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Cordula Marta Schmidt,geb. Arnold
27.12.1947 Nordenham - 27.11.2003 Bremen

Cordula wuchs in Nordenham mit ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Astrid auf. Die Familie zog dann nach Bremen, wo Cordula in der Neustadt an der Kornstraße die Grundschule besuchte.
Von 1971-1974 bis studierte sie an der Hochschule für Künste in Bremen Grafik-Design mit dem Schwerpunkt Fotografie. 1967 heiratete sie Dirk Schmidt, im selben Jahr wurde ihre Tochter Jane geboren. Das Ehepaar trennte sich 1984.
Im Anschluss an das Kunststudium machte sie bis 1981 an der Universität Bremen ein Lehramtsstudium in den Fächern Kunst und Deutsch. Parallel dazu ging sie weiter ihren künstlerischen Ambitionen nach, fotografierte und beteiligte sich an Ausstellungen. 1985 eröffnete sie den Kinderbuchladen "Bilderbuch", den sie bis 1995 betrieb. Ab 1997 erfolgten mehrmalige Aufenthalte im Senegal, so auch im Februar/März 2000. In ihr Tagebuch schrieb sie die folgenden Zeilen, die ihre herangehensweise an ihre fotografische Arbeit illustrieren: "Zwischen 15 und 18:30 machte ich einige Fotos von meiner Lieblingspflanze, die da draußen steht. Neun Bilder jede halbe Stunde eins. Die Pflanze steht eigentlich im Schatten, jede halbe Stunde eins, am Nachmittag tastet sich langsam ein Sonnenfleck heran, der sie allerdings niemals erreicht. Sans Soleil."1 "Cordula Schmidt zeigt, welchen visuellen Reichtum und welche Spannweite die Grauzonen unserer funktionalen Wahrnehmung beinhalten. Voraussetzung ist, dass aus der zweckgebundenen Wahrnehmung wieder Neugierde auf ein unvoreingenommenes Sehen wird. Mit diesem Akt vom Unbewussten zum Bewussten beginnt die Kunst, schreibt Hansjoachim Manske im katalog der kunsthalle.
Der ehemalige Direktor der Bremer Kunsthalle Dr. Wulf Herzogenrath schätzte ihre fotografischen Arbeiten und sammelte sie. Die Kunsthalle Bremen besitzt aufgrund eigener Erwerbungen im Jahre 1996 und Schenkungen aus dem Nachlass der Bremer Künstlerin insgesamt 75, meist großformatige Fotografien der Künstlerin. Dieser Sammlungsbestand stellt einen Querschnitt ihres Werkes dar. Ihre Schwarzweiß-Fotografien waren in der Regel, als Zyklus angelegt. Sie zeigen meist unscheinbare Ausschnitte der Realität, denen aber eine hohe anschauliche Qualität eigen ist. Es sind Strukturen des Lichts, Lichtspuren des Alltags in äußerst differenzierten Grauwerten. Ihre Bilder gehorchten dabei keinem Trend, keiner Mode - sie waren immer aktuell und unzeitgemäß zugleich.
Anlässlich einer Ausstellung 1999 im Fraktionsbüro der GRÜNEN heißt es in der Einladung:
Cordula Schmidt fotografiert die alltägliche Welt, deren Dinge durch Licht und Schatten verwandelt werden. Es entstehen dabei Atmosphären zwischen luzider Schärfe und verschleiertem Geheimnis. Wobei das Eigentümliche an diesen Fotografien ist, dass die gezeigten Schauplätze durch die Zeichnungen des Lichts zu atmosphärisch gestimmten Gedankenräumen werden.
Sie erlag 2003 einem Krebsleiden.


Quellen: Informationen von Jane Schmidt, Marion Bertram, Wolfgang Michael


Kataloge:
ALM, St. Jakobikirche, Stralsund 1997
Cordula Schmidt, Die Sparkasse in Bremen, Bremen 1998 (mit einem Beitrag von Hans-Joachim Manske)
swb Galerie, Band 1, Bremen 2000
Cordula Schmidt, Sommer, Bremen 2001 (mit einem Beitrag von Norbert Schwontkowski
) Cordula Schmidt Fotografien - Aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen Einzelausstellungen:
1991 Brückenpfeiler
1994 Vom Baum auf den Tisch, Galerie Gruppe Grün, Bremen
1997 AFRICA-pour Madame S., Galerie Gruppe Grün, Bremen
1998 Cordula Schmidt, Die Sparkasse in Bremen
1998 Zeit-Raum, Kunsthalle Bremen
1999 " und so ging der Sommer vorbei und der Winter fing an " Robert van de Laar, Cordula Schmidt, Städtische Galerie im Buntentor, Bremen
2002 Cordula Schmidt, Atelierhaus Friesenstraße, Bremen
2005 "Ohne Worte, Ohne Schweigen." Bernadette Lahmer, Cordula Schmidt. Fotografie, Galerie Beim Steinernen Kreuz, Bremen
2006 Cordula Schmidt, Fotografien, Kunsthalle Bremen, Kupferstichkabinett
Ausstellungsbeteiligungen
1991 Kunstfrühling Bremen, BBK Bremen
1992 Junge Kunst in Bremen, Theater auf dem Hornwerk, Nienburg
1993 Ausstellung der Jahresgaben, Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen
1994 Golems Wohnung, Galerie Gruppe Grün, Bremen
1994 a little bit light - a little bit dark, Galerie Gruppe Grün, Bremen
1996 Letzte Bilder, Kunsthalle Bremen
1996 Neues aus der Region, BBK Bremen
1997 Salon de Printemps 97, Théâtre municipal, Luxembourg
1997 ALM, St. Jakobikirche, Stralsund
1997 Aktuelle Kunst aus Bremen, Galeria Akademii Sztuk, Gda´nsk (Polen)
1998 (untitled) - Kunstfrühling 98. Positionen zeitgenössischer Kunst, BBK Bremen
1999 Schätze und Schätzchen aus der Sammlung, Graphothek, Bremen
1999 Randzeit drei, Vorstadt-Theater, Basel
2000 Ohne Titel, swb Galerie, Bremen
2014 Im Focus, Kunsthalle Bremen

Norbert Schwontkowski schrieb über sie:
Wir waren zwei ewig Jungverliebte, die sich absolut sicher waren, nicht füreinander bestimmt zu sein. Nur deshalb konnten wir unentwegt flirten, anzügliche Bemerkungen machen, über uns lachen und Gespräche in größter Offenheit führen. n einem 1. Mai vor ca. acht Jahren fuhren wir das erstamel, ihre Freunde Theo und Dörte zu besuchen, von denen sie mir all die jahre erzählt hatte. Die beiden leben in der Nähe von Zarrentin östlich von Hamburg, kurz hinter der ehemalaigen Grenze, wohin keine Bahn fährt, deshalb war ich ihr Chaffeur und außerdem für den Wein zuständig.
Kaum waren wir auf der Autobahn, sagte sie "Wehe Schwontkowski, Du erzählst etwas von deinen Frauengeschichten..2 worauf ich ernst und einverstanden nickte und sie loslegte.
bis Hamburg hörte sie nicht auf, ihre Liebesabenteuer und Männergeschichten, die ich so kannte wie sie meine, zum besten zu geben. Die restlichen 30 km durfte ich sprechen.
Und wir lachten und lachten und kaum waren wir bei den Freunden, ging die Arbeit mit Gelächter in der Küche weiter, denn im Gegensatz zu mir konnte sie kochen mit einer Lust und Freude und in der Dämmerung standen auf der Terrasse die Spitzenmenüs der Welt. Lange Jahre war der 1. Mai wie ein leutender, heiterer Früsommertag. Schwimmen im See, trinken, essen, vergnügte Gesichter, die Unken, Stille plötzlich. Der Tod Cordulas hat mich sehr berührt, denn eine Phase des Lebens waren wir befreundet, gemeinsam haben wir unter dem Referendariat gelitten und haben uns häufiger getroffen, als sie ihren Buchladen hatte.
Ausschnitte eines Plakates, das sie mir geschenkt hat - es sind Fotos von Ornamenten an Gebäuden, die sie in der Stadt.



Autorin Edith Laudowicz ©