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Hörmann, Martha

27.2.1888 Wulsdorf - 12.8.1971 Bremerhaven-Wulsdorf

"Ich bin Lehrerin gewesen und bin es gern gewesen", schrieb Martha Hörmann als 80jährige in ihren Erinnerungen "50 Jahre Bremen" (Hörmann I.S.2). Sie hätte diesen Beruf nie gegen einen anderen tauschen mögen. Sie zog den Beruf der Lehrerin vor, auch als ihr nahegelegt wurde, sich als Direktorin des Lyzeums im Westen zu bewerben. Erst 1945 ließ sich die durch den Nationalsozialismus unbelastete Studienrätin überreden, die Leitung des Vietor-Lyzeums zu übernehmen.
Martha Hörmann war das älteste von sechs Kindern (vier Töchter, zwei Söhne) des Rektors einer Wulsdorfer Schule, Hinrich Hörmann, und seiner Frau Christiane, geb. Bertram. Nach der Volksschule besuchte sie in Geestemünde die Höhere Mädchenschule, bevor sie als 16jährige in die Landeshauptstadt Hannover ging, um dort die "Höhere-Töchter-Schule", der eine Lehrerinnenbildungsanstalt angeschlossen war, zu absolvieren.
Nach Beendigung ihrer Ausbildung von 1904-1907 unterrichtete Martha Hörmann zunächst an einer zweiklassigen Volksschule in Bardenfleth. Doch bildungshungrig bereitete sie sich auf das Abitur vor, das sie 1910 ablegte, um Naturwissenschaften - Mathematik, Chemie und Biologie zu studieren. Sie begann im Sommersemester 1910 mit ihrem Studium in Jena, wechselte nach München über, um letztlich in Jena ihre Examina abzulegen und ihre Studien im Wintersemester 1914/15 zu beenden. Als Lehramtskandidatin kehrte sie an die alte Schule in Geestemünde zurück. Weitere Stationen waren Lüneburg und Köslin, bevor sie sich 1918 als Studienrätin an die Kleine Helle bewarb, in der eine Studienrätin mit ihrer Fächerkombination gesucht wurde. Der Leiter der Schule kam huchstpersönlich und hospitierte in Unterrichtsstunden in Chemie, Mathematik und Biologie. Sie wurde engagiert und begann 1918 als Studienrätin der Kleinen Helle.
Besonders engen Kontakt gewann sie hier zu ihren Kolleginnen Dr. Johanne Lürssen, Dr. Marie Quincke , Dr. Martha Horneffer und Margarete Eggert (25.5.1883-2.5.1936). Zu diesem Kolleginnen und Freundinnenkreis, der sich zum Gesprächskreis "Oase" zusammenschloß und sich allmonatlich traf, gesellten sich auch Emmy Grave und Änne Disse. Es war eine illustre Pädagoginnenrunde, aus der außer Änne Disse alle zu Direktorinnen, Oberstudiendirektorinnen oder gar Schulrätinnen avancierten. Es wurden Schul- und Frauenfragen angesprochen, aber auch die brennenden Probleme der Zeit diskutiert. Denn die Frauen waren politisch interessiert, einige parteipolitisch gebunden. Martha Hörmann gehörte der Deutschen Demokratischen Partei an und äußerte sich an vielen Stellen ihrer Erinnerungen zu den aktuellen tagespolitischen Ereignissen. Martha Hörmann hatte den Sieg der parlamentarischen Demokratie über die Räterepublik begrüßt "sagte innerlich ja zur Weimarer Republik und trat für sie ein" (Hörmann I. S.11r). Auch für sie wurde Rathenau zum Märtyrer.

1921 kam Else Hörmann (1890-1941) nach Bremen, um mit Martha einen gemeinsamen Hausstand zu führen. Die beiden Schwestern arrangierten sich arbeitsteilig. Martha Hörmann ging dem Broterwerb als Pädagogin nach und verdiente das Geld, das Else Hörmann durch sorgfältige Haushaltsführung sicherte, so daß sich die beiden Schwestern 1939 ein eigenes Haus in der Emmastraße 219 bauen lassen konnten. Gemeinsam sangen die Schwestern im Philharmonischen Chor, für den sie Marie Quincke geworben hatte. Und gemeinsam wirkten sie auch ab 1926 in der "autarken Truppe", der Kabarettgruppe des Lehrerinnenverbandes mit, unter der "genialen Meta E.Schmidt" (Hörmann I S. 19). Höhepunkte waren die alljährlich im Februar/März stattfindenden Feste, für die Meta E. Schmidt die Stücke schrieb und die jeweiligen männlichen Hauptrollen spielte. Für die öffentlichen Veranstaltungen von Frauen für Frauen, zuerst im "Museum", dann in den "Centralhallen" steuerte Else Hörmann Bühnendekorationen und Kulissen bei und wirkte als "Edelstatistin" mit. Martha Hörmann reimte insbesondere die Texte für die Nachfeiern, für die Else später auf braunem Packpapier Karikaturen der Feste und der Prominenz zeichnete, so daß diese Nachfeiern zu einem eigenständigen internen gesellschaftlichen Erlebnis wurden, insbesondere nach der Machtergreifung durch Hitler, als kein politisches Kabarett mehr erlaubt war.

Die Weimarer Zeit war, wie Martha Hörmann konstatierte, "eine unruhige Zeit voller heißer Ansichtsauseinandersetzungen". Aber sie gaben "den Frauen viele reizvolle Aufgaben und neue Möglichkeiten ihr Leben aufzubauen und zu gestalten" (Hörmann II S.14). Die Machtübernahme Hitlers 1933 "bekamen die Frauen sehr schnell zu spüren", schrieb Martha Hörmann (II S. 9). Margarete Eggert erhielt nicht mehr die Leitung des Lyzeums Janson. Am 8.6.1933 wurde Sara Agnes Heineken wegen "politischer Unzuverlässigkeit" ihres Amtes enthoben. 1934 wurde ->Johanna Lürssen entlassen, weil eine Frau als Schulrätin nicht tragbar erschien. Martha Hörmann notierte diese Tatsachen empört (Hörmann II S. 9r). Die Gleichschaltung auf allen Gebieten empfand sie als "grenzenlose Verarmung und Langeweile" (Hörmann II S. 10). Sie versagte sich der NSDAP und wählte sie auch 1933 nicht, als ihr ein SA-Mann bei der "geheimen" Wahl über die Schulter schaute.

Mit Entsetzen registrierte sie in ihren Erinnerungen die Überfälle auf die Tschechoslowakei, auf Polen, die "Reichskristallnacht", den Kriegsbeginn. Martha Hörmann konzentrierte sich auf ihre Arbeit als Pädagogin, aber mit wachem Auge schaute sie auf die politischen Ereignisse, dokumentierte sie und bildete somit ein lebendiges Bild des Lebens und šberlebens in schwerer Kriegszeit nach. 1941 starb Else Hörmann. Martha Hörmann war nun allein mit ihrer 13jährigen Nichte, die seit Jahren in dem Haushalt lebte. Anne, die Martha Hörmann später adoptierte, glitt vom "Kindsein sofort in das Hausfrausein", wie Martha Hörmann schrieb, hinüber. Das Kind wurde ihr zum großen "Trost und Halt" und seine "Fröhlichkeit" taten ihr gut (Hörmann IV S.8). In der Nacht zum 25./26.4.1945 war auch in Bremen der Krieg zu Ende. Für sie war die Verteidigung Bremens "verantwortungslos" gewesen. Doch nun stellte sie sich den Aufgaben der neuen Zeit. Martha Hörmann verabschiedete sich 1945 aus dem Kollegium der von ihr geliebten Kleinen Helle, um als Direktorin die Leitung des Vietor-Lyzeums zu übernehmen. Sie war eine beliebte und umsichtige Leiterin. 1953 trat sie in den wohlverdienten Ruhestand. Sie "war glücklich in ihrem Beruf, wie es nur der sein kann, dem seine Arbeit wirkliche Erfüllung bedeutet", hieß es in einem Nachruf (WK 25.3.1953).

Literatur und Quellen:
Martha Hörmann, 50 Jahre Bremen, Erinnerungen,unveröffentlichtes Manuskript;

Interview mit Anne Hörmann-Müller mit der Verfasserin;
Weser Kurier 25.3.1953
StAB 4.11 Pers.-2407
Publikationen: In der Staats- u. Universitätsbibliothek in Hamburg befindet sich im Nachlass Flittner eine Auswahl von Briefen von ihr, sie hatte ab 1935/36 eine Briefsammlung angelegt, deren Verbleib unbekannt ist.
Old Germany, Vorkriegskultur in Jena/München, aus Martha Hörmann Tagebüchern, abgetippt von Walter Fränzel, o.D.
Kurzchronik des Sera-Kreises in: Kindt, Werner, Jugendbewegung II - Die Wandervogelzeit, Düsseldorf 1968

Autorin: Hannelore CyrusErgänzung EL

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