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Isenberg, Wobetha Margarethe, gen. Beta, geb. Glade
12.5.1846 Bremen - 10.3.1933 Bremen
 

Wobetha Glade wurde am 12. Mai 1845 in Bremen geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Heinrich Glade(1810-1896) und Johanne Glade, geb. Winter (1814-1894). Sie hatte Sie hatte fünf Brüder: Heinrich Friedrich, Johann Conrad, Friedrich Wilhelm. Frederik, Diederich und drei Schwestern:Anna Dorothea ,Marie Margarethe Henriette, Anne Catharine.


Sie heiratete 1869 den verwitweten Reeder, Zuckerplantagenverwalter und -besitzer Paul Isenberg (1837-1903), der bereits zwei kleine Kinder mit Hannah "Maria" Rice, der Tochter des Plantagengründers, des früheren Missionars William Harrison Rice hatte. Auf dieser Plantage Lihue auf der Insel Kaua'in Hawaii führte er den Anbau von Zuckerrohr ein. Dorthin zog Beta Isenberg nach der Eheschließung. Das Paar bekam noch sechs Kinder, Johannes "John" Carl Isenberg, geb. am 21.9.1870, Heinrich Alexander (geb. im Januar 1872), Julie Maria Pauline (geb. im November 1876), Clara Margarete (geboren 1878), Richard Menno Isenberg (geb.1880) und Paula Bertha Johanna (geboren 1883). Zu ihren Stiefkindern, insbesondere zur Tochter Dora, hielt sie lebenslang intensive Beziehungen aufrecht. 1878 zog sich Paul Isenberg aus der aktiven Plantagenverwaltung zurück, behielt aber seine Besitzanteile aus der Zuckerplantage, die zu den größten Hawaiis gehörte. Um den Kindern eine angemessene Schulbildung zu sichern, kehrte das Paar im gleichen Jahr nach Deutschland zurück, mit ihnen reiste auch die Stieftochter Betas, Dora. Sie wohnten zunächst in Braunschweig, wo Dora ihre Ausbildung beendete.

Ein Jahr später zogen sie nach Bremen, wo sie an der Contrescarpe 19, im heutigen Haus des Instituts Française , wohnten. Paul Isenberg wurde 1881 Teilhaber der Zuckerfabrik Hinrich Hackfeld in Hawaii. Als Hinrich Hackfeld 1886 im Alter von 70 Jahren die Geschäftsleitung an Isenberg abgab, war die Firma H. Hackfeld und Co. einer der größten auf Hawaii. Die Isenbergs, die stark in der evangelischen Kirche verankert waren und schon in Hawaii den Bau einer Kirche mitfinanziert hatten, engagierten sich sehr aktiv für soziale Zwecke. 1895 erwarb Paul Isenberg das Gut Kamp(früher Gut Travenort)im Kreis Segeberg in der Holsteinischen Schweiz und er baute den Gutshof bis 1897 für seine Familie aus.

Als ihr Ehemann 1903 starb, setzte Beta Isenberg dessen soziale Arbeit fort. Sie errichte die "Paul-Isenberg-Stiftung" mit einem Kapital von 100.000 Reichsmark zu Gunsten des Ellener Hofs. Sie ermöglichte mit großzügigen Spenden die Errichtung von Kirchen, kirchlichen, weltlichen und sozialen Einrichtungen. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildete die Tätigkeit bei der Inneren Mission, deren Frauengruppe sie angehörte. Sie setzte sich besonders für sogenannte "gefallene" oder "gefährdete" jungen Mädchen ein. Sie engagierte sich im "Verein für eine Zufluchtstätte für Frauen und Mädchen", dessen Vorsitzende sie 1908 wurde. In der Hemmstraße 157 entstand zunächst ein Arbeiterinnenheim mit acht Betten, dann wurde jedoch in der Hansastraße 122/24 ein größeres Haus angemietet. Hier fanden Frauen und Mädchen Unterstützung und Hilfe: Unverheiratete Schwangere fanden dort nach der Entbindung Unterkunft, Frauen aus Gefängnissen wurden aufgenommen und auch Frauen, die nach einem Krankenhausaufenthalt keine Wohnung hatten."1 Das großer Bedarf bestand, wird in den Jahresberichte deutlich: "Von 41 Fällen in 580 ½ Verpflegungstagen im ersten Jahre sind wir auf 114 Fälle mit 1164 Tagen gestiegen...auffallend groß war in diesem Jahr die Zahl der Kinder, welche zwangsweise von ihren Eltern fortgenommen worden waren."2 Auch im nächsten Jahr stieg die Zahl der Aufgenommenen und man schlug vor zwei getrennte Abteilungen für Frauen und Kinder zu schaffen. 1914 schließlich ermöglichte Beta Isenberg - in den Jahresberichten Frau Paul Isenberg genannt - den Bau und die Einrichtung eines Heimes für Mädchen (Isenbergheim) nach Plänen von Abbehusen und Blendermann an der Kornstraße 209-211, das am 17. Januar 1915 eröffnet wurde. In den Bremer Nachrichten vom 18.1.1915 hieß es dazu: " die neue Zufluchtsstätte konnte gestern besichtigt werden....die Eröffnungsfeier vollzog sich im kleinen Kreis des Vorstandes und des Aufsichtsrates der Zufluchtsstätte im Tagesraum, wo Pastor Frid eine kurze Ansprache hielt. Frau Bernhardine Schulze-Smidt hatte zur Eröffnung ein schönes Gedicht gesandt. und ließ Brot und Salz übereichen... man überzeugte sich von der Zweckmäßigkkeit und der bis in die Einzelheiten wohldurchdachten Einrichtungen... im ganzen können zur Zeit 50 Mädchen und Frauen hier eine gute Unterkunft finden."3

Auch finanzierte sie den Bau der Zionskirche in der Kornstraße, den Anbau des Schwesternhauses der Diakonissenanstalt und den Bau des Landhauses Horn und. Sie unterstützte Künstler und Studenten bei ihrem Studium.

Als sie starb, erschien in den Bremer Nachrichten ein Artikel in dem es heißt:"All ihrem vielseitigen Wirken lag nur das eine Streben zugrunde, eine Frauenseele zu sein, in der sich als Größtes und Tiefstes die Liebe entfaltet. Von ihrer Familie wurde sie als vorbildliche Mutter verehrt, ihr Freundeskreis schätzte sie als echte deutsche Frau, und Bremen, besonders die Bremische Evangelische Kirche, verdankt ihr eine Reihe hochherziger Stiftungen" 4

Literatur und Quellen:
1.Referat über das Isenbergheim von Erich Kurzawski im Januar 1999
2.Jahresberichte vom 1. November 1909 bis 31. Dezember 1910, vom 1. Januar bis 31. Dezember 1911, 1. Januar bis 31. Dezember 1912, 1. Januar bis 31.Dezember 1913, (zur Verfügung gestellt von Pastor Schaumann, Archiv Innere Mission)
3.Bremer Nachrichten 18.1.1915
4.Bremer Nachrichten 16.3.1933
Cyrus, Hannlore (Hg.) Bremer Frauen von A-Z, S. 407 ff.
http://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Isenberg
George F. Nellist, ed. (1925). "Isenberg, Paul". The Story of Hawaii and Its Builders. Honolulu Star Bulletin, http://files.usgwarchives.net/hi/statewide/bios/isenberg34bs.txt,Abruf 22.6.2012 Heyne, Bodo: in: Bremische Biographien 1912-1962, Bremen 1969
Zum Gedächtnis an Beta Isenberg, geb. Glade, Bremen o.J. (1933)(Foto)


Autorin: Edith Laudowicz
Die Beta-Isenberg-Straße in Bremen Obervieland, Ortsteil Kattenesch, wurde 2001 nach ihr benannt. An der Kornstr. befindet sich das Isenbergheim