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Schmidt, Meta Elisabeth1
24.7.1878 Bremen - 29.1.1941 Bremen


Meta Schmidt’s Vater war der Graveur Andreas Friedrich Schmidt(1851-1932), ihre Mutter Marie Catherine Krüger(1857-1932).1 Schon als Kind besuchte sie Kippenbergschule und später das angegliederte Lehrerinnenseminar.2
1897 legte sie das Lehrerinnenexamen ab.Schon während ihrer Ausbildung interessierte sie sich für das Theater und für die Schauspielerei. Nach ihrem Lehrerinnenexamen ging sie zunächst ein Jahr nach England, dann für sieben Jahre nach Argentinien, wo sie Lehrerin und Erzieherin auf großen Estancias war. Nach ihrer Rückkehr gab sie neben ihrer Tätigkeit an bremischen Volksschulen auch Abendkurse in Spanisch. Sie unterrichtete die letzten 25 Jahre ihr Lehretätigkeit ausschließlich an Knabenschulen. H. Wulff merkte dazu an: "Weil ihre starke überlegene Persönlichkeit sie in hohem Maße für Unterricht und Erziehung der Jungen geeignet machte"2
In ihren pädagogischen Bemühungen unterstützte sie die schulische Reformbewegung. Meta E.Schmidt gehörte dem "Verein bremischer Lehrerinnen" an, für den sie 1919 in die Lehrerkammer gewählt wurde. Der Lehrerinnenverein setzte sich vor allem für die Mädchenbildung ein, vertrat aber auch eigene Interessen, wie z.B. die Einstellung in den öffentlichen Dienst, Gehaltsaufbesserungen und Ruhegehaltsberechtigung und die Gleichstellung mit den männlichen Kollegen.
Unter Meta E. Schmidts Leitung entwickelte sich aus einem Festausschuss zur Vorbereitung der alljährlich stattfindenden Lehrerinnenfeste allmählich eine feste Gruppe, die die alljährlich von ihr verfassten kabarettistischen Zeitstücke in den "Centralhallen" aufführte. Meta schrieb nicht nur die Texte, sondern war zugleich "Direktor", Regisseurin und Schauspielerin aller männlichen Hauptrollen. Es gelang ihr, die Kolleginnen zu ausgezeichneten Leistungen zu führen. Sie entdeckte und förderte Talente. Für die Einstudierung der Tänze und Ausarbeitung der Choreographie war die Ballettmeisterin des Bremer Theaters, Fanny Bourgeau zuständig. Während sie anfangs nur für Frauen spielten, wurden später auch Männer als Zuschauer zugelassen.Der Festsaal der Centralhallen war bei diesen Aufführungen überfüllt.
Ihr Stück "Sieben Genies suchen einen Operettenkomponisten" ließ sie drucken. Es erlebte auch an anderen Bühnen außerhalb Bremens Aufführungen. 1930-1934 waren die Höhepunkte ihres literarischen und kabarettistischen Schaffens. Dass eine solche Arbeit den Faschisten, dem emanzipierte Frauen ein Dorn im Auge waren, zeigte sich sofort nach der Machtergreifung: bei den Aufführungen: am 25. Februar des Stückes "Blauer Dunst" konnten SA-Leute, die Einlass begehrten, noch zurückgewiesen werden. Sie ließ sich nicht so leicht einschüchtern und 1934 veröffentlichte sie das Stück "Schloß und Hütte", eine Persiflage auf die neuen Rassengesetze und die Vererbungslehre. 1936 wurde ihr Stück "Eine Olympiade" aufgeführt, in dem es jedoch nicht um Sport, sondern um die von den Faschisten propagierte Ideologie der Mütterlichkeit ging, die Frauen zurück an Heim und Herd verweisen wollte. Doch ihre Bühnenwerke wurden einer Zensur unterworfen.
Meta E. Schmidt war bei den Kolleginnen aufgrund ihres Humors sehr geschätzt. Ihre engste Freundin, Almuth Niemann, schrieb über sie, sie sei ein wacher, lebendiger Mensch gewesen, der für gesellschaftliche Probleme großes Interesse gehabt habe. Mit ihrem künstlerischen Schaffen habe sie dazu beitragen wollen, das Publikum zu einer Gesinnung aufzurufen, die sich für Freiheit der Persönlichkeit einsetzte und allem abhold war, was Zwang und Unterdrückung hieß"2.
Am 29.Juli 1948 erschien im Weser-Kurier eine Würdigung Meta 'Schmidts unter dem Titel "Menschen,die Bremen nicht vergißt." geschrieben von Almuth Niemann:
Auf der Bühne des kleinen Saales der Bremer Cenrtralhallen steht ein Herr im Frack,der mit Esprit und Eleganz konfereriert. aber was für eine Zuhörerschaft ist es ,die gebannt der Revue auf der Bühne folgt? Es sind ausschließlich Frauen zwischen 20 und 80 Jahren, die alle hingerissen sind von den Darbietungen der Theatergruppe und ihres überragenden Conferenciers. Wer genauer zusieht, findet bald heraus, daß aber alle Darsteller ( auch die der Hosenrollen) Frauen sind - bis auf einen eben jenen schlanken Herrn im Frack. Aber - auch dieser ist eine Frau, die Eingeweihten wissen, daß die originelle einmalige Erscheinung dortoben Meta E. Schmidt ist, die Leiterin der Spielschar bremischer Lehrerinnen, di ealljährlich im Februar eine Revue aus der Feder Meta E. Schmidts auf die Bühne stellt.


Spielschar der Lehrerinne

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Dreißig Jahre lang - von 1907 bis 1937 - hat sie auf den Stiftungsfesten des Bremischen Lehrerinnenvereins die "Unterhaltung" des Abends gestaltet, bis im Laufe der Jahre diese "Unterhaltung" allmählich Selbstzweck wurde und zu einem abendfüllenden Programm anwuchs.
Ab 1931 wurden auch männliche Zuschauer zugelassen, und bald besuchten nicht nur Pädagogen, sondern auch Bühnenkünstler, Musiker und Autoren diese Feste.
Meta.Schmidt hat fast viezig Jahre in Bremen viele Schülergenerationen unterrichtet und sie mit ihrem reichen Können, ihrem lebendigen energievollen, gütigen Wesen beschenkt. Weites Wissen, das sie sich unter anderem in siebenjähriger Eriehertätigkeit im Ausland (England und Südamerika) erworben hatte, fundamentierte ihre Arbeit. Wie bei Kindern, so war sie beiden Kollegen beliebt, denen sie durch ihren Humor in manchen Schwierigkeiten neuen Antrieb gab. Sie war der natürliche Mittelpunkt in dem sie durch ihre Stärke ihrer Persönlichkeit wirkte.

Das Hitleregime lähmte ihr Schaffen als Lehrerin und als Autorin. Beobachtet, in ihren kleinen Bühnenwerken zensiert, wurde ihre Schaffenslust gehemmt, ihr Lebenswille gebrochen.
Die Unterdrückung der geistigen Freiheit bedeutete ihr, die aus Veranlagung ihres Charakters die Freiheit vor allem liebte, die Zerstörung der pädagogischen Arbeit und ihrer küstlerischen Tätigkeit.
1937 trat sie mit ihrer Spielschar zum letzen Mal an die Rampe, im der Hoffnung nach Beseitigung des Sysems, die Leier wieder ergreifen zu können.
Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Bei den ersten Angriffen im Januar 1941 wurden die Fenster ihrs Hauses zerschlagen; sie zog sich eine Lungenentzündung zu: nach nur fünftägiger Krankheit starb sie. Unbemerkt fast, ohne jemanden zur Last gefallen zu sein (wie sie es sich gewünscht hattte), ging sie von dieser Erde.
Im Bremer Stadtbild galt Meta Schmidt als bekannte Erscheinung, als Erziehrpersönlichkeit war sie von großem Format, vergleichbar in ihren Qualitäten einer Metta Meinken, Magda Böttner oder Dora Behrmann. Ihr Tod hinterließ Lücken, aber es wäre nicht in ihrem Sinne, diese Erinnerung in Tränen ausklingen zu lassen. Ihre zahlreichen
Freunde werden zu ihrem 70.Geburtststag an die Worte gedacht haben, die sie selbst gern zietierte; "es lebe die Zwischenzeit".


"Heut' wird in allen Zonen, ja Zonen, ja Zonen,
Wo Kind und Mutter wohnen -
Gefeiert Muttertag.
Da wird bei allen Kindern, ja Kindern, ja Kindern,
Bei frommen und bei Sündern,
Die Mutterliebe wach."
Text von Meta E. Schmidt 1934

Anmerkungen:
1.Stammtafeln des Ehepaars A.F. Schmidt und M.C. Krüger, Focke-Museum Bremen Ba-K134
2.Wulff, Hinrich: Geschichte und Gesicht der bremischen Lehrerschaft, 2.Bd., Bremen 1950 S.153
3.Niemann, Almuth, Weser-Kurier 19.7.1949
Publikationen:
Theaterstücke die sie schrieb:
Rauf und runter, Zeit-Geist? - Zeitgeist, 1930
Hundertprozentig 1931
Tönende Wochenschau 1932
Blauer Dunst 1933
Schottische Ballade 1934
Wunder und Plunder 1935
Eine Olympiade 1936

Literatur und Quellen:
Cyrus, Hannelore "Die Zeit, der Geist und der Zeit(un)geist" in: Aschenbeck, Nils "Bremen lang und breit", Fischerhude 1995;
Weser-Kurier 29.Juli 1949
L'Homme. Band 4, Heft 1, Seiten 57–73,ISSN (Online) 2194-5071, ISSN (Print) 1016-362X, DOI: 10.7767/lhomme.1993.4.1.57, June 1993
Almuth Niemann, handschriftliche Aufzeichnung, in: Verein Bremischer Lehrerinnen, StaB 4/137
Bildquellen.Privatbesitz Martha Hörmann
Autorin:Edith Laudowicz