reinhard R. Doerries zum 65.Geburtstag. (USA Studien, 11), Wiesbaden: Steiner 1999, S. 345
http://en.wikisource.org/wiki/Author:Johanne_Lohmann
Weser-Kurier, 26.9.50
1. Gründungsgeschichte des Bremer Frauenausschusses Kurzvortrag von Prof. Dr. Renate Meyer-Braun anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Wir rufen euch Frauen! - 60 Jahre Bremer Frauenausschuss" am 7. März 2006 in der Zentralbibliothek Am Wall, Downloadunterlage: www.bremer-frauenausschuss.de | "Zusatzinformationen" | Version vom: Mai 2010 2. "Wir rufen euch Frauen" 50 Jahre Bremer Frauenausschuß, Bremen 1996,S.24
3. ebda. und Uhlenhaut, Hilda, Frauen- Erwerbs- und Ausbildungsverein Bremen, a.a.O. S.92
4. Women's responsibility in today's world, http://en.wikisource.org/wiki/Author:Johanne_Lohmann, Übersetzung EL
5. Weser-Kurier, 20.4.61
7. Weser-Kurier, 30.9.66


Bildquellen: Wikipedia,Johanne_Lohmann


Autorin: Edith Laudowicz