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Menkens Bertha
29.1.1869 in Bremen-Gröpelingen - 16.5.1967 in Bremen


Berta Menkens Eltern waren Johann Heinrich Bernhard Menkens und Meta geb. Hermann.Schon seit früher Jugend begeisterte sich Bertha Menkens für den Sport, sie wurde Mitglied des Allgemeine Bremer Turnverein von 1860 (ABTV).Von April 1914 bis zum Februar 1916 machte sie im Frauen-Erwerbs-und Ausbildungsverein eine Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin und 1918 machte sie eine Prüfung für Turn- und Schwimmlehrerinnen. Ab 1919 war sie an verschiedenen Schulen tätig und wurde dann 1926 als Sport- und Handarbeitslehrerin an der Schule an der Kleinen Helle eingestellt. Sie war die engste Mitarbeiterin von Georg Wiechmann, der sich nach dem 1. Weltkrieg für eine gleichberechtigte Mitbestimmung von Frauen in den Turnverbänden und -vereinen einsetzte.
In der Turnerschaft entwickelte sich eine Diskussion um die Art des Frauensturnens. Hatte sie sich schon davor an den Kleidung der Turnerinnen entzündet, ging es nun um die Übungsformen an Geräten. Während einige Vertreter für eher tänzerischer Elemente plädierten, opponierte Georg Wiechmann, der Gau-Turnleiter."Auch die Frau kann nicht immer schwingend und hüpfend und tanzend durchs Leben schreiten"2 und er plädierte für die Beibehaltung auch " zackige und zügiger" Formen im Frauenturnen. Gemeinsam mit ihm gründete sie 1927 eine Turnschule, die bis 1940 mehrere Namen trug:Vorturnerinnenschule, Kreisturnschule und Gauturnerinnenschule und erst 1940 erhielt sie den Namen Georg-Wiechmann-Turnschule.1
Sie besaß allerdings keine eigenen Räume, sondern nutzte die anderer Schulen. Sie stellte sich vor allem dass Ziel der Qualifizierung von Frauen. Mit den ausgestellten Zeugnissen konnten die Ausgebildeten Frauen- und Mädchenabteilungen leiten.
"1930 arrangierte sie in dem Lyzeum mit ihren Kolleginnen Martha Osing und Anna Eggers ‚100 Jahre Mädchenturnen', das zum Glanzpunkt von der Schule organisierter festlicher Veranstaltungen wurde. Die Palette reichte von ‚Ästhetischen Übungen' von 1830 in Biedermeierkostümen mit und ohne Schal: ‚Spreizen des kleinen Fingers', ‚Heben des Zeigefingers', Verschränken der Arme, Blick verschämt nach unten', über Keulenschwingen und Stabreigen bis zu Übungen am Barren in Marinewollkleidern und Hosenröcken."4 Im selben Jahr übernahm Bertha Menkens , die von 1923 bis 1933 Turnwartin war, die Leitung der Schule. Sie trat für ein Geräteturnen von Frauen ein und verneinte entschieden die Behauptung, dies sei für Frauen schädlich.

Obwohl unter dem neuen Regime das Frauenturnen gefördert wurde, war sie unberührt von den Begeisterungsstürmen ‚nationalsozialistischer Erhebungen.'3 Sie versuchte, die Schule ohne Konflikte mit den neuen Machthabern weiterzuführen, tat dies aber ohne Kritik an der neuen Körperideologie. Ab 1935 gehörte sie dem Reichbund für Leibesübungen4 an. Als das Ziel, ein freies selbstbestimmtes Turnen durch wachsenden Druck nicht mehr möglich war, trat sie 1937 vom Amt der Kreisfrauenwartin zurück. Im Amt folge ihr Grete Nordhoff, die wiederum Bertha Menkens in ihren alten Tätigkeitsbereich zurückberief. Als im 2. Weltkrieg durch einen Bombenangriff das Feuer in der Kleinen Helle ausbrach, "löschte sie mit dem Hausmeister und einem Nachbar das Feuer. Anschließend leisteten die drei noch erste Hilfe bei den Verschütteten im Trümmerfeld der Nachbarschaft und zuletzt war Bertha Menkens im Trainingsanzug, durch ein Seil gehalten, auf dem Dach herumgeklettert, hatte die Pfannen vom Schneegitter herausgeholt und sie wieder aufgehängt."5
Im Februar 1945 wurde sie vom Schuldienst an der Kleinen Helle wegen ihrer Mitgliedschaft im Reichssportbund suspendiert und musste eine Sühnestrafe als "Mitläuferin". Sie konnte aber ihre Tätigkeit Mai 1946 wieder aufnehmen. Auch die Turnschule konnte ihre Arbeit wieder aufnehmen und Bertha Menkens blieb bis 1962 ihre Leiterin. Nach dem Krieg beteiligte sie sich wieder aktiv am Aufbau des Frauenturnens. 1953 wurde sie mit der Ehrennadel des Deutschen Landesturn-Verbandes für ihre langjährige Arbeit ausgezeichnet.


Anmerkungen: 1.Bentz, Gisela, Über 100 Jahre Frauenturnen und -Sport in Bremen, in: Braun, Harald (Hrsg.) Illustrierte Geschichte von Turnen und Sport im Lande Bremen, Ein gesellschaftskritischer Beitrag zur Kulturgeschichte, Bd. 1, S.161-195, S. 187
2.Aus Martha Hörmanns Erinnerungen I - IV. 1918-1945, in Privatbesitz,zit.in:Cyrus, Hannelore (Hrsg.):, Bremer Frauen von A - Z, Bremen 1991, S. 241
3.Günther, Sandra: Die Entwicklung des Frauenturnens in Bremen, Bertha Menkens und die Georg-Wiechman Schule in Bremen, in: Achilles Klaus: Festschrift zur Verabschiedung von Prof. Dr. Harald Braun S. 277 - 303, S.287, Verein für Hochschulsport, Bd. 4 2004
4.Im Januar 1934 proklamierte der Reichsführerring des deutschen Sports die Gründung des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen, und fast t alle Sportfachverbände verloren ihre Eigenständigkeit. 1938 wurde der DRL unter Umbenennung in Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen (NSRL, auch NSRBL) zu einem "von der NSDAP betreuten Verband erhoben.
5.Hörmann. a.a.O.

Literatur und Quellen
Bentz, Gisela: Über 100 Jahre Frauenturnen und -Sport in Bremen, in: Braun, Harald (Hrsg.): Illustrierte Geschichte, Bremen
Günther, Sandra: Die Entwicklung des Frauenturnens in Bremen, in: Achilles Klaus: Festschrift, 2004, S.277-303, S.287
Hörmann, Martha: Erinnerungen I-IV. 1918-1945, in Privatbesitz
Cyrus, Hannelore, in: dies. u.a. (Hrsg.): Bremer Frauen von A-Z, Bremen 1991,S.241
DOSB-Presse Nr.24/15.6.2010 Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
Weser-Kurier 23.2.46, 20.4.53, 21.3.55, 27.1.56, 28.1.56,17.5.64, 18.5.67
Personalakte Bertha Menkens, Staatsarchiv Bremen StAPers 4111-3717
DOSB-Presse Nr. 24 / 15. Juni 2010
Weser-Kurier: 20.4.53, 21.3.55

Autorin: Edith Laudowicz

Bild Privatbesitz Anne-Hörmann-Müller