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Thomamüller, Liselotte, verh. Bröcheler,
* 1.11.1908 Mannheim - 24.6.1988 Bremen



Liselotte Thomamüller wurde als Tochter des Kaufmanns Ludwig Mayer geboren. Während ihrer schulischen Ausbildung erhielt sie fünf Jahre lang Klavierunterricht. Nach ihrer schulischen Ausbildung an der Liselotteschule in Mannheim absolvierte sie eine private Handelsschule. Sie arbeitete danach fünf Jahre im Büro der Firmen Knoll AG und im Pharma-Unternehmen Boehringer. Sie lernte 1928 den Musiker Emil Trautmann kennen und heiratete ihn. Erst 1932 begann sie mit einer Gesangsausbildung bei Max Scholl an der Musikhochschule in Mannheim. Sie debütierte 1936 unter ihrem Ehenamen Trautmann am Stadttheater Koblenz in der Rolle der Rolle Leonora de Vargis in Verdis "Macht des Schicksals".

Wie ihre Ehe mit Trautmann endete und wann sie Dr.Franz Thomamüller heiratete und sich von ihm trennte war bislang nicht zu ermitteln, ebenso wenig wann sie den Sänger Caspar Bröcheler(1911-1983) heiratete.1938 wurde sie als erste hochdramatische Sopranistin an das Stadttheater von Bremen verpflichtet. Auch ihr Ehemann Caspar Bröcheler war ab 1940 -1944 am Bremer Theater engagiert. Sie sang u.a. die Donna Anna in Mozarts Don Giovanni, die Martha in "Tiefland", die Leonore in Beethovens "Fidelio", die Marschallin im "Rosenkavalier" und die Strauß'sche Elektra und wurde Bremens bekannteste Primadonna. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde sie dienstverpflichtet und arbeitete im Büro der Roland-Werft.

Die ersten Konzerte nach dem Krieg organisierte sie in ihrem Haus in Bremen. Der Senat stellte hierfür alte Bunkerbänke zur Verfügung. Sie sammelten dabei "eifrig Geld, um damit die ersten Wege zu einer wenigstens notdürftig bespielbaren Bühne zu ebnen. Sie entstand...in der Turnhalle an der Delmestraße. Später durfte nach Freigabe durch die amerikanische Besatzungsmacht auch die Glocke genutzt werden,"1 1948 führte man hier die R. Wagners "Walküre" auf, über die Ludwig Roselies begeistertschrieb: "Überragend wirkte wieder Liselotte Thomamüller als herrlich singende Brünhilde, von ausdrucksreicher Beseeltheit in ihrem ergreifenden Verstehen um menschliches Leid zum göttlichen, trugvoll umstrickten Walvater Wotan." 1949 sang sie in der Aufführung Turandot die Hauptrolle und Ludwig Roselius bescheinigte ihr: " Liselotte Thomamüller war ein Turandot von suggestiver Dramatik im darstellerischen und gesanglichen Format. Sie schuf ihrer vielseitigen Wandlungsfähigkeit auch dieser imponierend gestalteten Titelpartie eine eigene, beeindruckende Atmosphäre."2 .

In der unmittelbaren Nachkriegszeit sang sie auch auf Benefizkonzerten zugunsten der Evangelischen Vertriebenenhilfe und zugunsten notleidender Künstler und in Hamburg gab sie 1952 einen Liederabend mit Kompositionen des Prinzen Fritz von Preußens zugunsten des Masuren-Hilfsfonds." Auch in zahlreichen Konzerten trat sie auf: So 1948 anlässlich eines Sylvesterkonzerts in der Glocke als Rosalinde aus der "Fledermaus",1949 beteiligte sie sich an einem Konzert "Schöne Stimmen - schöne Melodien".3

1950 wurde ihr durch den Bremer Senat der Titel Kammersängerin verliehen. Bei den Bayreuther Festspielen sang sie von 1951-53 die Helmwige in der "Walküre". In Bremen trat sie 1951 in "Lohengrin" in der Rolle der Ortrud auf. 1955 war sie in Holland als Venus im "Tannhäuser" zu Gast. Anlässlich der Aufführung von Verdis "Macht des Schicksals" 1951 hieß es, dass ihr Gesang stürmische Begeisterung ausgelöst habe. Zu ihren großen Bühnenrollen zählten die Isolde im "Tristan", die Brünhilde im Ring-Zyklus, die Titelheldin in "Elektra" von R. Strauss, die Tosca und die Martha in "Tiefland" von E.d'Albert. Anlässlich der Aufführung dieses Werkes 1955 hieß es im Weser-Kurier3: "Man wird zur Zeit auf deutschen Bühnen kaum eine so großartige Verkörperung der Hauptfiguren finden wie hier durch Liselotte Thomamüller (Martha) und Caspar Bröcheler (Sebastiano) stimmlich überragend, von einer prachtvollen Vitalität des Spiels, gewährleisten sie den künstlerischen Genuß des Abends."4 1955 war sie in Holland als Venus im "Tannhäuser" zu Gast. Ende der fünfziger Jahre wandte sie sich auch der modernen Opernmusik zu: 1957 war sie in Paul Hindemiths "Mathis der Maler" zu hören in Hindemiths "Die Harmonie der Welt", eine nordwestdeutsche Erstaufführung.1962 wurde Richard Strauß' "Die Frau ohne Schatten" inszeniert, in der sie die Rolle der Färberin sang.


Am 21. September 1976 wurde ihr die Bremische Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Gegen Ende ihrer Karriere war sie sich nicht zu fein, auch in einer Operette zu singen: 1978 sang sie in Künnekes "Der Vetter aus Dingsda. Sie trat noch bis Anfang der 80er Jahre auf, arbeitete danach aber noch als Stimmbildnerin am Bremer Theater. 1982 wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft des Bremischen Theaters verliehen.

In Bremen Walle ist eine Straße nach ihr benannt
Anmerkungen
1. WK 6.10.92 2. WK 30.11.48 3. WK 8.11.49 4. WK 5.5.55 Literatur und Quellen:
Weser Kurier: 24.12.50,13.3.51,17.10.51, 31.12.1987, 1.1.1988, 27.6.1988, 16.10.92
Cyrus, Hannelore, Bremer Frauen von A - Z. Bremen 1993, S. 187
Deutsche Biographische Enzyklopädie 10: Thies - Zykan, Band 10, S.10

G.Walter: "Stimmen die um die Welt gingen" Ein Magazin, Liselotte Thomamüller-Caspar Bröcheler,
Heft. Nr 83, Oktober 2014, Billerbeckstr. 28 A,48341 Altenberge aus dem Internet herunterladbar:TRAGISCHE OPER IN EINEM AKT

Aufführungsmitschnitt aufgenommen im Januar 1960 in Bremen mit Liselotte Thomamüller (Elektra / Sopran), u.a. Chor und Orchester des Theaters am Goetheplatz Bremen,Dirigent: Heinz Wallberg
Autorin: Edith Laudowicz