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Meinken, Metta

1836 Bremen - 7.11.1911 Bremen

Metta Meinken entstammte einer Bremer Familie, wann genau sie geboren wurde, war nicht zu ermitteln.

Metta Meinken besuchte Veranstaltungen des Frauen-Bildungsvereins der sich 1870 vom Frauen-Erwerbs-Verein abgespalten hatte. Sie hatte ihn durch Marie Mindermann kennengelernt, mit der sie befreundet war und der sie mit ihrer Schrift "Ein Bremer Frauenzimmer, im Kampf um Wahrheit und Glauben", das erste biographische "Denkmal" setzte. Mit Henny Sattler, Ottilie Hoffmann, Elisabeth Schlodtmann und Therese Siedemann gehörte sie bald zum engeren Ausschuss des Frauenbildungsvereins, der das Ziel der gegenseitigen Förderung und Bildung verfolgte, ähnlich wie die Arbeitervereine, die Pfarrer Kalthoff , dessen Veranstaltungen sie mit Marie Mindermann besuchte, anbot.

Kalthoff, der 1888 als zweiter Pastor an St. Martini berufen wurde, befasste sich sehr engagiert mit sozialen Fragen und sah in Aufklärung, Bildung und Ausbildung eine wesentliche Vorbedingungen für eine wirksame Bekämpfung des sozialen Elends. 1891 gründete Kalthoff den Arbeiterbildungsverein "Lessing", mit dem er die Idee einer Volkshochschule realisierte. Mit ihm sollten Kunst und Wissenschaft in möglichst breite Kreise hineingetragen werden . Er richtete auch Literatur- und Bildungskurse speziell für Damen ein und 1900 gründete er den Bremer "Goethe-Bund", einen Volksbühnenverein, der verbilligte Abonnements für Theater und Konzert vermittelte und pro Spielzeit einige Vorträge organisierte. An seiner Gründung war Metta Meinken als Vertreterin der Lehrerinnen beteiligt.

Wo sie zur Lehrerin ausgebildet wurde, war nicht zu ermitteln. Von 1863 bis 1903 war sie in der staatlichen unentgeltlichen Volksschule in der Schmidtstraße tätig. "Anfangs als *Privatlehrerin', ab 1881 probeweise als staatliche Angestellte ("Hilfslehrerin") uns erst ab 1894 als eine der ersten staatlich besoldeten Lehrerinnen in der Würde und mit der Sicherheit einer "ordentlichen Lehrerin", was....die Ruhegehaltsregelung noch keineswegs einschloss."1

Engagiert plädierte sie für eine nationale Lehrerinnen-Interessenvertretung. Bevor sich diese konstituierte, hatte sie bereits am 6.2.1889 mit 13 bremischen Volksschullehrerinnen (neben den angestellten Lehrerinnen waren es noch: M.Bojansson, Mariechen Braun, Marie Herlyn, Lucie Meyer und Fanny Müller) den "Verein Bremischer Volksschullehrerinnen", den ersten reinen Frauenverein Bremens, gegründet, dessen Vorsitzende sie von 1889 - 1899 war. Der Verein, der sich später in "Verein Bremischer Lehrerinnen" umbenannte, setzte sich für die Einstellung in den öffentlichen Schuldienst, für eine Gehaltsaufbesserungen, für die berufliche Weiterbildung ein und für eine Ruhegehaltsberechtigung ein. Er befasste sich auf seinen Tagungen mit methodischen und didaktischen Fragen. Metta Meinken nahm regelmäßig an den Hauptversammlungen des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins teil. Metta Meinken war mit der sehr viel jüngeren Marie Bojanson und mit Magda Böttner, die 1899 ihre Nachfolgerin als Vorsitzende des Vereins wurde, eng befreundet. "Wie viele Frauenbewegte ihrer Zeit war sie "religiös ,ging ...auch regelmäßig in die Kirche, und zwar zu den sozialtheologischen Predigten Albert Kalthoffs...wußte aber auch indischen Lehren viel abzugewinnern" und "war von einer kommenden Umgestaltung der Gesellschaft überzeugt4.



v.l.nr: Marie Herlyn, Henny Claußen, Metta Meinken, Magda Böttner, Johanne Meyerholz,Frieda Stand, Frau Wesseling

Darüber hinaus wirkte Metta Meinken auch in dem von Ottilie Hoffmann in Bremen gegründeten Abstinenten Frauenbund mit und 1904 entstand auf ihre Initiative der Verein abstinenter Lehrerinnen. Sie begeisterte sich wie Auguste Kirchhoff für die Idee des Bundes für Mutterschutz, der in Bremen 1904 gegründet wurde und dem sie als Vorstandsmitglied angehörte. Er setzte sich für die Errichtung eines Mütter- und Säuglingsheimes ein, um der Säuglingssterblichkeit entgegenzuwirken, vor allem aber auch, um den diffamierten ledigen Müttern Unterkunft und Arbeit zu ermöglichen. Im selben Jahr gehörte sie auch zu den Gründungsmitgliedern des Bremer Frauenstimmrechtsvereins.

Metta Meinken war eine unerschrockene und nicht einzuschüchternde Frau. Als ihr vorgesetzter Senator sie zu einem Gespräch vorlud und es nicht für nötig befand, ihr einen Platz anzubieten, meinte sie: "Bitte, Frl. Meinken setzen sie sich! - Danke schön, Herr Senator". Sie nahm Platz und zahlte unverzüglich die ihr ungnädig auferlegte Ordnungsstrafe von 3 Mark die sie mit der Bemerkung: "De schäd se hebben" quittierte.2 Sie blieb stets eine echte Bremerin, kernig und plattdeutsch, aufrecht und freiweg, die voller Schwänke und Schnurren steckte, in der aber auch der Freiheitswille und das Unabhängigkeitsgefühl einer freigeborenen Republikanerin mächtig war"3

Als sie aus dem Schuldienst ausgeschieden war und kein Ruhegeld bezog, wandten sich ehemalige Kolleginnen mit einem Unterstützungsgesuch an die Schulbehörde, in dem es hieß: "Wir Kolleginnen schätzen an ihr den hohen Idealismus, ihr liebevolles Eingehen auf die Kinderseele, ihre trotz körperlicher Schwäche hohe Tatkraft und ihr im hohen Maße entwickeltes Standesbewußtsein. Da wir in Frl. Metta Meinken unsere treue Vorkämpferin verehren, die uns stets mit Rat und Tat zu Rate stand, halten wir es für unsere Ehrenpflicht, für sie einzutreten."
Anmerkungen:
1.Wulff, Bd.2 S.143
2. u. 3 ebda.S.145

4. Meyer-Renschhausen, S.149


Publikationen:
"Ein Bremer Frauenzimmer im Kampf um Wahrheit und Glauben" dem Andenken Marie Mindermanns gewidmet, Bremen 1908
Literatur und Quellen:
Meyer Renschhausen Elisabeth, Weibliche Kultur und soziale Arbeit, Eine Geschichte der Frauenbewegung am Beispiel Bremens 1810 - 1927, Bremen 1989
Wulff, Hinrich: Geschichte und Gesicht der bremischen Lehrerschaft, 2.Bd., Bremen 1950 S.141 ff.


Autorin: Edith Laudowicz